02/03/2025
Kehrtwende bei der Rosa-Parks-Schule
Licht am Ende des Tunnels?
Die Historie zur Rosa-Parks-Schule ist lang. Das im klassischen Stil der 70er Jahre errichtete Gebäude hat seine besten Zeiten hinter sich, was 50 Jahre nach seiner Errichtung auch nicht für Verwunderung sorgen dürfte. Bauliche Mängel fielen zum Beispiel bereits im Jahr 2007 auf, als ein Basketball-Spiel der Hertener Löwen abgebrochen werden musste, weil es durch das Dach regnete und apropos Dach: auch die Bedachung der Bibliothek war im Jahr 2015 hinüber. Spätestens seit diesem Zeitpunkt war klar: Hier besteht Handlungsbedarf und ca. 7 Millionen Euro flossen in ersten Reparaturen.
In der Tat wurde nach umfangreicher Begutachtung festgestellt, dass das Schulgebäude besonders im Bereich der technischen Ausstattung und des Brandschutzes großen Sanierungsbedarf hat. Viele Bauteile hatten ihre 1975 kalkulierte "Lebensdauer" längst überschritten. So kam es Anfang 2017, also vor exakt acht Jahren zu einer ersten großen Kostenauflistung, die eine Sanierung mit ca. 35 Millionen Euro und einen Neubau mit etwa 50 Millionen Euro kalkulierte. Der Rat entschied sich mit großer Mehrheit für eine Sanierung, die Fraktion DIE LINKE bevorzugte damals einen Neubau.
Jedoch ließ die damals beschlossene Sanierung aus unterschiedlichen Gründen lange auf sich warten, genau gesagt dauerte es etwa vier Jahre, ehe es auf Antrag mehrerer Fraktionen wieder einen längeren Sachstandsbericht der Verwaltung gab. In der Zwischenzeit war Hermann Pieper aus dem Resort Finanzen zum Dezernenten für Bildung und Soziales gewählt worden. In neuer Funktion berichtete er, dass die kalkulierten Zahlen aus dem Jahr 2017 komplett hinfällig geworden seien und neu evaluiert werden müssen. Aus einem Sanierungsstau von 35 Millionen wurden schnell 50, 60, 70 Millionen und im Jahr 2024 war laut Hermann Pieper sogar von einer Summe im "möglicherweise dreistelligen Bereich" die Rede. Kurzum: Das Projekt wurde nahezu unkalkulierbar.
In der Zwischenzeit wurde zudem deutlich, dass auch das Glashaus nach über 30 Jahren seines Bestehens vor allem in puncto technischer Ausstattung sanierungsbedürftig ist, so dass letztendlich für beide Gebäude Machbarkeitsstudien erstellt wurden, mit dem Ergebnis, dass eine Sanierung des Glashauses in unterschiedlichen Varianten ca. 30 Millionen Euro kosten würde. Für die Rosa-Parks-Schule wurden gleich vier Varianten vorgestellt, teils mit schwer zu verstehendem Zahlenwerk, jedoch mit dem Fazit, dass ein Neubau langfristig betrachtet wohl wirtschaftlicher sei. Einigkeit herrschte zuletzt im Rat ausschließlich dergestalt, der Rosa-Parks-Schule höhere Wichtigkeit als dem Glashaus zu schenken.
Die jüngste Entwicklung dazu ist bekannt und führte zu einer der kontroversesten Debatten in der aktuellen Ratsperiode. Die Verwaltung plante einen Inklusions-Campus zwischen Rosa-Parks-Schule und der mittlerweile zu klein gewordenen Christy-Brown-Förderschule und beabsichtigte, ein unmittelbar westlich der Rosa-Parks-Schule seit geraumer Zeit brachliegendes Gelände von E.ON für ca. sieben Millionen Euro zu erwerben. Dieses Vorhaben stieß auf breitflächige Kritik und viele Fragen zu baulicher, wirtschaftlicher und nicht zuletzt pädagogischer Planung, mehrere Ausschusssitzungen waren Gegenstand längerer Einwohnerfragen, was letztendlich dazu führte, dass die entsprechende Vorlage vor drei Monaten mit knapper Mehrheit abgelehnt wurde.
Nichtsdestotrotz war die Verwaltung weiterhin guter Dinge, das Projekt in einem zweiten Versuch realisieren zu können, unterdessen meldeten sich auch die Leitungen beider Schulen zu Wort und sprachen sich ebenfalls für eine Umsetzung aus. In einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung des Ältestenrates wurde dann in Anwesenheit der Schulleitungen und des LWL zum aktuellen Sachstand informiert. Da der Ältestenrat ein nichtöffentliches Gremium ist, können wir an dieser Stelle keine inhaltlichen Informationen preisgeben, aber es hat uns zutiefst verwundert, dass dieser Austausch im Rahmen des Ältestenrates stattfand und nicht in einer öffentlichen Sitzung des ABKS – dieser wurde nämlich wegen mangelnder Themen komplett abgesagt.
In der letzten Ratssitzung am 19. Februar ließ Sozialdezernent Hermann Pieper schließlich die Katze aus dem Sack und verwies auf eine neue „Volumenstudie“ des LWL, die besagt, dass ein Neubau der Rosa-Parks-Schule durchaus auf dem Bestandsgelände möglich und auch ein Gebäude für die Christy-Brown-Schule im Bereich des aktuellen ZBH-Lagerplatzes realisierbar sei. Außerdem plane der LWL, die ersten beiden Jahrgänge weiterhin im alten Bestandsgebäude zu unterrichten, dafür reiche der Platz. (Anmerkung: Von der Fraktion Familie Plus liegt auch ein Prüfantrag zur Findung einer geeigneten Fläche für den Neubau vor.) Ebenso könne eine Sporthalle mit bis zu 2.000 Tribünenplätzen sowie ein Parkdeck mit ca. 300 Stellplätzen errichtet werden. Ein erneuter Versuch zum Kauf des E.ON-Geländes sei nicht geplant, da es dafür keine Mehrheit im Rat gibt.
Der Vortrag von Hermann Pieper wurden von den allermeisten Fraktionen zwar mit großem Erstaunen, aber doch positiv zur Kenntnis genommen, Zitat unseres Fraktionschefs Stefan Springer: „Damit kann man arbeiten.“ Nun bleibt zu hoffen, dass die Querelen aus dem Herbst vom Tisch sind und doch noch eine gute Lösung für die beiden Schulen auf den Weg gebracht werden kann, im Idealfall sogar noch vor der Kommunalwahl, also vermutlich in der Sitzungsfolge im Juni/Juli. Wir gehen davon aus, dass auch das Thema Sanierung somit endgültig ad acta gelegt wird. Mit der in der letzten Ratssitzung dargestellten Variante werden wir uns aller Voraussicht nach anfreunden können, auch wenn bis zum Sommer sicher noch viele Details geklärt werden müssen. Im Sinne der Schülerinnen und Schüler sind wir es aber schuldig, einen zukunftsorientierten Beschluss zu fassen, denn dieser ist nun wirklich mehr als überfällig.