27/11/2021
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Die Krux mit den Synonymen...
Erschwert wird das Erlernen und Beherrschen der botanischen Sprache dadurch, dass die Pilzarten nicht nur mit ihrem aktuellen Namen angesprochen werden, sondern dafür meist auch noch andere Bezeichnungen im Umlauf sind, die früher mal gegolten haben oder in anderen Teilen der Welt noch üblich sind, weil die dortigen Wissenschaftler anderen Überzeugungen folgen. Dann kommt es vor, dass für bestimmte Pilzarten und den übergeordneten Klassifizierungen mehrere Begriffe im Gebrauch sind. Diese sind in der Fachsprache als SYNONYME vermerkt. Synonyme können schon sehr alt sein und bis in die Anfänge der Mykologie zurückreichen.
Ein gutes Beispiel hierfür ist der Maronenröhrling. Ursprünglich ist der bekannte Speisepilz vom Mykologen Elias Magnus Fries (1794–1878) im Jahre 1818 erstbeschrieben worden. Damals wurde für den Maronenröhrling der wissenschaftliche Name Boletus castaneus var. badius konserviert, was 1828 vom selben Mykologen auf Boletus badius abgekürzt wurde. Das Epipheton "badius" bedeutet „braun" bzw. "kastanienbraun“ und bezieht sich auf die Hutfarbe des Pilzes. Ende des 19. Jh. kamen für den Maronenröhrling neben Boletus badius weitere wissenschaftliche Bezeichnungen wie Rostkovites badia, Viscipellis badia, Ixocomus badius, Suillus badius und Gyrodon stejskalii auf, die als Synonyme heute aber keine Bedeutung mehr haben. In der 20er Jahren des 20. Jh. hat man gemerkt, dass der Maronenröhrling viel mehr Ähnlichkeit mit Pilzen aus der Gattung der Filzröhrlinge (Xerocomus) hat, also wurde er 1931 in die entsprechende Gattung überstellt in der damals neben der Ziegenlippe auch noch die Rotfuss-Röhrlinge gelistet waren, die heute ein eigenes Taxon bilden. Der Name Xerocomus badius konnte sich aber nur in Europa richtig durchsetzen. In den USA und anderen Teilen der Welt blieb die alte Bezeichnung Boletus badius erhalten.
Anfangs des neuen Jahrtausends kam die Wissenschaft zum Schluss, dass der Maronenröhrling "polyphyletisch" ist, also keine gemeinsame Stammform mit den Filzröhrlingen besitzt. Also wurde die "Braunkappe", wie der Pilz im Volksmund heisst, wieder in die alte Gattung Boletus zurückgestellt. 2014 entschied man sich dafür, den Maronenröhrling endgültig auf der Gattung der Dickröhrlinge (Boletus) zu nehmen und eine eigenes Taxon dafür zu erschaffen. Treibende Kraft hinter diesem Ansinnen war der amerikanische Mykologe Alfredo Vizzini. Er initialisierte unter dem Namen IMLERIA eine neue Gattung, die gerade mal von vier Pilzarten bestellt wird, von denen eine einzige in Europa vorkommt, nämlich der Maronenröhrling, für den der neue botanische Namen Imleria badia konserviert wurde. Da es immer eine Weile dauert, bis so ein Name etabliert ist und sich vermutlich auch nicht alle Pilzkundler damit zufrieden geben wollen, bleiben die alten Synonyme im Gebrauch, also die Namen:
Imleria badia (Fries) Vizzini (2014)
Xerocomus badius (Fries) E.-J. Gilbert (1931)
Boletus badius (Fries) Fries (1828)
..drei wissenschaftliche Bezeichnungen für ein und denselben Pilz, der im Volksmund mit einer ganzen Latte an zusätzlichen Trivialnamen behaftet ist. Der bekannteste ist wie gesagt "Braunkappe".
Sich all die Synonyme und Trivialnamen merken zu wollen, ist unmöglich und auch nicht zielführend. Aber man muss offen sein für eine gewisse Vielfalt an Namen, wie wir auch offen dafür sein müssen dafür, dass zu den wissenschaftlichen Namen auch noch ergänzende Bezeichnungen für Varietäten dazu kommen und so mancher Mykologe wert darauf legt, als Erstbeschreiber genannt zu werden. Wer heute ein Bild von einer Braunkappe postet und korrekt sein will, der schreibt es demzufolge mit Maronenröhrling, Imlera badia (Fr. : Fr.) Vizzini an...:-)
Bea