16/11/2012
Geschichte
Den Anstoß zur Gründung einer selbständigen Gesellschaft, die sich einzig um die Wasserrettung kümmert, gab das große Unglück bei Binz auf Rügen, bei dem am 28. Juli 1912 17 Menschen, darunter 7 Kinder, ertranken. Hunderte von Menschen drängten sich auf der über 800 Meter langen Binzer Seebrücke, um die Abfahrt des Bäderdampfers Kronprinz Wilhelm zu verfolgen.
Plötzlich brach die Anlegestelle am Brückenkopf trichterförmig in sich zusammen. Etwa hundert Personen wurden mitgerissen. Auf der Brücke und dem Schiff standen die Menschen, zumeist unfähig, etwas zu tun. Ungeschickte Versuche, die Ertrinkenden mit Bootshaken aus dem Wasser zu fischen, führten zu schweren Verletzungen. Nur dem schnellen Eingreifen der Matrosen naher Marineschiffe, die mit Rettungsbooten zu Hilfe eilten, ist es zu verdanken, dass nicht viel mehr Tote zu beklagen waren. Das Unglück, aber auch die Tatsache, dass allein ein Mann, der Sergeant Richard Römer, unter Einsatz seines Lebens 12 Menschen hatte retten können, führte zu den entscheidenden Initiativen. Am 5. Juni 1913 riefen DSV und Turnerbund zur Bildung einer eigenen Wasserrettungsorganisation auf. Schon vor der offiziellen Gründungsfeier am 19. Oktober 1913 in Leipzig wurden im Juni 1913 in Stuttgart die ersten Rettungsschwimm-Prüfungen von der DLRG abgenommen.
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft wurde am 19. Oktober 1913 in Leipzig gegründet. Dem Ziel einer allgemeinen Schwimmausbildung kam die DLRG näher, indem sie 1920 einen preussischen Ministerialerlass zur Förderung des Rettungsschwimmens an preussischen Schulen erreichte und 1922 eine Anordnung des preussischen Wohlfahrtsministeriums zur Unterstützung der DLRG. Nach der Weltwirtschaftskrise, die auch für die DLRG fast das Ende war, wurde sie 1925 in Weimar wiedergegründet und erhielt ihre heutige Struktur.
In der Folge wurden systematisch die Landesverbände und Bezirke sowie erste Ortsverbände gegründet.
Bereits 1922 wurde der Siegburger Schwimm- und Ruderverein von 1910 Mitglied der DLRG, die damals noch so klein war, dass das neue Mitglied ein Dankesschreiben aus der Dresdener Verbandszentrale erhielt. Aus ihm ging später der Schwimmverein HELLAS hervor. Im gleichen Jahr findet im benachbarten Bonn der 1. Kongress des Schwimm-Rettungswesens statt. Das Ziel des Kongresses, angesichts von immer noch etwa 5000 Ertrinkungsfällen neue Impulse und Zielsetzungen für die Wasserrettung zu geben, konnte er wegen der Inflation und leerer Kassen nicht erreichen.
Nachdem im Sommer 1933 auf dem heutigen Gelände des Siegburger Kanuclubs das Prinz-August-Wilhelm-Bad eröffnet wurde, rückte Siegburg in den Blick der DLRG. Der Landesverband Rheinland (heute Nordrhein) der DLRG gründete 1935 zusammen mit dem Siegburger Turnverein den DLRG-Bezirk Sieg, dessen Leitung damals Herr Hanisch übernahm. Im gleichen Jahr folgten der erste DLRG-Lehrgang in Siegburg, 1936 wurden bereits Lehrgänge in Siegburg-Mülldorf sowie in Siegburg selbst je ein offener und ein geschlossener Lehrgang für Gymnasiasten angeboten, durchgeführt von Herrn Hanisch, Herrn Knebel und Herrn Schönbusch. 1939 erhielt die DLRG erstmals den Auftrag vom Schulamt, für Siegburger Lehrer Rettungsschwimmkurse abzuhalten, wegen des Kriegsausbruches blieb es allerdings bei einer Einführung.
Nach den Aussagen von Zeitzeugen blieb die DLRG auf den unteren Ebenen von nationalsozialistischem Einfluss weitgehend unbehelligt. Sie profitierte von der Gleichschaltung oder dem Verbot anderer Vereine und Verbände, wurde selbst aber nur dem Reichssportführer formell unterstellt und von 1938 bis 1945 in Deutsche Lebens-Rettungs-Gemeinschaft umbenannt. Sie erlebte einen starken Mitgliederzuwachs aus anderen Wassersportverbänden: Auch Paddel- und Ruderboote mussten Flagge zeigen, und die einzige Alternative zum Hakenkreuz war der spähende Seeadler der DLRG. Die DLRG öffnete sich in den Kriegsjahren außerdem verstärkt den Frauen. Bei Kriegsende war die DLRG größte Wasserrettungsorganisation der Welt.
In den folgenden Jahren beschäftigte sich die DLRG mit Wiederbelebungsmethoden, der Einführung eines Lehrbuches, neuen Befreiungsgriffen, Werbemöglichkeiten und seit 1965 dem Kinderschwimmen. 1951 zählte sie wieder 35.000 Mitglieder und erfuhr wieder internationale Anerkennung (Rettungskongress in Cannes). 1953 nahm erstmals eine DLRG-Mannschaft an den internationalen Rettungswettkämpfen der FIS in Nantes teil, 1959 richtete die sie erstmals aus. Eine Bewährungsprobe bestand die DLRG im Februar 1962 bei der Sturmflutkatastrophe an der Nordseeküste. Die Rettungsschwimmer stellten ihre Einsatzbereitschaft unter Beweis und retteten viele Menschen.