15/06/2020
Am Sonntag war das Antidiskriminierungsreferat Mitveranstalter der Kundgebung am Platz der alten Synagoge. Dies ist unser Redebeitrag.
(Sprechende Person: Moema Petri Romão)
Der Redebeitrag in Schrift:
"Ich wusste bis vor einer Stunde nicht, was ich heute hier sagen soll. Denn - wo sind wir unteilbar, wenn unsere tägliche Erfahrungen als Black, Indigenous People of Color uns tagtäglich das Gegenteil zeigen?
Wenn wir jeden Tag angespuckt, abgewertet, erstickt, erschossen, erkrankt, ertränkt werden?
Wie sollen wir weißen Menschen trauen, wenn sie seit Jahrhunderten unser Vertrauen brechen, uns ausbeuten für ihren Wohlstand?
Wie sollen wir an Gerechtigkeit glauben, wenn die einzige Gerechtigkeit auf dieser Welt die selbstgerechte Selbstgefälligkeit der weißen Retter*innen ist?
Fühlt ihr euch schon unwohl, fühlt ihr euch schon angegriffen von meinen Worten? Sehr gut! Denn ich meine euch! Nehmt euren Rassismus zurück, denn es ist nicht unser Problem, sondern eures! Ihr müsst euch ändern, nicht wir. Jeder einzelne von euch ist ein Rassist, jeder einzelne von euch weißen Menschen hier profitiert von unserer Unterdrückung, der Unterdrückung unserer Geschwister in Afrika, Asien und Lateinamerika. Wir haben euch nie gebraucht, aber ihr braucht uns!
Gerechtigkeit können wir erst haben, wenn ihr für eure Verbrechen bezahlt.
Wir wollen keine scheinheilige, neokolonialistische Entwicklungshilfe, wir wollen Reparationen!
Wir wollen keinen selbstgefälligen, selbstgerechten performativen Aktivismus von 2 Stunden, wir wollen euch 24 Stunden 7 Tage die Woche schwitzen sehen, so wie ihr uns tagtäglich seit jahrhunderten auf euren Plantagen schuften seht!
Wir wollen keinen Wandel, wir wollen eine Revolution! Es reicht! No justice, no peace!"