27/03/2016
Kind oder Karriere? Nein, warum nicht Karriere als Mutter?
So so. Karin Truscheit will uns also sagen, dass eine Frau für ihr Leben -ob mit oder ohne Kinder, mit oder ohne Karriere, oder sogar beides – alles offensteht. Schließlich gäbe es ja genug Betreuungsangebote für die Kleinen. Und wir haben ja auch noch einen Vati, der zur Not mal die Socken in den Schrank legt. Und wenn sie sich für die Vollzeit-Mama entscheide, dann solle sie nicht rumjammern, wenn aus der Karriere nichts mehr werde Ach ja, und die Konrad Adenauer-Stiftung (made by CDU) behauptet allen Ernstes, dass Kinder von berufstätigen Müttern besser in der Schule wären. Weil die Hausaufgaben und die Vorbereitung auf die nächste Mathearbeit in der nachschulischen Betreuung erledigt werden, oder wie? Oder weil Vollzeit-Muttis einen niedrigeren IQ haben? Ich sage Ihnen mal was, Frau Truscheit.
Wie wäre es denn, wenn wir uns mal die Bedürfnisse der Kinder anschauen? Angefangen mit den ganz Kleinen in den ersten Lebensjahren. Es gibt zahlreiche Langzeitstudien, die belegen, dass es keinen größeren Stressfaktor für das kleinkindliche Gehirn gibt, als das plötzliche Verschwinden der eigenen Mutter. Offenbar ist der Verlust der bis dahin vorhandenen, Sicherheit bietenden Bezugsperson die bedrohlichste und massivste Störung, die das sich entwickelnde Gehirn treffen kann. Da das junge Gehirn noch ,,offen'' nach allen Seiten ist, um möglichst viel zu lernen und aufnehmen zu können, ist es natürlich auch besonders verletzlich für negative Faktoren. Beim Verschwinden der Mutter, werden, neben der natürlich programmierten Förderung und Entwicklung durch die Interaktion zwischen Mutter und Kind, auch das Urvertrauen und die Bindungsfähigkeit massiv gestört. Folge sind Bindungsstörungen. Diese haben zur späteren Folge soziale Störungen. Kann man damit dann Karriere machen? Vielleicht ist das das Problem vieler Männer in ihren Karrierelaufbahnen heutzutage. Sodass die multitaskende Frau und Mutter auch deren Job erledigen soll.
Aber schauen wir mal weiter. Was passiert denn mit den Kindern, die die frühkindliche Förderung durch die Mutter nicht erhalten? (Vorlesen und Bücher anschauen, Singen, Zoobesuche o.ä., draußen spielen). Wenn sie stattdessen zu der tapferen Erzieherin mit ihrer engagierten Kollegin und den 14 anderen Kleinkindern abgegeben wurde, um maximale Förderung zu erhalten? Wieviel Förderung kann denn ein Kleinkind in einer Krippe tatsächlich erhalten? Nach 15x Windeln wechseln und Essen anreichen mehrmals täglich durch 2 Erzieher? Nach 15x Jacke und Schuhe an- und dann wieder ausziehen? Ich behaupte nicht besonders viel! Dies kann sicher nicht mit der 1 zu 1 Betreuung durch die eigene Mutter mithalten. Einem Bericht des U.S.-Department of Health and Human Services aus dem Jahr 2003 zufolge können Kinder, die beim Eintritt in den Kindergarten 1. mindestens dreimal pro Woche vorgelesen bekommen, 2. Buchstaben erkennen, 3. Grundzahlen und deren Formen erkennen und 4. relative Größen verstehen, am Ende des ersten Schuljahres erheblich besser lesen als Kinder, die diese Voraussetzungen zu Beginn ihrer Kindergartenzeit noch nicht hatten. Diese positiven Auswirkungen können über das Ende der ersten Klasse hinaus beobachtet werden.
Nun. Kommen wir zurück zur Rolle und Situation der Frau. Selbstverständlich kann man nicht alles haben. Aber wer erzählt denn den Frauen, sie sollten alles haben, damit sie abends zufrieden ins Bett gehen können? Wieso soll sie denn nun ,,Karriere'' machen? Was ist ,,Karriere'' eigentlich genau? Viel Druck? Viel Geld? Viel Verantwortung? Viel Erfolg? Wie wäre es mit Karriere als Mutter? Mit genug Zeit! Viele Kinder! Viele Zukünftige Bürger unseres Landes! Ist das nicht schon Verantwortung genug? Da fehlt nur noch das hart verdiente Geld für die Frau, die sich mit Liebe und Freude der Zukunft von Morgen widmet.
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/beruf-und-familie-man-kann-nicht-alles-haben-frau-auch-nicht-14145410.html
Susanne Bothe
Beisitzer Kreisverband Lüchow-Dannenberg/Lüneburg