23/02/2026
Herten und die Planung einer neuen Sporthalle an der (neuen) Rosa Parks - Schule. Ein Kommentar zu einem Skandal.
Was hier rund um die Rosa-Parks-Schule und die Sporthalle passiert, ist kein bedauerlicher Einzelfehler. Es ist ein Lehrstück darüber, wie man politische Entscheidungsprozesse beschädigt - und zwar gleich doppelt, wenn hier jetzt nicht endlich Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden.
Zunächst wurde jahrelang mit dem „ZBH-Grundstück“ geplant. Dann stellte sich „plötzlich“ heraus, dass dort planungsrechtlich faktisch nicht gebaut werden kann. Danach wurde das „E.ON-Grundstück“ ins Spiel gebracht – erst für eine Kooperation mit der Christy-Brown-Schule, dann wieder ohne diese. Mal sei dort alles möglich, mal nicht. Mal brauche es einen teuren Grundstückskauf, mal gehe es doch im Bestand.
Und schließlich das stärkste Argument für den Kauf: eine bundesligataugliche Halle mit 2.000 Plätzen für die Hertener Löwen – perspektivisch für die Basketball-Bundesliga. Dieses Argument war kein Nebensatz. Es war politischer Türöffner. Es war Entscheidungsgrundlage. Es war der Punkt, an dem auch Skeptiker – unter anderem aus der CDU – zustimmten.
Und jetzt? Jetzt heißt es, aus planungsrechtlichen Gründen komme eine 2.000er-Halle „nicht in Betracht“. Das ist kein Detail. Das ist die vollständige Entwertung eines zentralen Arguments, mit dem ein millionenschwerer Grundstückskauf begründet wurde.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob 800 oder 2.000 Zuschauerplätze sportlich sinnvoller sind. Die entscheidende Frage lautet: Wie belastbar sind die Aussagen der Verwaltung überhaupt noch?
Wurde die Machbarkeit einer 2.000er-Halle vor dem Beschluss seriös planungsrechtlich geprüft?
Wenn ja: Warum kommt man nun zum gegenteiligen Ergebnis?
Wenn nein: Auf welcher Grundlage wurde der Rat dann zu einer Entscheidung bewegt?
Politik darf irren, Planung kann sich verändern, Rahmenbedingungen können sich verschieben.
Aber was hier irritiert, ist die wiederholte Dramaturgie:
Erst wird eine Option jahrelang als tragfähig dargestellt – dann stellt sich heraus, dass sie es nicht ist.
Dann wird ein neues Argument als tragend präsentiert – und wenige Monate später relativiert oder kassiert.
Und jedes Mal ist es die Politik, die auf Basis dieser Informationen Millionenentscheidungen trifft.
So verspielt man Vertrauen.
Für die Rosa-Parks-Schule ist das fatal, weil sie endlich Planungssicherheit braucht.
Für die Hertener Löwen ist es fatal, weil ihre sportliche Perspektive nun wieder in der Luft hängt.
Und für den gesamten Sportstandort Herten ist es fatal, weil Investitionsentscheidungen offenbar auf wackeligem Fundament getroffen werden.
Bei dieser Nummer gibt es nur Verlierer - wie beim Tatort am Sonntag. Mit dem Unterschied, dass es keinen Faber gibt, den man in den Arm nehmen möchte.
Ein „Planungsskandal“ besteht nicht nur aus falschen Zahlen.
Er besteht aus fehlender Verlässlichkeit.
Wenn Argumente für einen Grundstückskauf geliefert werden, müssen sie tragfähig geprüft sein. Wenn planungsrechtliche Hürden existieren, müssen sie vor Beschlussfassung bekannt sein.
Wenn Unsicherheiten bestehen, gehören sie offen benannt – nicht erst Monate später.
Der Ausschuss am Dienstag wird deshalb nicht nur über eine Sporthalle diskutieren.
Er wird darüber entscheiden müssen, wie ernst man es künftig mit Sorgfalt, Transparenz und belastbaren Entscheidungsgrundlagen nimmt.
Denn eine Stadt kann sich vieles leisten.
Aber sie kann es sich nicht leisten, dass ihre eigenen Begründungen nach wenigen Monaten zerfallen.
(Andreas Hebestreit, Pressesprecher der FDP Herten)