23/05/2026
+++ Standpunkt: Bernward Schlossarek zum langsamen Ausbau der Sireneninfrastruktur +++
> Sirenen? Vielleicht bis zur nächsten Jahrhundertflut <
Mit großem Interesse konnte man einer Information der Regionsverwaltung entnehmen, dass in der Region Hannover derzeit ganze zehn Prozent der Bevölkerung per Sirene gewarnt werden können. Zehn Prozent! Man könnte also sagen: Wer im Ernstfall zufällig in Garbsen steht, hat Glück gehabt.
Fünf Jahre nach der verheerenden Ahrtal-Katastrophe, die bundesweit als Weckruf für den Bevölkerungsschutz galt, scheint man in der Region Hannover allerdings vor allem eines getan zu haben: die Schlummertaste gedrückt.
Seit 2023 wurden laut Verwaltung ganze 20 neue Sirenen installiert. Zwanzig. Für eine Region mit 1,2 Millionen Einwohnern. In diesem Tempo dürfte das flächendeckende Sirenennetz ungefähr zeitgleich mit der Fertigstellung anderer deutscher Großprojekte einsatzbereit sein – vielleicht kurz vor der Eröffnung des BER-Terminals für Flugtaxis.
Besonders beruhigend ist dabei die Aussage der Verwaltung, man rechne „bis 2030“ mit einem flächendeckenden Netz. Das heißt übersetzt: Nur neun Jahre nach der Ahrtalflut und gerade einmal zehn Jahre nach dem Warntag-Debakel 2020 könnte es soweit sein. Wenn alles gut läuft. Wenn Lieferketten halten. Wenn Ausschreibungen klappen. Und vermutlich nur bei Rückenwind.
Natürlich verweist die Region auf Apps, Cell Broadcast, Fernsehen und Radio. Das ist alles sinnvoll – solange Strom, Mobilfunk und Technik funktionieren. Die unangenehme Eigenschaft echter Katastrophen besteht allerdings darin, dass genau das oft nicht der Fall ist. Fast schon rührend wirkt deshalb die bürokratische Gelassenheit, mit der erklärt wird, warum es kein öffentliches Kataster der Sirenenstandorte gibt. Offenbar soll die Bevölkerung im Ernstfall selbst herausfinden, ob sie zufällig im akustischen Empfangsbereich staatlicher Aufmerksamkeit wohnt.
Man fragt sich inzwischen ernsthaft: Was muss eigentlich noch passieren, damit Bevölkerungsschutz in Deutschland nicht mehr wie ein Nebenfach im Verwaltungsseminar behandelt wird?
Vielleicht braucht es erst eine rot-grüne Arbeitsgruppe zur Evaluierung der Evaluierungskommission des Sirenenfördermittelkoordinierungsausschusses.
Bis dahin gilt offenbar:�Wenn es ernst wird, bitte das Handy laden, das Radio suchen und hoffen, dass man zu den glücklichen zehn Prozent gehört.