13/05/2026
Gut versorgt im Alter
Ratsmehrheit verschließt sich Weichenstellung für eine zukunftsorientierten Pflege im Quartier
In der Ratssitzung im März standen zwei Anträge zum Thema Wohnen im Alter bei Pflege- und Betreuungsbedarf auf der Tagesordnung. Die Fraktion B90/GRÜNE hatte in ihrem Antrag die Bildung eines "Rundes Tisches" mit allen in Frage kommenden Akteuren angeregt, um ein Handlungskonzept zu erarbeiten.
CDU und SPD fanden die Intentionen des Antrages zwar gut, aber der Kreis Euskirchen und nicht die Stadt sei aufgabenrechtlich zuständig und man wolle keine Doppelstrukturen. Während derartige Vorbehalte noch nachvollziehbar waren, wurden bei der Behandlung des FDP-Antrages die ablehnenden Argumente fadenscheinig, da dieser genau die zuvor noch begrüßten Intentionen ergebnisorientiert aufnahm und eine klare Zielorientierung formuliert.
Der Antrag der FDP-Fraktion lautete:
"Der Rat der Kreisstadt Euskirchen spricht sich dafür aus, im Stadtgebiet Euskirchen "quartiersbezogene Wohnformen für Menschen mit Pflege- und Betreuungsbedarf" bevorzugt zu etablieren."
Ziel solcher Quartierskonzepte ist es, älteren und pflegebedürftigen Menschen ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben im vertrauten Umfeld zu ermöglichen. Ambulante und teilstationäre Angebote, barrierefreies Wohnen, Nachbarschaftshilfe sowie wohnortnahe Pflege- und Unterstützungsangebote sollen stationäre Heimunterbringung vermeiden oder hinauszögern.
Auch die kommunale Pflegeplanung des Kreises Euskirchen verfolgt ausdrücklich den Grundsatz „ambulant und teilstationär vor stationär“. Dennoch entsteht der Eindruck, dass diese Zielrichtung bislang nicht konsequent umgesetzt wird.
Aus Sicht der FDP wäre daher eine klare Positionierung der Stadt wichtig, damit quartiersbezogene Pflege- und Wohnformen künftig stärker in der Stadtentwicklung berücksichtigt werden und auch bei Investitionsvorhaben mehr Beachtung finden.
Nach Auffassung der FDP-Stadtratsfraktion könnte sich beispielsweise der Ortsteil Stotzheim aufgrund seiner Infrastruktur und Einwohnerstruktur besonders für entsprechende Wohnprojekte eignen.
Nur die Fraktionen von FDP und B90/GRÜNE stimmten dem Antrag zu. Die anderen Ratsfraktionen verschlossen sich mithin, ein klares Votum für eine zukunftsorientierte Versorgung von betreuungs- und pflegebedürftigen Mitbewohner zu setzen.
Dabei wird der Bedarf wachsen – Fachkräftemangel und demografischer Wandel inklusive. Wer heute keine Weichen stellt, verschärft morgen die Probleme.
Die FDP wird dieses wichtige Thema weiter im Blick haben. Schließlich hat die Verwaltung entsprechende Initiativen von SIE - Senioren und Euskirchen - bislang noch nicht aufgegriffen. Vielleicht ist bis dahin die Ratsmehrheit schlauer geworden und am Tag der Abstimmung nicht mit dem falschen Bein zuerst aufgestanden.