23/07/2023
Was ein Löwe 🦁 am Stadtrand von Berlin mit Igeln 🦔 und einer Zebu Kuh 🐮 in Niedersachsen zu tun hat.
Zwei Geschichten, die Spielorte weit voneinander entfernt und sehr verschieden, die eine ist eine wahre Geschichte, die andere, wenn auch auf andere Weise, leider auch.
Zunächst der Löwe, der nun keiner gewesen sein soll.
Da erscheint ein Mann des Nachts auf einer Polizeiwache und zeigt ein Handyvideo, auf dem eine flüchtende, jagende, Löwin zu erahnen ist.
Es beginnt sich eine Maschinerie zu drehen, die man mit Staunen betrachten kann.
Der Mann muss sich nicht etwa einem Alkoholtest unterziehen aufgrund absurder Behauptungen, nein. Polizei, Jäger, Tierärztinnen, Bürgermeister, alle erdenklich Verantwortlichen werden in Schwung gebracht um die Bevölkerung zu schützen und das Tier zu orten.
Als Leserin der Tagespresse erfährt man Erstaunliches über die Haltung von Wildtieren aus fernen Ländern in Brandenburg und anderen Bundesländern. Alles scheint möglich, auch wenn ein Zirkusdirektor noch zu Beginn der Affäre Gegenteiliges beteuert, so gibt es doch noch Zirkusfamilien, die Löwen halten, Zoos sowieso, und dann, nanu, private Haltung von Löwen gibt es auch und dann noch Tiertransporte unterhalb des behördlichen Radars.
Wer die Geschichte von Mojo, dem weißen Löwen gelesen hat, dem ist bekannt, dass Löwen in Brandenburg einfach-so gehalten werden können und auch einfach-so wieder verschwinden. Der Artikel in der Zeitung „Die Zeit“ist vom Mai 2023, also sehr aktuell. (s. Link untenstehend)
Die Behörden hatten also offensichtlich gute Gründe, das verwackelte Handyvideo ernst zu nehmen.
Deutschland ist Bürokratiewunderland.
Für alles und jedes gibt es Vorschriften, oft sinnvoll das Gemeinschaftliche regelnd, manchmal irrsinnig und sich widersprechend.
Der Tierschutz ist ein Paradebeispiel dafür.
Alles ist geregelt- und gleichzeitig nichts.
Das Mitnehmen einer Eulenfeder im Wald beim Sonntagsspaziergang: Wilderei.
Auszug aus dem Bundesnaturschutzgesetz:“…Bußgeld für das Fangen, Verletzen, Töten von Igeln sowie für die Beschädigung oder Zerstörung der Fortpflanzungs- oder Ruhestätten…Niedersachsen 50.000€.“- die Igelstationen sind voll von Igeln, die Opfer von Menschenhand sind, ob nun durch Mähroboter oder Motorsensen oder oder oder, Ahndungen s. o. sind zumindest mir nicht bekannt.
Aber auch das Halten von Haustieren der verschiedenen Arten, ob Hund, Katze oder Pferd ist umfänglich geregelt.
Der Hunde-Neubesitzer benötigt einen Hundesachkundenachweis, Katzen müssen kastriert werden und Pferdehalterinnen müssen sich hier und da registrieren lassen. Alles in allem nicht unsinnig!
Aber nun der Löwe.
Der keiner war.
Wobei man aber davon ausgehen musste, dass es einer gewesen sein könnte.
(Fast) jeden Hund hätte man ermitteln können.
Die zweite Geschichte spielt in Niedersachsen am Rande eines Moores. Da wollte jemand Zebus halten, eine tropische Rinderrasse. Expertise war nicht vorhanden, Ratschläge der Züchterin schlug man in den Wind und so schnell sich die Klappe des Viehtransporters öffnete, so schnell war die Kuh samt Kälbchen im Moor verschwunden. Da sich der Hof der Halterin nahe einer Bundesstraße befand, befürchtete man offenbar Regressforderungen und zog die Jägerschaft herbei. Was tat der Jäger? Er schoss. Auch dieser Fall ist eigentlich im Gesetz geregelt, aber sei‘s drum, Hallali und ‚Der Jäger aus…🎶“, man schoss- daneben, aber nur fast.
Die Mutterkuh konnte durch den Tierschutz, denn diese Menschen übernahmen nun die Verantwortung, geortet werden. Sie war ihrer schweren Verletzung erlegen, ganz in der Nähe des Fluchtortes.
Nun war das Kälbchen allein unterwegs. Man ging von einem schnellen Tod des Jungtieres aus, da es die Mutter verloren hatte ohne die selbstständige Futteraufnahme erlernen zu können. Zudem herrschte in jenem Jahr, 2020, extreme Dürre, auch im Moor versiegten die Wasserstellen. Die Suche nach dem Kälbchen wurde eingestellt. Die Jägerschaft musste sich verantworten, Konsequenzen gab es meines Wissens nach keine.
Drei Monate später entdeckte ein aufmerksamer Wanderer das Kälbchen. Damit begann eine nervenaufreibende, einmalige Rettungsaktion durch den Verein Kitz&Co. Das überaus Berührende an der der Rettung vorangegangen Überwachung der eingerichteten Futterstellen war, dass das Kälbchen, übrigens auf den Namen „Prinzesschen“ getauft, sich nicht alleine hatte durchschlagen müssen. Die Kameras zeigten eine innige Verbundenheit mit einem Wildschwein und seiner Rotte. Die Wildschweine hatten vermocht, was dem Menschen bis hierhin nicht möglich gewesen war. Sie hatten dem mutterlosen Kälbchen Sicherheit und Obhut gegeben und es mitgenommen zu den überlebenswichtigen Wasserstellen.
Was die eine Geschichte mit der anderen zu tun hat?
Gesetze sind nur gut, wenn sie für alle gelten, auch für Menschen mit Partikularinteressen.
Wenn die Zivilgesellschaft, z. B. in Gestalt von TierschützerInnen und empathischen, aufmerksamen BürgerInnen, sich immer mehr zurückzieht, weil sich Partikularinteressen aufgrund von erfolgreicher Lobbyarbeit durchsetzen, dann, ja dann, ist die Welt verloren.
https://fb.watch/lYyrIX6wdG/?startTimeMs=1000
https://fb.watch/lYyfy1LbjS/?startTimeMs=2000
https://www.zeit.de/zeit-magazin/2023/21/weisser-loewe-mojo-sachsen-anhalt-verschwinden
https://www.vier-pfoten.de/kampagnen-themen/themen/wildtiere/grosskatzen/wo-ist-mojo-weisser-loewe-vermisst
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