26/04/2021
Heute wurde im Kreistag Trier-Saarburg darüber entschieden, ob sich der Landkreis an der Entwicklung des Industriegebietes Mehringer Höhe beteiligt.
Die Fraktion DIE LINKE. hat sich dagegen entschieden:
Begründung (mündliche Form):
Wir haben heute ein Thema zu erörtern, wo sich im Vorfeld schon zahlreiche Initiativen an uns gewandt haben u.a. der NABU und der BUND.
Um es vorab zu sagen: Unsere Fraktion findet den Protest dieser Initiativen gegen das geplante Gewerbe/Industriegebiet berechtigt und unterstützt den Vorschlag, dieses Gebiet großräumig als Naturschutzgebiet auszuweisen.
Die Gründe wurden meines Erachtens in den Gutachten und Schreiben auch klar und überzeugend dargestellt:
In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich ein von Natura 2000 ausgezeichnetes Schutzgebiet. Hier leben – laut einem Gutachten aus Bingen sowie einer Untersuchung aus Trier – mindestens 45 streng geschützte Tierarten. Nicht wenige dieser Tierarten wie die Wildkatze, Schwarzstörche, Milane, verschiedene Fledermausarten und zahlreiche geschützte Vogelarten stehen auf der Roten Liste. Die Gutachten belegen eindeutig, dass die Einrichtung eines Gewerbegebietes mit dem Arten- und Biotopschutz unvereinbar ist. (Zum Einwand der SPD: Auch wenn Frau Sahler-Fesel nicht zur Kenntnis nehmen möchte, welche Tierarten dort leben. In den genannten Untersuchungen ist dies detailliert und auf hohem wissenschaftlich Niveau dargestellt worden...)
Durch die Einrichtung eines Gewerbegebietes käme es zu einer gravierenden und unzulässigen Verschlechterung der Lebensgrundlagen in unmittelbarer Nähe eines als „Natura 2000“ gekennzeichneten Gebietes. Dies ist nach § 33 und 34 BNatSchG rechtlich unzulässig und kann sogar Klagen nach sich ziehen. Daran kann auch kein angepasster Flächennutzungsplan etwas ändern.
Daher ist es unverständlich, warum die Planungen trotz der vorliegenden Gutachten unbeirrt fortgesetzt werden, anstatt sich nach Alternativen, respektive anderen Standorten, umzuschauen.
Auch können wir den Bedarf dieses Gewerbegebietes nicht erkennen, da sich in unmittelbarer Nähe (10-15 Autominuten) Gewerbegebiete mit freien Kapazitäten befinden wie zum Beispiel in Reinsfeld und Hermeskeil. Auch in der Bedarfsstudie steht dazu auf Seite 20: „Die allgemeine Nachfrage nach Gewerbeflächen innerhalb des Kreisgebietes kann nicht ohne weiteres ermittelt werden. Auf Anfrage konnten von den Standortgemeinden nur partiell Informationen bereitgestellt werden.“ Und weiter, ebenfalls auf der Seite 20: „Die Erweiterung der Standorte Industriepark Region Trier, Hermeskeil oder Reinsfeld und überregionalen Bedarf könnte den regionalen bedienen.“
Selbst die Bedarfsanalyse kann nicht überzeugendend darlegen, warum ausgerechnet hier ein Gewerbegebiet errichtet werden sollte.
Das Dilemma liegt vermutlich woanders: Viele Gemeinden sind am finanziellen Limit, vielleicht sogar überschuldet. Sie wollen Gewerbegebiete ausweisen, um ihre Einnahmesituation zu verbessern. Das kann aber nicht auf Kosten des Landschafts- und Umweltschutzes gehen. Hier müssen andere Lösungen her. Der Kreis sollte die Gemeinden bei nachhaltigen Initiativen unterstützen, wie die Region beispielsweise für den Tourismus interessanter werden könnte. Einer Zerstörung der Landschaft können wir aus den genannten Gründen nicht zustimmen.
Fazit:
Wir denken, niemand ist gegen die Einrichtung von Gewerbegebieten im Allgemeinen - auch wenn der Flächenverbrauch bzw. die Versiegelung von Flächen immer kritisch zu sehen ist. Hier jedoch, wo die Natur in erheblichem Maße beeinträchtigt und bestehende, ökologisch wertvolle Habitate zerstört werden sollen, können wir auf keinen Fall zustimmen.
Zudem machen wir uns mit der Unterstützung des Vorhabens unglaubwürdig.
Zu Recht verweisen die Kritiker/-innen auf einen Zeitungsartikel des Trierischen Volksfreundes, in dem der Kreis sich damit brüstet, nun „Tempo“ in Sachen Klimaschutz machen zu wollen.
Liebe CDU - hier ist mal wirklich ökologisches Engagement gefragt und keine Symbolpolitik (Beispiel pressewirksame Anpflanzung von 150.000 Bäumen).
Hier könnte der Kreis eigentlich mal zeigen, dass wir es mit Umwelt- und Artenschutz ernst meinen und nicht nur leere Worthülsen/Artikel produzieren.
Abstimmungsverhalten:
CDU und SPD haben einstimmig dafür gestimmt.
Bündnis 90/Die Grünen haben sich bis auf eine Person enthalten
DIE LINKE. haben dagegen gestimmt, 1 Mitglied von den Grünen hat ebenfalls dagegen gestimmt.