29/04/2021
Letzte Woche hat der Stadtdirektor und Gesundheitsdezernent Peter Renzel (CDU) in einem Artikel der WAZ erklärt, dass 51% der Corona-Infizierten seit März Migrant*innen waren. Auf dieses Ergebnis ist er gekommen, weil er die Nachnamen der Infizierten verglichen hat. Wir halten diese Methode für absolut fragwürdig und nicht ausreichend, um eine solche These zu veröffentlichen! Statt über die sozio-ökonomischen Lebensbedingungen zu sprechen, wurde hervorgehoben, dass mehr als die Hälfte Migrant*innen seien, obwohl sie nicht die Hälfte der Bevölkerung in Essen ausmachen. Wie genau wird Migrationshintergrund also im Gesundheitsdezernat eingeordnet? Der reißerische Titel des Zeitungsartikels lässt mutmaßen, dass Menschen, die nicht Müller, Meier, Schulze mit Nachnamen heißen, keine Deutschen sein können. Diese Arbeitsweise ist extrem gefährlich und entspricht nicht dem Respekt, den die Bürger*innen verdienen! Die Headline „Jeder Zweite Infizierte in Essen hat Migrationshintergrund“ ist das Einzige, was nicht hinter der Paywall versteckt ist und deutet Daten an, die mit sehr fragwürdigen Mitteln erhoben wurden. Damit gießt der Stadtdirektor gemeinsam mit der WAZ Öl in ein Feuer, das Menschen spaltet und Rassismus schürt! [Übrigens: Das Interesse, eine Verbindung zwischen Migrationshintergrund und Corona-Infektionen herzustellen, hatte auch schon die im Bayerischen Landtag.]
Wir erwarten eine Klarstellung und eine Darlegung der tatsächlichen Datenlage mit der notwendigen Einordnung, welche Berufsgruppen zum Beispiel besonders betroffen sind. Schlechtbezahlte Tätigkeit werden häufig von Menschen mit Migrationshintergrund ausgeübt, die dementsprechend nicht im Homeoffice arbeiten können, die täglich dem Risiko einer Infizierung durch das Virus ausgesetzt werden.