04/10/2018
❤️ Kalla
Moin zusammen,
Heute gibt es mal ein bisschen mehr Stoff zu lesen als sonst. Aber dies aus einem guten Grund.
Am Dienstag haben wir mit dem gesamten Team und vielen Mitarbeitern der Geschäftsstelle den neuen Film „Mario“ im Kino geschaut. Ein Film über einen homosexuellen Fußballer. Ohne etwas vorweg nehmen zu wollen, den solltet ihr euch mal anschauen!
Auch 2 Tage danach ist Mario immer noch Gesprächsthema bei mir und einigen meiner Mitspieler. Und das im positiven Sinne. Wir versuchen, uns in die Lage von Mario hinein zu versetzen. Klingt irgendwie komisch, gar nicht so einfach, es ist kompliziert.
Als kurzes Fazit zu dem Film bleibt mir eigentlich nur zu sagen, dass in Deutschland wohl ein großer Nachholbedarf besteht, was das Thema Homosexualität bzw. Offenheit und Toleranz angeht.
Muss man sich mal reinziehen, dass es im Jahr 2018 noch Menschen gibt, die sich hinter einer Maske verstecken müssen und nicht überall sie selbst sein können, weil es, wie Marcus Wiebusch sagen würde, noch homophobe Vollidioten gibt, die sich nicht weiterentwickeln.
Auf die Frage, ob ich es einem homosexuellen Fußballprofi empfehlen würden, sich zu outen, wüsste ich allerdings auch nicht genau, was ich darauf antworten sollte.
Gehe 100 Schritte in den Schuhen eines anderen, erst dann weißt du, wie er sich fühlt.
Nach dem mutigen Outing von Thomas Hitzelsperger 2014 war dies 1-2 Wochen Gesprächsthema, die Stimmen wurden leiser und heute arbeitet er immer noch im Bereich Fußball und ist Experte im Fernsehen. Und ich kenne niemanden, den es stört!
Er war der erste Profifußballer in Deutschland, der diesen Weg gewagt hat. Zuvor hat er 52 Länderspiele absolviert. Wir alle haben ihm zugejubelt und sein Team konnte sich immer auf Ihn verlassen.
Ich denke, ich bin nicht der einzige, der gedacht hat, dass ihm weitere Spieler folgen würden. Aber das blieb aus, warum auch immer...
Klar, Hitzlsperger ist diesen mutigen Weg erst nach seiner Karriere gegangen. Und das ist vielleicht der Unterschied zu noch aktiven Profis. Keiner kann genau sagen, was passiert.
Eines der Themen, die ich mit einigen Mitspielern diskutiert habe ist, ob es Unruhe innerhalb der Mannschaft geben würde. Was wir eigentlich relativ schnell für unsere Mannschaft verneinen konnten!
Und wie würden die Fans reagieren? Ich weiß, dass wir uns hier am Millerntor weltoffen zeigen, uns aktiv gegen Homophobie und Sexismus einsetzen und stark machen. Ich denke das wäre kein Problem 🙂
Aber es gibt ja nun mal auch Auswärtsspiele... Dazu kann ich nur sagen, dass die Zeit, in der ausländische Spieler rassistisch beleidigt und diskriminiert worden sind, in der heutigen Gesellschaft eigentlich auch vorbei sein sollten. Gleiches gilt für Liebe unter Gleichgeschlechtlichen. Lieb doch wen du willst! Aber leider sieht die Realtität anders aus.
Ob Sponsoren oder Partner des Vereins damit ein Problem haben könnten, das weiß ich leider auch nicht.
Aber vielleicht würden Vereine ja auch mal darüber nachdenken, in solch einem Fall nicht den Spieler sondern den Sponsor auszutauschen? Ich kenn mich da nicht so gut aus, aber da gibt es sicherlich einige andere, die dem Ganzen offener gegenüber stehen.
Es gibt noch so viel, über das man bei diesem Thema nachdenken und diskutieren könnte... Aber am schönsten wäre es doch eigentlich, wenn wir über sowas gar nicht reden müssten, weil es einfach normal ist.
Popstars, Politiker, US Basketballprofis und Rugbyspieler haben es geschafft. Warum schaffen wir es heutzutage nicht, es Fußballspielern leicht zu machen, sich zu outen?
Ich als Profisportler kann nur sagen, dass man als Athlet nur dann 100% Leistung bringen kann, wenn man im Kopf frei ist. Was das wohl für Energie & Kräfte bei einem in der Mannschaft und im Verein akzeptierten Spieler freisetzen würde...
Zu der Frage zurück, ob ich es empfehlen würde sich zu outen... ich weiß es immer noch nicht. Es ist auch total schwierig, weil ich nicht weiß, welchen Druck man hat, wenn man vor der Frage steht, sich zu outen oder es nicht zu tun. Ich weiß nicht, was passiert. Ich weiß nicht, wie darauf reagiert wird. Aber ich weiß, dass ich damit kein Problem hätte! Und ich würde es traurig finden, wenn wir im Jahr 2018 nicht bereit und offen für homosexuelle Fußballprofis wären.
Denkt mal drüber nach, teilt den Beitrag und redet darüber, sodass dieses „Tabuthema“ in unserer Gesellschaft ganz offen diskutiert werden kann!
Walk on for humanity
Forza St.Pauli
Euer Schnecke