03/09/2026
Deutlich mehr Menschen als erwartet waren am Dienstagabend (1. September) der Einladung des Friedensplenums Iserlohn gefolgt, um auf dem Alten Rathausplatz 87 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs gegen Sozialabbau und für Frieden zu demonstrieren.
Gekommen waren fast 100 Frauen und Männer, erwartet hatten die Organisatoren etwa ein Drittel, wie Jörg Jung im Gespräch mit der Heimatzeitung erklärte: „Wir haben ja sehr kurzfristig eingeladen und wenig Werbung gemacht.“ Nachdem er die Veranstaltung eröffnet und der Friedenschor gesungen hatte, übernahm Sven Schau für das Friedensplenum das Mikrofon.
Unsere Jugend ist nicht das personelle Auffangbecken für eine verfehlte Rüstungspolitik.
Sven Schau, Friedensplenum
Unter dem Titel „Friedensfähig statt kriegstüchtig: Sozialstaat verteidigen – Desinformation bekämpfen“ ging Schau zunächst auf die aktuellen Kriege und Konflikte ein. „Jeder Euro, der in Fregatten, Panzer, Kampfjets und Raketen fließt, fehlt uns beim Bau von Wohnungen, fehlt uns beim Klimaschutz und fehlt uns bei der Absicherung unserer Renten“, betonte er. Schau kritisierte das neue Wehrdienstmodell, das als „moderner Freiwilligendienst verkauft“ werde. „Unsere Jugend ist nicht das personelle Auffangbecken für eine verfehlte Rüstungspolitik.“
„Beispielloser Kahlschlag im Sozialbereich“
Wahre Friedensfähigkeit beginne im Inneren und beim sozialen Zusammenhalt. In diesem Zusammenhang blickte er auf den städtischen Haushalt und den damit verbundenen „beispiellosen Kahlschlag im Sozialbereich“: Von der pauschalen 20-prozentigen Kürzung der freiwilligen Leistungen für Vereine über die Elternbeiträge für Kitas und OGS bis hin zu sanierungsbedürftigen Schulen reichten die Beispiele. Schau schloss damit, dass immer gezielter falsche Informationen verbreitet würden, um bewusst Neid zu schüren.
Die AfD nimmt berechtigte Existenzängste und liefert den Menschen einen Schuldigen: den Geflüchteten, den Bürgergeldempfänger.
Sylvia Bolle-Olbrich, Bündnis 90/Die Grünen
Grünen-Ratsfrau Sylvia Bolle-Olbrich erklärte: „Wir erleben gerade, wie Milliarden für Aufrüstung mobilisiert werden, und gleichzeitig hören wir bei sozialen Fragen immer wieder: ,Dafür ist kein Geld da.‘“ Ihre Erfahrungen aus ihrer ehrenamtlichen Arbeit in der Sozialberatung zeigten, dass Senioren oder Menschen mit Behinderung kaum bezahlbare Wohnungen finden könnten. Sicherheit bedeute auch, keine Angst davor haben zu müssen, im Alter das eigene Zuhause zu verlieren. „Die AfD nimmt berechtigte Existenzängste und liefert den Menschen einen Schuldigen: den Geflüchteten, den Bürgergeldempfänger“, so Bolle-Olbrich. Es sei das „Geschäftsmodell der extremen Rechten“, Arme gegeneinander aufzuhetzen, Schuldige zu erfinden. Sie kritisierte die „Partei, die Sanktionen gegen Russland beenden und die Unterstützung der Ukraine zurückfahren will.“
Demonstration gegen Sozialabbau in Iserlohn auf dem Alten Rathausplatz
Sylvia Bolle-Olbrich (Bündnis 90/Die Grünen) kritisierte die AfD.© IKZ | Jennifer Katz
Wir müssen heute mehr denn je die Einhaltung von Recht und Völkerrecht einfordern. Wir müssen zu einem Frieden mit und nicht gegen Russland kommen, es wird unser Nachbar bleiben.
Reiner Klick, Die Linke
An das Kriegsende und die Lehren daraus erinnerte Reiner Klick (Die Linke). Er spann den Bogen von den 90er Jahren, als der Bürgerkrieg in Jugoslawien begann, über den ersten Angriff Russlands auf die Ukraine 2014 bis hin zu den aktuellen Konflikten. „Wir müssen heute mehr denn je die Einhaltung von Recht und Völkerrecht einfordern. Wir müssen zu einem Frieden mit und nicht gegen Russland kommen, es wird unser Nachbar bleiben“, so Klick.
Demonstration gegen Sozialabbau in Iserlohn auf dem Alten Rathausplatz
Reiner Klick (Die Linke) erinnerte an das Ende des 2. Weltkrieges.© IKZ | Jennifer Katz
Marcel Rissmann von der IG Metall forderte die Anwesenden eindringlich auf, sich „über alle Grenzen zusammenzuschließen“, weil die „Regierung alles attackieren will, was Arbeiter erreicht haben“. Deshalb sei es wichtig, sich an Aktions- und Streiktagen zu beteiligen, unter anderem am Samstag, 26. September, in Essen.
Demonstration gegen Sozialabbau in Iserlohn auf dem Alten Rathausplatz
Sven Rissmann von der IG Metall forderte zur Teilnahme an Aktionstagen auf.© IKZ | Jennifer Katz
Wir dürfen nicht warten, bis rechtsextreme Mehrheiten haben, wir müssen ihnen widersprechen, auch hier in Iserlohn.
Kristin Rau, Friedensplenum
Demonstration gegen Sozialabbau in Iserlohn auf dem Alten Rathausplatz
Kristin Rau vom Friedensplenum wünscht sich, dass Iserlohn eine Stadt der Solidarität wird.© IKZ | Jennifer Katz
Kristin Rau war die zweite Rednerin des Friedensplenums. „Wir stehen hier, weil Geschichte eine Verpflichtung bedeutet“, sagte sie. Der Zweite Weltkrieg sei von Deutschland ausgegangen und sei mit Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, Militarismus und einer menschenverachtenden Ideologie verbunden gewesen. „Und deshalb sagen wir heute: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“ Dieses „Nie wieder“ dürfe aber keine leere Floskel sein, sondern müsse Konsequenzen haben. „Wir brauchen Friedensfähigkeit, keine Kriegstüchtigkeit“, so Rau. Wer Frieden wolle, müsse die Ursachen von Unsicherheit bekämpfen. Es gehe nicht darum, ob Geld da sei, sondern darum, wofür es ausgegeben werde. „Wenn der Staat soziale Sicherheit abbaut und gleichzeitig Unsicherheit wächst, entsteht Frust. Wenn die demokratische Politik darauf keine Antwort gibt, dann kommen die Rechten“, so Rau. Die AfD sei „längst keine politische Randerscheinung mehr“, sondern sitze in Parlamenten und erreiche Millionen Menschen: „Und sie versucht, sich als Partei der kleinen Leute und sogar als Friedenspartei darzustellen.“ Frieden bedeute aber nicht: „Deutschland zuerst.“ Frieden bedeute: „Menschen zuerst.“ Rau unterstrich: „Der Kampf gegen Rechts ist untrennbar mit dem Kampf für Frieden verbunden. Wir dürfen nicht warten, bis rechtsextreme Mehrheiten haben, wir müssen ihnen widersprechen, auch hier in Iserlohn.“ Iserlohn solle eine Stadt der Solidarität sein...
IKZ, 3. September 2026