07/06/2026
Hoppegarten beschließt Millionenhaushalt – und gräbt tief in die Rücklagen.
Die Gemeindevertretung Hoppegarten hat den Haushaltsplan 2026 diese Woche beschlossen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 49,9 Millionen Euro Erträge stehen 51,3 Millionen Euro Aufwendungen gegenüber, ein strukturelles Defizit von 1,44 Millionen Euro, das im Laufe des Beratungsverfahrens noch einmal um rund eine Million Euro gewachsen ist. Das tatsächliche Minus liegt damit bei über 2,4 Millionen Euro. Die Ursachen wird die Gemeindevertretung in den kommenden Wochen im Detail aufarbeiten und öffentlich benennen. Zur Wirkung kommt der Beschluss allerdings erst nach öffentlicher Bekanntmachung und Genehmigung durch den Landkreis Märkisch-Oderland.
Besonders ins Auge fällt die Ausgabenseite. Die Kreisumlage verschlingt allein 13,8 Millionen Euro – das sind 86,8 Prozent aller Transferaufwendungen und rund 27 Prozent des gesamten Haushaltsvolumens. Gleichzeitig brechen die Schlüsselzuweisungen des Landes um 1,37 Millionen Euro ein, von 5,77 Millionen Euro im Vorjahr auf nur noch 4,4 Millionen Euro. Wer hofft, dass die Steuereinnahmen das auffangen, wird enttäuscht: Die Grundsteuer B wurde von 370 auf 160 Prozent Hebesatz nahezu halbiert – das entlastet Grundeigentümer, reißt aber eine erhebliche Lücke auf der Einnahmenseite.
Auch die Investitionsplanung verdient einen zweiten Blick. Über 10,8 Millionen Euro sollen 2026 investiert werden, in Straßen, Schulen und kommunale Gebäude. Klingt ambitioniert, doch dem stehen lediglich 628.741 Euro an Investitionseinzahlungen gegenüber. Der Rest wird aus dem laufenden Finanzmittelbestand bestritten. Das Ergebnis: Der Bestand an eigenen Finanzmitteln sinkt 2026 um 9,49 Millionen Euro.
Dabei hat die Gemeindevertretung in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Liste von Großprojekten beschlossen, deren Finanzierung bei dieser Haushaltslage zunehmend fraglich wird. Ein Neubau der Oberschule steht auf der Agenda, dazu der Bau einer Schwimmhalle und die Entwicklung des restlichen Geländes am Bahnhof Hoppegarten. Die Lenné-Grundschule in Dahlwitz-Hoppegarten, inzwischen in einem erkennbar maroden Zustand, wartet dringend auf Sanierung oder Neubau. Zwei neue Feuerwehrgerätehäuser, eines in Dahlwitz-Hoppegarten, eines in Münchehofe, sind beschlossen, ebenso zahlreiche weitere Maßnahmen. Die Verpflichtungsermächtigungen für künftige Investitionsjahre wurden im Haushalt mit 31,5 Millionen Euro festgesetzt, ein Versprechen auf die Zukunft, das die Gemeinde erst noch einlösen muss.
Am besorgniserregendsten ist der mittelfristige Ausblick. Laut Finanzplan droht das Defizit 2027 auf 5,5 Millionen Euro zu explodieren – mehr als das Dreifache des aktuellen Wertes. Bis 2028 könnte der Finanzmittelbestand der Gemeinde unter 32 Millionen Euro fallen, 2029 sogar auf unter 22 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang von fast 60 Prozent innerhalb von nur vier Jahren. Und das, wohlgemerkt, ohne dass die oben genannten Großprojekte bereits vollständig in den Zahlen abgebildet sind.
Wir stellen fest: Beschlüsse sind keine Garantien. Wer Oberschulneubau, Schwimmhalle, Lenné-Grundschule, zwei Feuerwehren und die Bahnhofsentwicklung gleichzeitig verspricht, aber die Haushaltslage strukturell verschlechtert, der riskiert, am Ende keines dieser Projekte wirklich umsetzen zu können. Dieser Haushalt ist noch genehmigungsfähig, aber er ist kein Haushalt der Stärke. Er ist ein Haushalt auf Vorschuss. Wer heute Rücklagen verbraucht, ohne die Einnahmebasis zu stärken und die Ausgaben zu senken, der schränkt den Handlungsspielraum künftiger Generationen in Hoppegarten massiv ein. Das werden wir weiter kritisch begleiten und öffentlich benennen.
(T.S)