01/03/2023
Wir gratulieren dem Braunkehlchen zur NABU-Wahl als Vogel des Jahres und freuen uns riesig, dass es eine unserer LIFE-Zielarten geworden ist. Denn der hübsche kleine Singvogel mit der braunen Brust und dem markanten Streifen über den Augen hat eindeutig mehr Aufmerksamkeit verdient: Früher in der Rhön ein häufig anzutreffender Bewohner, ist es heute stark gefährdet.
Der Zugvogel verbringt den Winter im Süden und kommt erst im April wieder zu uns zurück. Hier baut es seine Nester gut versteckt zwischen Grashalmen auf blütenreichen, oft feuchten Wiesen und Brachen. Doch solche Lebensräume werden immer seltener. Intensive Landnutzung verwandelt immer mehr Grünland in blütenarme Graslandschaften, in denen kein Vogelkind überleben kann. Der Mäher kommt meist mehrmals pro Jahr – oft schon so früh, dass Blühpflanzen gar nicht erst die Samenreife erreichen. Die Wiese wird immer eintöniger und uninteressanter für Insekten, die wichtigste Nahrungsquelle der Vögel. Düngung und der Einsatz von Pestiziden tun ihr Übriges. Auch werden manchmal die Gelege zerstört, bevor die Jungen flügge werden, beispielsweise, wenn beim Wandern oder Radfahren die Wege verlassen werden oder freilaufende Hunde durch Brutgebiete jagen.
Auf hessischer Seite wird aktuell nur noch von zwei bis drei Brutpaaren ausgegangen. Das ist wirklich traurig.
Mit Lebensraumverbesserungen, von denen auch andere wiesenbrütende Arten profitieren, versuchen wir im LIFE-Projekt, wieder mehr Braunkehlchen in die Region zu locken. Dazu zählen die Einrichtung von Schonstreifen und künstlichen Ansitzwarten, die Neuschaffung artenreicher (Berg)Wiesen oder die Umstellung der Bewirtschaftung auf extensive Nutzung. Mit Schildern in der Landschaft sensibilisieren wir Gäste und Bevölkerung für ein rücksichtsvolles Verhalten während der Brutzeit.
Habt Ihr schon mal ein Braunkehlchen gesehen?
📸: 1. Maik Sommerhage (Archiv Vogelschutzwarte), 2. Felix Bayer, 3. Torsten Raab