13/09/2026
Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und Shoahüberlebende Charlotte Knobloch ist Ziel erneuter Morddrohungen. Die Münchner Polizei ermittelt.
Am gestrigen Donnerstag bemerkte ein Passant im Englischen Garten die auf eine Parkbank angebrachte Drohung.
Dabei soll es laut Münchner Abendzeitung einen direkten Bezug zum Wahlausgang in Sachsen-Anhalt gegeben haben.
Der oder die unbekannten Täter brachten die Aussage „Die AfD hat gewonnen. Morgen hängen wir die Knobloch“ großflächig und gut sichtbar auf einer Bank an.
Eigentlich wollte Charlotte Knobloch gestern Abend als Gast an einer Veranstaltung von "München ist bunt" zum Thema Meinungsfreiheit im Fat Cat teilnehmen. Hauptreferent war der Jurist, Autor und Journalist bei der Süddeutschen Zeitung, Ronen Steinke.
Die Absage der Teilnahme an der Veranstaltung im Fat Cat sei auf Empfehlung des Sicherheitsteams erfolgt.
Knobloch äußert sich wie viele andere jüdische Vertreter und auch Shoahüberlebende durchgehend kritisch zur AfD und deren Erfolg. Steinke schrieb, er habe sich auf ein Wiedersehen gefreut, weil die IKG-Präsidentin schon 2019 im Landtag der AfD im Rahmen des Holocaust-Gedenktages sehr deutlich die Meinung gesagt hatte. Große Teile der Fraktion hatten damals den Saal verlassen. Teile der extrem rechten Partei äußerten im Nachgang, am Gedenken hätte nur eine gestört, die meinungsstarke Überlebende.
Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt unter Spitzenkandidat Ulrich Siegmund schrieb Knobloch, an solchen Tagen falle es ihr schwer, ihre Heimat wiederzuerkennen.
Dass Rechtsextreme in Deutschland in dieser Art wieder Wahlen gewinnen, das hätte sie sich in ihren schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können. Die Statik der Demokratie funktioniere nicht mehr und das mache ihr Angst.
Zuletzt hat sich Knobloch auch für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens ausgesprochen. In ihrem neuen Buch geht sie noch weiter und schreibt, ein Verbotsverfahren komme aus ihrer Sicht fünf Jahre zu spät.
Foto: Charlotte Knobloch mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner bei einer Gedenkveranstaltung nach dem 07. Oktober 2023.