05/03/2026
Beschlüsse, Beschlüsse, Beschlüsse – das war die Ratssitzung vom 04.03.2026.
Das Wichtigste in Kürze:
- Vier Bauleitpläne beschlossen
- Grünes Licht für Entwicklungspotenziale in Langenbochum
- Planbeschluss zur Rosa-Parks-Schule beschlossen, Hallendiskussion beendet
- Nächster Schritt zur Weiterentwicklung der Innenstadt eingeleitet
- Kita Distelpink wird jetzt eingeschossig gebaut
- Vestia Disteln bekommt ein Kleinspielfeld
Hier die Langfassung in chronologischer Reihenfolge:
Die Sitzung begann mit einer Schweigeminute für den kürzlich verstorbenen langjährigen ehemaligen Bürgermeister und Ehrenbürger Willi Wessel.
Nach Genehmigung von Tagesordnung und Niederschrift kamen unter „Einwohnerfragen“ eine Reihe von BürgerInnen zu Wort, die zu den Themenbereichen Baubeschlüsse Langenbochum und Rosa-Parks-Sporthallen-Neubau kritische Fragen stellte. Diese wurden von der Verwaltung mehrheitlich dahingehend beantwortet, dass es alles Fragen seien, auf die sich die Antworten erst im Fortgang eines ordentlichen Planungsverfahrens beantworten ließen, welches aber nunmal erst mit den dazugehörigen Beschlüssen eingeleitet werden müsse, bevor es Antworten geben könne.
Nach diesem Teil erfolgte dann der Einstieg in die Beschlussvorlagen, angefangen mit dem Punkt 4, Änderungen der Besetzung in Ausschüssen und Gremien. Hier ging es – abgesehen von einigen Nachbenennungen von Stellvertretern für sachkundige Bürger der Fraktionen, denen wir zugestimmt haben – vor allem um die Entsendung von Mitgliedern des Ausschusses für Chancengerechtigkeit du Integration (ACI), sowie des Seniorenbeirates (SB) in die Fachausschüsse. Die Entsendungen des ACI tragen wir gerne mit, die des SB lehnen wir aber aufgrund der Tatsache ab, dass wir den SB als nicht gewähltes Gremium und einiger anderer deutlicher Kritikpunkte so nicht anerkennen. Was dazu führte, dass wir der „Gesamtvorlage“ zur Festlegung der Zusammensetzung der Ausschüsse, in der beide Entsendungen gebündelt stehen, nicht vorbehaltlos hätten zustimmen können. Daher haben wir uns in diesem Fall enthalten.
TOP 5: die Nachtragssatzung zur Haushaltssatzung für 2026 wurde einstimmig beschlossen. Diese war notwendig geworden, da dem laufenden Haushaltsplan sozusagen einige Kosten davongaloppiert waren und durch Anpassungsmaßnahmen wieder eingefangen werden mussten, um weiterhin einen ausgeglichenen Haushalt zu haben.
Unter TOP 6 ging es dann um die erste Bauleitplanung des Tages – der Bereich südlich der Polsumer- und nordwestlich der Buschstraße. Inhalt war zunächst einmal die Änderung des Flächennutzungsplanes, um an dieser Stelle derzeit überhaupt ein Wohngebiet errichten zu können. Es ist also kein Baubeschluss, sondern erst einmal nur die Einleitung eines Verfahrens, um die grundsätzliche Möglichkeit für eine Wohnbebauung zu schaffen.
Das ist ein durchaus wichtiger Unterschied, denn in einigen Darstellungen klang es fast so, als würden schon morgen die Bagger anrollen. Dr. Lind als Kämmerer und zuständiger Beigeordneter hat es auch gestern noch einmal deutlich betont: alles, was Ergebnisse bringt, ist Teil eines ordentlichen Planverfahrens, welches die Verwaltung nicht ohne vorherigen Beschluss des Rates beginnen kann.
Natürlich kam in der Sitzung hierzu eine ganze Reihe der bereits bekannten Pro- und Kontra-Argumente wieder auf den Tisch. Wir befürworten letztlich die Entscheidung, die darauf hinzielen soll, eines Tages an dieser Stelle ein modernes Wohngebiet entstehen zu lassen. Weil es so ziemlich die letzte Fläche ist, auf der wir als Stadt so agieren können. Weil der Bedarf da ist. Auch, weil wir uns letztlich als Wohnstadt in Konkurrenz mit den umliegenden Städten befinden. Und weil Baulückenschluss und Sanierung im Altbestand deutlichen Limits unterworfen sind, welche die Stadt selbst nur schwerlich beeinflussen kann. Für die Weiterentwicklung im Hertener Norden also nicht nur unserer Meinung nach ein wichtiger Schritt – nur die SPD und die Grünen stimmten hier dagegen.
Im TOP 7 stimmten der Rat einstimmig für die Änderung des Flächennutzungsplans zum Bauleitplanverfahren an der Cranger Straße im Hertener Süden. Das ist nötig, um den geplanten „Green Hub Emscher“, das zukünftige Gewerbegebiet im Städtedreieck Herten/Recklinghausen/Herne von Hertener Seite aus erschließen zu können.
Etwas kontroverser wurde es unter TOP 8, denn hier stand die Bauleitplanung Langenbochum bezüglich der eventuellen Ansiedlung eines Vollsortimenters neben dem Autohaus Schürmann auf der Tagesordnung. Letzten Endes ist vieles dieser Debatte, auch in den sozialen Medien, ein Streit um des Kaisers Bart. Man kann einen Vollsortimenter an dieser Stelle doof finden oder toll. Es gibt 1000 Argumente, mit denen man seine subjektive Meinung dann begründen mag und auch der eigenen Perspektive heraus ist das dann sicherlich alles sehr schlüssig und korrekt. Darum geht es aber nicht und so sollte Politik auch weder argumentieren, noch beschließen.
Die Frage, ob ein Vollsortimenter an dieser Stelle profitabel wäre oder nicht, ist Sache des Investors, nicht der Politik. Ebenso wenig wie es Aufgabe ist, aufgrund der eigenen Einschätzung die im Bauleitplanverfahren folgenden Schlussfolgerungen übergeordneter Behörden und Sachverständigen vorwegzunehmen. Das Risiko, dass das Bauvorhaben aufgrund diversester Gründe in der Prüfung durchfällt, liegt ebenso voll auf den Schultern der Antragsteller, wie der wirtschaftliche Erfolg auf den Schultern der Marktbetreiber läge. Wenn man es so nüchtern betrachtet, kann man der Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens nur zustimmen. Was die TOP-Partei Fraktion dann auch getan hat – wie auch die Ratsmehrheit. Damit kann das Verfahren nun starten und alle Beteiligten und Betroffenen können im weiteren Verlauf ihre Beteiligungsrechte ins Spiel bringen.
Das gilt auch für den Tagesordnungspunkt 9 – die Bauleitplanung Neue Zeche Westerholt. Hier soll die Entwicklung weitergetrieben werden und auch an dieser Stelle gibt es Stimmen, die die Bebauung aufgrund der vermutlich kontaminierten Böden kritisch sehen. Deshalb muss im weiteren Verfahren auf diese Argumente auch eingegangen und der Umgang mit der Situation detailliert dargestellt werden. Die Vorlage wurde einstimmig beschlossen.
Unter TOP 10 gab es einen Formalbeschluss für den Bebauungsplan 195 auf Ewald, der ebenfalls einstimmig beschlossen wurde.
Ebenso übrigens, wie die darauffolgende Vorlage zum Neubau eines überdachten Kleinspielfelds hinter der Klaus-Bechtel-Halle und neben der Heimstatt des SV Vestia Disteln. Der Rat fasste gestern den finalen Beschluss, dem Verein einen Zuschuss in der Höhe von 550.000 Euro für die Errichtung des lange gewünschten Kleinspielfeldes zu gewähren. Damit kann der Verein nun in Eigenregie dort baulich tätig werden.
Anschließend wurde einstimmig beschlossen, den Neubau der Kita Distelpink in eingeschossiger Bauweise umzusetzen, was unter dem Strich gut 800.000 Euro spart, ohne die Qualität der Kinderbetreuung einzuschränken. Damit hat die TOP-Partei Fraktion einen weitern eigenen Antrag erfolgreich in die Umsetzung gebracht, was uns sehr freut.
Noch einmal kontrovers wurde es dann beim TOP 13 – dem Programmbeschluss zum Neubau der Rosa-Parks-Schule. Kontrovers war dabei nicht so sehr die Vorlage der Verwaltung, in der eine lange Liste der zu planenden Räumlichkeiten steht, aus denen die Fachleute nun eine bauplanerische Umsetzung auf dem gekauften E.ON-Gelände entwerfen müssen, sondern die in den letzten Wochen heiß diskutierte Frage der dazugehörigen Sporthalle. Spoiler: es wird eine 4-Feld-Halle auf dem zukünftigen Schulgelände geplant werden, die 1000 Sitzplätze und die Funktionalitäten der alten Halle haben wird. Denn zusammen mit dieser Vorgabe wurde die Vorlage der Verwaltung einstimmig (!) beschlossen, womit der Rat geschlossen ein starkes Signal gab, dass es mit der Planung zur neuen RPS jetzt endlich zügig weitergehen soll.
Für die Hauptdiskussion sorgte ein Antrag von SPD, CDU und FDFP, der den Beschlusstext zur Sporthalle mit einer zusätzlichen Prüfoption erweitern sollte. Der Alternativplan: auf dem neuen Schulgelände nur eine 1-Feld-Halle bauen und stattdessen am alten (!) RPS-Standort eine nagelneue 3-Feld-Halle errichten, die für die Basketball-ProA-Liga tauglich sei.
Die TOP-Partei Fraktion analysierte diesen Vorstoß deutlich als das, was er unter dem Strich war: ein überteuerter, schlecht durchdachter Versuch, gegenüber den Hertener Löwen nicht das Gesicht bezüglich eventueller früherer Aussagen zu verlieren. Denn kurz zusammengefasst würde eine solche Lösung bedeuten, die Gesamtkosten für den Bau der Sporthalle(n) um etliche Millionen Euro in die Höhe zu treiben, die Planungs- und Bauzeit insgesamt erheblich zu erhöhen und den Schulbetrieb unverhältnismäßig zu verkomplizieren (immerhin würden bei so einer Lösung ¾ der SchülerInnen einen erheblichen Fußweg zu jeder Sportstunde zurücklegen müssen). Dieser Antrag fand dann in der Abstimmung auch keine mehrheitliche Zustimmung, es bleibt bei einer Sporthalle am neuen Standort.
Kleiner Nachsatz: manchmal muss Politik Entscheidungen treffen, die einzelnen Betroffenen weh tun. Das ist uns mehr als bewusst. Jede Entscheidung ist eine Abwägung vieler Faktoren. Die vielen Diskussionen rund um die RPS-Sporthalle und deren Basketball-Eignung sind nur deshalb entstanden, weil der dahinterstehende Verband den Vereinen für die Ligazugehörigkeit Vorgaben stellt, die ohne private Investoren in manchen Städten – gerade in strukturschwachen Regionen – kaum realistisch darstellbar sind. Insofern möchten wir noch einmal deutlich betonen, dass unsere Entscheidung eine rein an Daten und Fakten ausgerichtete Entscheidung war und kein Votum gegen die Hertener Löwen an sich.
TOP 14 – Umgestaltung öffentlicher Plätze in der Innenstadt. Die TOP-Partei Fraktion hatte hierzu noch vor der Kommunalwahl und unter dem Eindruck der vielen Debatten um die Plätze vor dem Rathaus, der Antoniuskirche und dem Markt einen Antrag eingebracht, den Gesamtraum schlüssig in einem verbundenen Konzept zu betrachten und zu planen. Dies findet sich im Wesentlichen jetzt in einer Vorlage wieder, die genau dies angehen wird. Damit wird der Schutz der Bäume vor der Kirche vorangetrieben, Parkraum vor das Rathaus umverlagert und der ganze Bereich Otto-Wels-Platz neugestaltet. Die Verwaltung erstellt dazu ein neues integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept, welches für Fördermittel sorgen wird.
Und sonst? Einige organisatorische Vorlagen und noch die Frage, ob es sinnvoll ist, dass die Stadt Herten weiterhin Mitglied der AGFS – Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW – sein sollte. Die TOP-Partei Fraktion sieht darin keinen Sinn – zwar reden wir hier „nur“ über 3000 Euro im Jahr, aber auch dieses Geld muss man nicht zwangsweise verplempern. Die Empfehlungen der AGFS werden in Herten seit Jahren mehr oder weniger ignoriert. In Sachen Radwegepflege und -ausbau ist in den vergangenen Jahren rein gar nichts vorwärts gegangen. Letztlich bindet die Teilnahme an Vernetzungstreffen, ebenso wie die aufwändige Vorbereitung des Antrags auf Verlängerung der Mitgliedschaft in unseren Augen mehr Personalkapazität, als dass sie Nutzen schafft. Leider war die Ratsmehrheit anderer Meinung – nur TOP-Partei Fraktion und die Grünen lehnten die Vorlage ab.
Damit schließen wir den Bericht über eine Sitzung, in der viele Weichen gestellt wurden und freuen uns auf die Entwicklungen, die sich aus diesen Weichenstellungen ergeben werden.