Point Alpha

Point Alpha Die Gedenkstätte Point Alpha erinnert an den Kalten Krieg und die deutsche Teilung. Point Alpha Gedenkstätte, Stiftung und Bildungsakademie

StellenausschreibungDie Point Alpha Stiftung hat zur Aufgabe, den ehemaligen amerikanischen Militärstützpunkt „Observati...
10/06/2026

Stellenausschreibung

Die Point Alpha Stiftung hat zur Aufgabe, den ehemaligen amerikanischen Militärstützpunkt „Observation Point Alpha“ und die in seinem Umkreis befindlichen Einrichtungen als Erinnerungsort an die europäische und deutsche Teilung zu pflegen, zu bewahren, auszubauen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Zeitalter des Kalten Krieges, die Konfrontation der Macht- und Militärblöcke, die Rolle der amerikanischen Streitkräfte zur Friedenswahrung an der deutsch-deutschen Grenze, die Geschichte des Fulda-Gap, die historische Entwicklung der Grenzanlagen an der Innerdeutschen Grenze sowie das Grenzregime der ehemaligen DDR sollen in diesem Kontext dokumentiert und damit der Bildungs- und Erziehungsauftrag auf Grundlage der wissenschaftlichen Forschung und Vermittlung befördert werden. Ergänzend zur Gedenkstätte Point Alpha wird dies durch ein vielfältiges Seminar- und Veranstaltungsprogramm der Point Alpha Akademie gGmbH im eigenem Tagungshaus realisiert.

Vorbehalts einer Förderung durch das Land Thüringen ist zum 01.09.2026 eine Stelle als

Wissenschaftliche/r Volontär/in (m/w/d)

zu besetzen.

---
Ihre Aufgaben
• Mitwirkung bei der Gestaltung und Organisation des Bildungsprogramms sowie der Weiterentwicklung der Dauerausstellungen
• Mitarbeit bei der Entwicklung und Durchführung von Projekten
• Unterstützung der crossmedialen Öffentlichkeitsarbeit
• Inventarisierung und Archivierung von Objekten
• Betreuung von Anfragen zu den Dauerausstellungen
• Unterstützung bei der Veranstaltungs- und Gedenkstättenorganisation
• Verbindliche Teilnahme am Ausbildungsprogramm des Museumsverbands Thüringen e.V.

---
Ihr Profil
• Erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium (Master of Arts oder vergleichbar) eines geistes- bzw. sozialwissenschaftlichen Faches, vorzugsweise Geschichte, Politikwissenschaften oder vergleichbarer Studiengänge
• Sehr gute Kenntnisse deutscher Zeitgeschichte, insb. über die Zeit von 1945 bis 1990
• Gute Recherche- und Ausdrucksfähigkeit
• Gute Kenntnisse der englischen Sprache in Wort und Schrift
• Hohe Motivation und Selbständigkeit sowie Team- und Kommunikationsfähigkeit
• Kenntnisse in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
• Führerschein Klasse B
• Erfahrungen mit Datenbanksystemen und Archivsoftware sind erwünscht.

---
Unser Angebot
• Das Volontariat erfolgt im Rahmen der Empfehlungen des Deutschen Museumsbundes und ist für die Dauer von 2 Jahren angelegt (Probezeit 4 Monate).
• Die Vergütung erfolgt in Anlehnung an Entgeltgruppe E 13 Stufe 1 TV-L /50 % und erhöht sich im zweiten Jahr auf Stufe 2. Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt 40 Std. wöchentlich.
• Die Arbeitszeit kann flexibel im Rahmen der gleitenden Arbeitszeit zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestaltet werden.
• Die Teilnahme an internen und externen Fortbildungen zur kontinuierlichen fachlichen und persönlichen Weiterentwicklung
• Ein engagiertes und aufgeschlossenes Team

---
Interesse?
Wir freuen uns über Ihre Bewerbung mit aussagekräftigen Unterlagen. Bitte senden Sie uns Ihre Bewerbung per E-Mail (PDF) bis zum 01.07.2026 an [email protected] oder postalisch an:

Point Alpha Stiftung
z. Hd. Susanne Bott
Schlossplatz 4
36419 Geisa

Bei Fragen steht Ihnen Susanne Bott unter 036967 5964 22 gerne zur Verfügung. Schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber werden bei gleicher Eignung vorrangig berücksichtigt. Bitte vermerken Sie einen entsprechenden Hinweis in Ihrem Anschreiben und fügen Sie den Nachweis bei.

Eine Erstattung der Bewerbungskosten erfolgt nicht. Bitte legen Sie einen ausreichend frankierten Rückumschlag bei, sofern Sie die Bewerbungsunterlagen nach Beendigung des Auswahlverfahrens zurückerhalten möchten, andernfalls werden diese nach vier Wochen ordnungsgemäß vernichtet.

„So lecker schmeckt die Freiheit“Die Gastronomie von Point Alpha mit neuem Angebot und neuer LeitungDie Bedingungen zur ...
06/06/2026

„So lecker schmeckt die Freiheit“

Die Gastronomie von Point Alpha mit neuem Angebot und neuer Leitung

Die Bedingungen zur Premiere waren hervorragend: Leckere Gerichte, Sonnenschein und viele nette Gäste: Das Black Horse Inn, die Snackbar im US Camp der Gedenkstätte Point Alpha, ist jetzt unter neuen Vorzeichen und unter der neuen Leitung von Angelika Carlson in die Zukunft gestartet.

Neu ist auch die Einordnung des Black Horse Inns, die wie auch die „Bar89“ neben dem Haus auf der Grenze, künftig unter dem Dach der Point Alpha Service GmbH gesteuert wird. Das Unternehmen ist eine Tochter der Point Alpha Stiftung und die Geschäfte werden in Personalunion vom Vorstand Philipp Metzler und Benedikt Stock geleitet. Mit dem Wechsel will Point Alpha nun in Eigenregie vor allem Leistungen und Qualität im Black Horse Inn weiter nach vorne bringen und den Fokus noch stärker auf regionale Produkte legen, beispielsweise mit den Kaffeespezialitäten der Reinholz Kaffeerösterei aus Fulda. Ein Genuss ist sicherlich die eigens kreierte Point-Alpha-Bratwurst von Metzgermeister Christoph Budenz aus Rasdorf (Metzgerei Budenz ). Eine Mischung aus „Rhöner Groben“ und „Thüringer Rostbratwurst“, die es exklusiv nur im authentischen Geschichtsort zu verkosten gibt. Außerdem neu auf der Speisekarte sind leckere Burger, Chicken Wings oder amerikanische Süßigkeiten und Getränke. Das Black Horse Inn ist der ideale Ort für eine Pause während des Gedenkstättenbesuchs oder für Gruppenbesuche. Bei schönem Wetter lädt der Biergarten auf dem ehemaligen Basketballplatz zum Verweilen ein.

Abgerundet wird das frische und überraschende Gastronomie-Angebot zwischen Rasdorf und Geisa von der BAR89 , einem Treffpunkt für Wanderer, Radfahrer und Besucher direkt unter der Friedensspirale am Haus auf der Grenze. „So schmeckt die Freiheit“ ist dort auf einem der Liegestühle zu lesen, natürlich in Anlehnung an die wundervollen Ereignisse, die sich hier nur wenige Schritte entfernt bei der Grenzöffnung vor 37 Jahren abspielten. Gespräche, Drinks und Begegnungen am historischen Ort – schon in den ersten Tagen konnten sich zahlreiche Gäste von den Angeboten der „Bar89“ überzeugen. Viele nutzen die Möglichkeit für einen gemütlichen Aufenthalt in toller Umgebung mit einem einzigartigen Panoramablick ins Hessische Kegelspiel sowie ins Geisaer Amt. Die „Bar89“ setzt an Wochenenden und Feiertagen als Erholungspunkt in exponierter Lage zusätzliche Akzente für das Erlebnis der Gedenkstättenbesucher.

„Point Alpha ist ein Zeitzeugnis, das Weltgeschichte atmet und dadurch in die Gegenwart und Zukunft wirkt. Das muss man einfach erleben“, lockt Benedikt Stock potentielle Wanderer, Radfahrer, Naturliebhaber und Geschichtsinteressierte. „Mit der Übernahme der Gastronomie Black Horse Inn sowie der neuen Bar89 wollen wir natürlich die Aufenthaltsqualität und den Service für die Point-Alpha-Besucher steigern. Wer dazu noch eine Führung durch die Ausstellungen, eine Wanderung am Grenzlehrpfand oder eine Tour am „Weg der Hoffnung“ plant und bucht, für den lohnt sich ein Ausflug in die Gedenkstätte also doppelt.“ Anmelden können sich Gruppen oder Schulklassen im Black Horse Inn unter [email protected].

Militärjustiz verfolgte die „Verräter“ unerbittlichDr. Konstantin Neumann referierte auf Point Alpha über Fahnenfluchten...
05/06/2026

Militärjustiz verfolgte die „Verräter“ unerbittlich
Dr. Konstantin Neumann referierte auf Point Alpha über Fahnenfluchten in der DDR

Tausende Soldaten der Nationalen Volksarmee (NVA) und der DDR-Grenztruppen haben Fahnenflucht begangen. Wurden sie erwischt, war die Bestrafung besonders hart. In einem informativen Vortrag beleuchtete Dr. Konstatin Neumann in der Gedenkstätte Point Alpha das bisher weitgehend unerforschte Thema ganz genau. Begrüßt wurde der Historiker vom Militärhistorischen Museum der Bundeswehr Berlin-Gatow sowie die zahlreichen Zuschauer vom Vorstand der Point Alpha Stiftung Philipp Metzler im Haus auf der Grenze.

Die Armee war eine wichtige Stütze der SED-Herrschaft. Aber jedes Jahr versuchten Soldaten in den Westen zu flüchten, manchmal sogar Offiziere. Fahnenflucht war daher ein schweres, politisch aufgeladenes Delikt. Desertion galt als Verrat am System. Konstantin Neumann hat die Fälle von 1.111 verurteilten „Verrätern“ analysiert. Anhand einer Stichprobe von 97 Personen wertete er Ermittlungs- und Überwachungsakten, staatliche Sachakten, Gesetzeskommentare, Memoiren und weitere Quellen aus und liefert so in einer empirisch gesättigten Fallstudie einen neuen Forschungsbeitrag zur DDR-Justiz. Die Ergebnisse hat der Historiker im in seinem Buch „Fahnenfluchten in der DDR – Strafverfolgung desertierter NVA-Soldaten 1963 bis 1989“ zusammengefasst, das am 14. Juli im Ch. Links-Verlag erscheint.

Zwischen 1950 und 1989 registrierte das MfS knapp 11.000 erfolgreiche Desertionen. Nach dem Mauerbau 1961 und dem späteren Ausbau der Grenze mit Minenfeldern sank das einstige Massenphänomen zu seltenen Einzelfällen ab. Ein Phänomen: Über 2.750 (25 Prozent) der geflohenen Soldaten kehrten jedoch wieder in die DDR zurück. Gründe hierfür waren Integrationsprobleme im Westen, die Bindung an die Heimat sowie die Impulsivität der oft im Alkoholrausch begangenen Taten.

Die DDR-Justiz definierte Fahnenflucht nach deutscher Rechtstradition über die subjektive Fluchtabsicht, nicht über die Abwesenheitsdauer. Das Delikt wurde als politischer „Treuebruch“ gegenüber dem sozialistischen Vaterland verfolgt. Um den Verrat ideologisch zu erklären, konstruierte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) ein Narrativ der politisch-ideologischen Beeinflussung durch den Westen und dessen moralischer Verwerflichkeit. „Als Fluchtursache gezielt protokolliert wurde zum Beispiel der Konsum von Sendern wie RIAS oder Deutschlandfunk oder der von „Schundliteratur“ wie Bravo oder Romanheftchen. Auch das Interesse für westliche Popmusik oder US-Western wurde kriminalisiert und als Beweis für eine antisozialistische Gesinnung gewertet“, erklärte der Referent dem Publikum auf Point Alpha.
Die Stasi deutete unpolitische, situative Fluchtgründe systematisch um: Zahlreiche Desertionen erfolgten spontan im Rausch oder aus Angst vor Strafen nach Unfällen. Gerichte ignorierten den Alkoholkonsum, um das Bild des ideologischen Staatsfeindes zu wahren. Massive physische und psychische Gewalt oder Mobbing durch ältere Dienstgrade waren eine weitere Hauptursache für Fluchten. Justiz und MfS blendeten diese strukturellen Missstände aus. Sie schoben die Schuld auf das Opfer, indem sie Deserteuren persönliche Schwäche, „Sensibilität“ und bloße „Dienstunlust“ attestierten.

Das DDR-Recht ermöglichte für diese „Verbrechen“ drakonische Strafen. Ohne jegliche Nachsicht verschwanden manche sogar über zehn Jahre hinter Gittern. Bis 1979 wurde fast die Hälfte der Deserteure zusätzlich wegen Spionage und ein Viertel wegen Terrors verurteilt: Da fast alle NVA-Interna geheim waren und Flüchtlinge im Westen routinemäßig befragt wurden, reichte die bloße Bereitschaft zur Information für ein Spionageurteil aus. Fluchten mit einem LKW oder das Mitführen eines Tauchmessers gegen Grenzhunde wurden als Terrorakte umgedeutet. Das MfS erpresste Geständnisse und erfand Schein-Geheimringe. Nach einer Intervention des Anwalts Wolfgang Vogel flog dieser Schwindel auf. MfS-Chef Erich Mielke forderte 1979 eine sachlichere Beweisführung, woraufhin Spionage- und Terrorurteile in den 1980er-Jahren drastisch sanken.

Trotz der Reisefreiheit im Zuge der Friedlichen Revolution schnellten die Fahnenfluchten zwischen Herbst 1989 und März 1990 noch einmal auf 1.250 Fälle hoch. Die Strafverfolgung wurde allerdings im Januar 1990 ausgesetzt. Nach den freien Wahlen versuchte der neue Verteidigungsminister Rainer Eppelmann erfolglos, die Bestrafung im Interesse der militärischen Disziplin wieder einzuführen.

Das historische Dilemma liegt nach Ansicht des Referenten darin, dass eine illegitime Diktatur ein Delikt verfolgte, das auch in Rechtsstaaten strafbar ist, dieses Verfahren jedoch totalitär korrumpierte. Das im Nachhinein wirkmächtige Narrativ der „Dienstunlust“ verdeckte die realen Missstände in den Kasernen.
Die Studie des Historikers bricht mit der gängigen Praxis, die Rehabilitierung an die subjektive politische Motivation des Soldaten zu knüpfen. Vielmehr wird von Neumann nachgewiesen, dass die politische Verfolgungsintention des Staates das entscheidende Kriterium sein muss. Da das SED-Regime die Verfolgung von Deserteuren aus originärem politischem Eigeninteresse zur Aufrechterhaltung seiner Diktatur betrieb und das Delikt systematisch ideologisierte, liefere nach Aussage des Referenten die Dissertation die Argumentationsbasis für eine umfassende und pauschale strafrechtliche Rehabilitierung dieser vergessenen Häftlingsgruppe.

Übrigens, Fahnenfluchten gab es auch zu anderen Zeiten und überall auf dem Globus: So entzogen sich mehr als 500.000 US-Amerikaner zwischen 1966 und 1973 (Vietnamkrieg) dem Waffendienst und etwa 50.000 Gis verweigerten sich zwischen 2001 und 2012 (Afghanistan und Irak). Zwischen 1983 und 1987 fahndete die DDR-Behörde nach dort rund 2000 stationierten Soldaten der Sowjet-Armee. Die französische Fremdenlegion verzeichnet pro Jahr etwa 300 unerlaubte Entfernungen.

Natürlich gab es auch bei der Bundeswehr der Bundesrepublik Fahnenfluchten rund 18.400 wurden zwischen 1965 und 1981 gezählt. Der Anteil an Bewährungsstrafen stieg in diesem Zeitraum von 32 Prozent (1965) über 65 Prozent (1970) bis auf 83 Prozent (1980). Heute ist diese Zahl marginal: 2017 wurden für dieses Vergehen nur sechs Personen ermittelt.

Militärhistorisches Museum der Bundeswehr - Flugplatz Berlin Gatow

„Der ewige Krieg“: Korea zwischen Teilung, Erinnerung und GegenwartspolitikInternationale Tagung auf Point AlphaDie Poin...
03/06/2026

„Der ewige Krieg“: Korea zwischen Teilung, Erinnerung und Gegenwartspolitik
Internationale Tagung auf Point Alpha

Die Point Alpha Stiftung hatte in Kooperation mit dem Zukunftsforum für Korea e.V. zur internationalen Tagung „Der ewige Krieg. Vom Koreakrieg zur Gegenwartspolitik der geteilten Halbinsel“ eingeladen. Expertinnen und Experten aus Deutschland und Korea befassten sich mit der Geschichte des Koreakrieges, der bis heute fortwirkenden Teilung der koreanischen Halbinsel sowie den politischen, gesellschaftlichen und erinnerungskulturellen Folgen des Konflikts.

Bis heute ist die koreanische Halbinsel geteilt. Die Demilitarisierte Zone, die nach dem Koreakrieg von 1950 bis 1953 eingerichtet wurde, trennt die Demokratische Volksrepublik Korea im Norden von der Republik Korea im Süden. Ein Friedensvertrag wurde bis heute nicht geschlossen; der Waffenstillstand vom 27. Juli 1953 beendete die Kampfhandlungen, ließ den Konflikt politisch jedoch ungelöst. Eine Wiedervereinigung beider Staaten erscheint gegenwärtig kaum vorstellbar. Dennoch weist die Situation auf der koreanischen Halbinsel Parallelen zur überwundenen deutschen Teilung auf, gerade an einem Erinnerungsort wie Point Alpha, der die frühere Grenze in Deutschland sichtbar macht.

Zum Auftakt der Veranstaltung waren zwei koreanische Gäste live aus Korea zugeschaltet. Prof. Eui-kon Kim von der Inha University (@인하대학교 - Inha University) nahm die Ursprünge der koreanischen Teilung in den Blick. Nach dem Ende der japanischen Kolonialherrschaft wurde die Halbinsel entlang des 38. Breitengrades in eine sowjetische und eine amerikanische Besatzungszone geteilt. Wenige Jahre später, am 25. Juni 1950, begann mit dem Angriff Nordkoreas auf den Süden der Koreakrieg. Der Angriff erfolgte mit Stalins Billigung und sowjetischer Unterstützung; die Volksrepublik China unter Mao Zedong wurde in die kommunistische Kriegsplanung einbezogen. Unter amerikanischer Führung intervenierten UN-Truppen auf Seiten Südkoreas. Sie drängten Nordkoreas Truppen bis an die Grenzen Chinas zurück, woraufhin China militärisch in den Krieg eingriff. Nach drei Jahren Krieg verlief die Front ungefähr auf Höhe des 38. Breitengrades und damit dort wo der Krieg begonnen hatte.

1953 wurde ein Waffenstillstand geschlossen, der zwar die Kampfhandlungen beendete, aber keine politische Lösung brachte. Beide koreanischen Staaten entwickelten sich danach in entgegengesetzte Richtungen. Während Nordkorea zu einer abgeschotteten kommunistischen Diktatur wurde, erlebte Südkorea nach den Verwüstungen des Krieges einen tiefgreifenden wirtschaftlichen Aufstieg, der später als „Wunder am Han-Fluss“ bekannt wurde. Die südkoreanische Entwicklung war seit den 1960er-Jahren auch mit internationalen Kontakten verbunden. Prof. Kim verwies in diesem Zusammenhang unter anderem auf westdeutsche Kredite sowie auf die Entsendung koreanischer Bergarbeiter und Krankenschwestern in die Bundesrepublik.

Eine Wiedervereinigung Koreas bewertete Prof. Kim als äußerst unwahrscheinlich. Während des Kalten Krieges sei sie durch die Sicherheitsinteressen der jeweiligen Bündnissysteme nahezu ausgeschlossen gewesen. Auch nach dem Ende des Kalten Krieges hätten sich die Voraussetzungen kaum verbessert. Die Kosten einer Wiedervereinigung wären für Südkorea immens. Zudem sei eine Vereinigung derzeit allenfalls im Zusammenhang mit einem Zusammenbruch des nordkoreanischen Systems vorstellbar. Dabei müssten jedoch auch die Sicherheitsinteressen Chinas berücksichtigt werden, für das Nordkorea weiterhin eine strategische Pufferzone gegenüber den amerikanischen Truppen in Südkorea darstellt.

Einen eindrucksvollen Einblick in die innerkoreanische Debatte über Wiedervereinigung bot Hyanga An, Ausschussmitglied des Korea Young Leaders Forum. Vermutlich hätten alle Koreanerinnen und Koreaner in ihrem Leben schon einmal die Frage gehört, ob sie eine Wiedervereinigung wollten, erklärte sie. „Auf den ersten Blick wirkt diese Frage sehr einfach“, so An gegenüber den Tagungsteilnehmerinnen und Tagungsteilnehmern.

Doch je länger die Teilung andauere, desto unterschiedlicher fielen die Antworten aus. Der Wunsch nach Wiedervereinigung sei besonders bei älteren Generationen verbreitet, die direkte oder familiär vermittelte Erinnerungen an Krieg und Teilung hätten. Jüngere Südkoreanerinnen und Südkoreaner nähmen die Teilung dagegen stärker als Alltag wahr und blickten skeptischer auf die wirtschaftlichen und sozialen Folgen einer möglichen Wiedervereinigung. Hyanga An nannte dafür mehrere Gründe: die hohen Lebenshaltungskosten in Südkorea, die Sorge vor zusätzlichen finanziellen Belastungen durch eine Wiedervereinigung und den veränderten Informationszugang jüngerer Generationen. Während frühere Generationen ein gemeinsames Bild von Nordkorea über Schule, Fernsehen und staatliche Erzählungen vermittelt bekommen hätten, informierten sich junge Menschen heute stärker über soziale Medien. Dadurch entstünden vielfältigere, aber auch weniger einheitliche Vorstellungen von Nordkorea.

Dass junge Koreanerinnen und Koreaner grundsätzlich kein Interesse an der Wiedervereinigungsfrage hätten, verneinte An jedoch. Vielmehr nähmen sie eine differenziertere und komplexere Haltung ein. Die Wiedervereinigung sei für sie weniger eine emotionale Selbstverständlichkeit als eine politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderung.

Auch die Auswirkungen des Koreakrieges auf Deutschland standen im Fokus der Tagung. Der rund 8.500 Kilometer entfernte Krieg löste in der jungen Bundesrepublik erhebliche Kriegsängste aus. Viele Zeitgenossen hatten den Zweiten Weltkrieg und die deutsche Teilung unmittelbar erlebt. Der Angriff Nordkoreas auf Südkorea ließ daher die Frage aufkommen, ob auch Deutschland zu einem Kriegsschauplatz des Kalten Krieges werden könnte.

Diese Sorge beschränkte sich nicht auf die deutsche Bevölkerung. Auch in Westeuropa und Washington veränderte der Koreakrieg die Wahrnehmung der sowjetischen Bedrohung, die Sowjetunion wurde als Drahtzieher hinter dem Koreakrieg vermutet. Bundeskanzler Konrad Adenauer verband die neue Sicherheitslage mit seinem Ziel durch Westbindung und Wiederbewaffnung mehr Souveränität für die Bundesrepublik zu erlangen. Der Koreakrieg wirkte damit wie ein Beschleuniger der westdeutschen Wiederbewaffnung. Zugleich blieb diese Entwicklung gesellschaftlich stark umstritten. Viele Menschen lehnten eine erneute Aufrüstung wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg entschieden ab, was zu ersten Protesten in der jungen Bundesrepublik führte.

Dr. Florian Pölking von der Ruhr-Universität Bochum nahm den südkoreanischen Umgang mit der eigenen Vergangenheit in den Blick. Die nationale Erinnerung an den Koreakrieg sei bis in die späten 1980er-Jahre stark durch die südkoreanischen Militärdiktaturen geprägt gewesen. Antikommunismus und das Feindbild Nordkorea hätten lange Zeit die offizielle Deutung des Krieges bestimmt. Dadurch seien auch innerkoreanische Gewalterfahrungen und staatliche Repressionen häufig überdeckt oder verzerrt worden. Beispielhaft verdeutlichte Pölking dies am „Jeju-Massaker“. Aus Protesten, politischer Repression und einem bewaffneten Aufstand entwickelte sich ab 1947/48 ein massiver Gewaltkomplex, der von südkoreanischen Sicherheitskräften und paramilitärischen Gruppen brutal niedergeschlagen wurde, wobei eine Schätzung von bis zu 30.000 Opfern ausgeht. Jahrzehntelang wurde Jeju offiziell vor allem als kommunistischer Aufstand gedeutet. Erst die Demokratisierung Südkoreas ermöglichte eine breitere Aufarbeitung.

Auch nach dem Koreakrieg nutzten die autoritären Regierungen Südkoreas das Feindbild des Kommunismus und Nordkoreas, um die eigene Macht zu sichern und oppositionelle Bewegungen zu delegitimieren. Dies zeigte sich besonders bei der Demokratiebewegung von 1980. Die Proteste gegen die Militärregierung wurden als kommunistisch gesteuerter Umsturzversuch diffamiert und in einer der Protesthochburgen, der Stadt Gwangju, im Mai gewaltsam niedergeschlagen. Offizielle und wissenschaftliche Angaben zu den Opferzahlen variieren. UNESCO-Unterlagen nennen 165 Tote, 76 Vermisste, 3.383 Verletzte und 1.476 Verhaftete; zugleich gehen manche Schätzungen deutlich darüber hinaus. Erst nach der demokratischen Wende Südkoreas im Jahr 1987 wandelte sich auch das historische Narrativ. Der Koreakrieg wurde zunehmend nicht nur als militärischer Abwehrkampf gegen den Norden, sondern auch als nationale und menschliche Tragödie begriffen. Gleichzeitig nahmen Bemühungen zu, notleidenden Menschen in Nordkorea Hilfe zukommen zu lassen. Dennoch beobachtet Pölking, dass das antikommunistische Feindbild bis heute nachwirkt. Im offiziellen Gedenken werde der Koreakrieg vielfach als Erfolgsgeschichte des Kampfes für Freiheit und Demokratie erzählt, während die autoritären Diktaturen, die auf den Krieg folgten, weniger stark in den Mittelpunkt rückten.

In der Ausrufung des Kriegsrechts durch den damaligen Präsidenten Yoon Suk-yeol im Dezember 2024 erkannte Pölking einerseits einen Rückfall in autoritäre Handlungsmuster. Andererseits zeigte die schnelle Reaktion von Parlament und Zivilgesellschaft die Widerstandskraft der südkoreanischen Demokratie. Die Nationalversammlung stimmte noch in derselben Nacht einstimmig für die Aufhebung des Kriegsrechts; Yoon hob die Maßnahme wenige Stunden später wieder auf. Im April 2025 wurde er vom südkoreanischen Verfassungsgericht aus dem Amt entfernt.

Vor dem Hintergrund der aktuellen nordkoreanischen Politik erscheint Pölking eine Wiedervereinigung derzeit kaum vorstellbar. Nordkorea hat seine bisherige Wiedervereinigungsrhetorik deutlich zurückgenommen und Südkorea zunehmend als eigenständigen, feindlichen Staat definiert. Neuere Berichte verweisen darauf, dass Nordkorea Verweise auf Wiedervereinigung und nationale Einheit aus seiner Verfassung gestrichen beziehungsweise die Zwei-Staaten-Doktrin weiter verankert hat.

Zum Abschluss der Tagung betrachtete Philipp Metzler einen Teil der deutschen Wiedervereinigungsgeschichte als mögliche Perspektive für Korea: das Grüne Band. Es verläuft auf rund 1.400 Kilometern entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Während der deutschen Teilung war der Grenzstreifen über Jahrzehnte weitgehend von menschlicher Nutzung ausgeschlossen. Dadurch entwickelte sich ein Rückzugsraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Heute gilt das Grüne Band als national bedeutender Biotopverbund und zugleich als Symbol für das Zusammenwachsen nach friedlicher Revolution und Wiedervereinigung.

Auch die koreanische Demilitarisierte Zone ist zu einem solchen Rückzugsraum geworden. Sie weist damit ökologische Parallelen zur ehemaligen innerdeutschen Grenze auf, bleibt zugleich aber ein hochmilitarisierter Raum. Nach Erhebungen, die unter anderem vom Natural History Museum London unter Bezug auf südkoreanische Forschungseinrichtungen zusammengefasst wurden, wurden in Teilen der DMZ 6.168 Tier- und Pflanzenarten erfasst; von 267 gefährdeten Arten auf der koreanischen Halbinsel wurden 102 in der militärisch abgeschirmten Zone nachgewiesen.
Die koreanische DMZ zeigt jedoch auch, welche Hindernisse vor einer solchen Entwicklung überwunden werden müssten: Kriegserbe, Minen, Sperranlagen, Misstrauen, Militärlogik und die Angst vor Flucht. Praktisch müssten beide Seiten bereit sein, Minen zu räumen, militärische Anlagen zurückzubauen und dem Naturschutz Vorrang vor anderen Nutzungsinteressen einzuräumen. Philipp Metzler sieht eine solche Perspektive nur im Rahmen eines positiven Friedensprozesses, in dem sich beide Seiten nicht länger als unmittelbare Bedrohung wahrnehmen.

Gerade hier kann die deutsche Erfahrung als Beispiel dienen. Denn am Grünen Band zeigt sich, was aus einem Todesstreifen werden kann, wenn politische Feindschaft endet: ein Raum der Erinnerung, der Natur und der Zukunft.



주프랑크푸르트총영사관 Generalkonsulat der Republik Korea in Frankfurt

„Bis an die Grenze“ – Polizei-Wettkampf auf Point AlphaEnergiegeladen ging es Ende letzter Woche auf Point Alpha zu: Im ...
02/06/2026

„Bis an die Grenze“ – Polizei-Wettkampf auf Point Alpha

Energiegeladen ging es Ende letzter Woche auf Point Alpha zu: Im Rahmen ihrer zweitägigen Vergleichsübung hatte die Bundespolizei 20 Teams aus ganz Deutschland nach Osthessen geladen. Als Ausrichterin fungierte die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) des Standorts Hünfeld, die bei der letzten Durchführung des Kräftemessens den Sieg errungen hatte. Seit geraumer Zeit liefen streng geheime Absprachen mit der Point Alpha Stiftung, um einen Teil des Wettkampfs auf dem Gedenkstättengelände durchzuführen.

Vergangenen Donnerstag war es soweit. Den ganzen Tag über maßen sich Polizisten an verschiedenen Stationen. Sie mussten sowohl ihre Kraft und Ausdauer (Gewichte in Schutzausstattung über Hindernisse tragen, schwere Reifen umwuchten, im Sprint von Station zu Station) als auch Geschichtskenntnisse und Rechenkünste (Fragen zur deutschen Teilung, knifflige Matheaufgaben) unter Beweis stellen. Dazu kam die frühsommerliche Hitze. Klar, dass diesen Herausforderungen im Team am besten zu begegnen war und auch die Kollegen mit lautstarkem Anfeuern vom Seitenrand zu Höchstleistungen anstacheln wollten.

Am Ende des Parcours, der am Haus auf der Grenze startete und entlang der rekonstruierten Grenzsperranlagen bis ins historische US Camp führte, wartete eine besondere Aufgabe: das Hufeisenspiel, das amerikanische Soldaten einst zum Zeitvertreib auf OP Alpha spielten. Hierbei galt es, trotz vorheriger Strapazen eine ruhige Hand zu behalten und durch das Versenken von Hufeisen in Kisten zu punkten. Abschließend ging es in rasendem Tempo zum Flaggenmast zurück und damit ins Ziel.

Am Tag zuvor waren die Wettkämpfer bereits auf der Wasserkuppe und nach dem Stopp auf Point Alpha folgte das Finale in Hünfeld. Triumphiert hat die BFE Berlin, die damit 2028 die 17. Vergleichsübung ausrichten darf. Herzlichen Glückwunsch von der Point Alpha Stiftung und höchste Anerkennung für die gezeigten Leistungen an alle Teams. Wir bedanken uns bei der Bundespolizeiabteilung Hünfeld für die hervorragende Zusammenarbeit.

Bundespolizei Karriere

Die Nationale Volksarmee und insbesondere die Grenzsoldaten waren eine wichtige Stütze der SED-Herrschaft. Fahnenflucht ...
29/05/2026

Die Nationale Volksarmee und insbesondere die Grenzsoldaten waren eine wichtige Stütze der SED-Herrschaft. Fahnenflucht wurde deshalb mit politischer Bedeutung aufgeladen und hart bestraft. Wie haben die Justizakteure das Delikt konstruiert? Welche Strafverfolgungspraktiken ergaben sich daraus? Welche Rolle spielten Teil-Öffentlichkeiten?

Konstantin Neumann hat die Fälle von 1.111 verurteilten Deserteuren statistisch analysiert. Anhand einer Stichprobe von 97 Personen wertet er Ermittlungs- und Überwachungsakten, staatliche Sachakten, Gesetzeskommentare, Memoiren und weitere Quellen aus und liefert so in einer empirisch gesättigten Fallstudie einen neuen Forschungsbeitrag zur DDR-Justiz.

Eine Anmeldung zu der Veranstaltung ist per E-Mail über [email protected] oder Telefon 06651/919030 erwünscht.

Getrennte Geschichte, gemeinsame Zukunft?Während die Deutschen die Teilung ihres Landes vor mehr als drei Jahrzehnten üb...
21/05/2026

Getrennte Geschichte, gemeinsame Zukunft?

Während die Deutschen die Teilung ihres Landes vor mehr als drei Jahrzehnten überwunden und die Wiedervereinigung gefeiert haben, ist der Schmerz auf der koreanischen Halbinsel bis heute präsent. Als Ergebnis des Koreakrieges (1950-1953) entstand eine hermetisch abgesicherte Grenze, die Nord- und Südkorea bis heute voneinander trennt. Parallelen zwischen der deutschen und koreanischen Geschichte lassen sich nicht nur anhand der Grenzbefestigungen erkennen. Die Geschehnisse der frühen 1950er Jahre in Fernost hatten konkrete Folgen für die (west-)deutsche Politik und die erste Zuspitzung des Kalten Krieges.

Doch wie blicken die Menschen in Korea heute, 73 Jahre nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrages, auf eine mögliche Wiedervereinigung? Spielt diese Überlegung überhaupt noch eine Rolle, abseits öffentlichkeitswirksamer Symbole? Während der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un ein Mahnmal zur Wiedervereinigung Koreas im Jahr 2024 abreisen ließ, gibt es von südkoreanischen Politikerinnen und Politikern immer wieder neue Ansätze und Ideen zur Überwindung der Teilung. Sie nehmen dabei häufig Bezug auf die Wiedervereinigung Deutschlands nach der Friedlichen Revolution. Doch inwieweit sich Konzepte daraus für Korea ableiten lassen, bleibt unter Expertinnen und Experten umstritten.

In der Tagung „Der ewige Krieg. Vom Koreakrieg zur Gegenwartspolitik der geteilten Halbinsel“ wollen wir uns über diese und viele andere Fragen austauschen. In Kooperation mit dem Zukunftsforum für Korea e.V. bieten wir für Interessierte ein vielschichtiges Programm mit Referentinnen und Referenten an, die sowohl die historische Dimension als auch aktuelle Fragen sowie Bezugnahmen auf die deutsche Geschichte gemeinsam diskutieren wollen.

Die Teilnahme an der Tagung am Fr., 29.05.2026 ab 15 Uhr im Haus auf der Grenze ist kostenfrei. Eine Anmeldung per E-Mail an [email protected] oder telefonisch unter 06651/919030 ist erforderlich. Bitte beachten Sie, dass ein Vortrag in englischer Sprache gehalten wird.

Adresse

Platz Der Deutschen Einheit 1
Geisa
36419

Öffnungszeiten

Montag 10:00 - 18:00
Dienstag 10:00 - 18:00
Mittwoch 10:00 - 18:00
Donnerstag 10:00 - 18:00
Freitag 10:00 - 18:00
Samstag 10:00 - 18:00
Sonntag 10:00 - 18:00

Telefon

+496651919030

Benachrichtigungen

Lassen Sie sich von uns eine E-Mail senden und seien Sie der erste der Neuigkeiten und Aktionen von Point Alpha erfährt. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht für andere Zwecke verwendet und Sie können sich jederzeit abmelden.

Teilen