24/04/2026
Grüne sind dank konfuser CDU Nachwahlsieger
Hübners Frankfurter Woche – Folge 191
Die knapp 50 Prozent der Frankfurter Wahlberechtigten, die sich an der Kommunalwahl am 15. März 2026 beteiligt haben, bekommen derzeit eine Lektion in Sachen Parteienstaat erteilt. Denn unter den politischen Kräften, die größere Fraktionen im Stadtparlament bilden können, herrscht wildes Hauen und Stechen.
Hatte es am Abend der Wahl und den ersten Wochen danach noch nach einem Politikwechsel ausgesehen, der die bislang dominierenden Grünen nach 37 Jahren endlich aus dem hauptamtlichen Magistrat zu verbannen schien, so ist diese Hoffnung nur noch sehr gering. Denn ohne die Grünen können und wollen CDU und SPD nun keine Mehrheit bilden. Schuld daran ist vor allem die CDU.
Hatte diese Partei vor der Wahl und im Wahlkampf jede ernsthafte Auseinandersetzung mit den Grünen noch gescheut, so wollte ihre örtliche Führung, berauscht von ihrem keineswegs großen Wahlsieg, mit einer schlecht geplanten Attacke die Grünen plötzlich in die Opposition befördern. Mitmachen sollten dabei die von ihrem Wahlergebnis frustrierte SPD, die abgestürzte FDP und der Grünen-Ableger Volt.
Doch die erhoffte Koalition mit geringster Mehrheit ließ sich schon wegen der Ablehnung der FDP bei SPD und Volt nicht schmieden. Die CDU hatte sich also grandios verkalkuliert. Seitdem sind die Grünen, in der Wahl mit über 20 Prozent nicht entscheidend geschwächt, wieder im Spiel. Und zwar nicht allein, sondern in enger Kooperation mit der gesinnungsnahen Volt-Partei, ohne die die Grünen keine Koalition bilden wollen.
Nun bietet sich den Frankfurter das erbarmungswürdige Schauspiel, daß CDU und SPD die Grünen anflehen müssen, auch ohne Volt eine Koalition des sicheren politischen Stillstands im Römer einzugehen. Wenn sich die machtbewussten Grünen darauf überhaupt einlassen sollten, werden sie sich diesen „Verzicht“ politisch teuer von den Partnern bezahlen lassen.
Wähler, die sich mit ihrer Stimmabgabe am 15. März einen Politikwechsel in Frankfurt erhofft haben sollten, sind die eigentlichen Wahlverlierer. Immerhin wissen sie jetzt: Stimmabgabe hat viel mit Stimmverlust zu tun.
Wolfgang Hübner
Grüne sind dank konfuser CDU NachwahlsiegerHübners Frankfurter Woche – Folge 190 Die knapp 50 Prozent der Frankfurter Wahlberechtigten, die sich an der Kommunalwahl am 15. März 2026 beteiligt haben, b