21/07/2023
Es ist schon mehr als merkwürdig. Die Gemeinde Gerstungen hat die entsprechenden Beschlüsse 2017 gefasst. Damit das Windvorranggebiet Dietrichsberg Eingang finden konnte in den Entwurf für den neuen Reigionalplan Südwestthüringen (der alte stammt von 2012), der ab 2018 auf den Weg gebracht wurde.
Die Regionale Planungsgemeinschaft Südwestthüringen unter Vorsitz von Präsident Krebs hat den Beschluss dazu am 27.11.2018 gefasst, die öffentliche Auslegung erfolgte vom 11.03.2019 bis einschließlich zum 15.05.2019 - und bis heute ist er nicht abschließend beschlossen!
Warum hat der Dietrichsberg in diesem Planentwurf keinen Eingang gefunden?
Wer die Textfassung liest (182 Seiten PDF-Datei plus noch einmal 134 Seiten Umweltbericht), entdeckt zwei mögliche Ursachen:
erstens weist die entsprechende Karte zum Schutz des Kulturgutes Brandenburg für das Areal Dietrichsberg eine Maximalhöhe von 150 Metern aus (Juwi hatte in der Präsentation aufgezeigt, dass das nicht relevant ist!)
und zweitens ist da von Tiefflugkorridoren die Rede (Seite 158).
Oder sollte doch der Vogelflugkorridor der Kraniche schuld sein?
In der Gemeinderatssitzung vorgestern war, wenn ich es richtig verstanden habe, davon die Rede, dass der neue Regionalplan Südwestthüringen Ende 2023 mit fünfjähriger! Verspätung endlich beschlossen werden soll.
Wenn da der Dietrichsberg noch immer nicht als Windvorranggebiet ausgewiesen ist und andererseits dann Windvorranggebiete zwangsweise festgelegt werden, wäre das ein handfester Skandal.
Dann ist Wirtschaftsminister Habeck persönlich gefragt! Es kann und darf nicht sein, dass die angestrebte Energiewende durch die deutsche Bürokratie auf diese Weise verhindert wird!
P.S. Es war immer von vier Windkraftanlagen die Rede, nicht nur von dreien. Denn die vierte Anlage sollte ein Bürgerwindrad sein ...
Quellle TLZ
GERSTUNGEN. In Gerstungen tut sich eine Geschichte auf, die man aus Sicht der Gemeindeverwaltung kaum erklären kann. Bürgermeister Rommert: „Andere können und wollen nicht, wir wollen und dürfen nicht.“
In der Gemeinde Hörselberg-Hainich stößt der Bau von Windkraftanlagen in ausgewiesenen Windvorranggebieten gerade auf Widerstand. Anders in Gerstungen. Dort bemühen sich Verwaltung und Gemeinderat seit 2017 um den Bau mehrerer Anlagen auf dem Dietrichsberg bei Oberellen. Jedoch vergeblich. „Das kann man keinem mehr erklären“, sagte Bürgermeister Tim Rommert (parteilos) am Mittwoch im Gemeinderat.
Das Problem: Das im Gemeindebesitz befindliche Areal auf dem Dietrichsberg ist im regionalen Entwicklungsplan Südwestthüringen nicht als Windvorranggebiet ausgewiesen. Der Plan stammt von 2012 (!), ist aber noch bindend. Im aktualisierten Planentwurf ist die Fläche für Windkraft vorgesehen. Die Verabschiedung könnte sich aber bis Mitte 2024 hinziehen.
Informationen aus Erfurt sind ernüchternd
Was die Gemeindeverwaltung bei aktuellen Gesprächen mit der Landesregierung erfuhr, ist laut Bürgermeister ernüchternd. „Andere können und wollen nicht, wir wollen und dürfen nicht.“
Realisieren will die Gemeinde das Vorhaben mit dem Unternehmen für erneuerbare Energien Juwi. Ein Antrag auf sogenannte Zielabweichung könnte das Vorhaben beschleunigen. Firmen ist es jedoch erst ab Ende September erlaubt, so einen Antrag zu stellen, erläuterte Rommert. Das werde Juwi dann auch tun. Bis auf dem Dietrichsberg drei, vier Windkraftanlagen stehen, dürften fast zehn Jahre ins Land gegangen sein, zeigen sich Gemeinderatsmitglieder enttäuscht.
Am Betrieb der Anlagen könnte die Gemeinde partizipieren und dafür jährlich etwa 100.000 Euro einstreichen. Diese Einnahme täte der Kommune enorm gut. Zudem solle der dort erzeugte Strom zum Teil auch Abnehmern der Region zugute kommen.
Die Diskussion um das Dietrichsberg-Vorhaben tangiert auch bestehende Windkraftwerke zwischen Förtha und Marksuhl. Die Betreiberfirma will die veralteten Anlagen durch moderne ersetzen. Dem entgegen steht eine im Bebauungsplan verankerte Höhenbegrenzung von 110 Metern. Diese wurde einst auf gerichtliches Einwirken zum Umfeldschutz (Sichtachse) des Weltkulturerbes Wartburg eingebaut. Dies sei mittlerweile aber hinfällig, so Rommert. Nun wäre es am Gemeinderat, die Höhenbegrenzung aufzuheben, schrieb Bauamtsleiter Thomas Hennicke den Mitgliedern ins Stammbuch, auch um aus den effizienteren Anlagen auch an dieser Stelle Einnahmen zu generieren.