11/06/2026
PRESSEMITTEILUNG
Der Hitze ausgeliefert: Obdachlose Menschen brauchen verbindlichen Hitzeschutz
Berlin, 11. Juni 2026
Anlässlich des Hitzeaktionstags 2026 warnt die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) vor der zunehmenden Lebensgefahr für obdachlose Menschen durch extreme Hitze. Während Hitzeschutz in vielen Städten inzwischen auf der Agenda steht, fehlt es nach wie vor an systematischen, dauerhaft finanzierten Maßnahmen, besonders für die verletzlichsten Gruppen der Gesellschaft.
Wer draußen lebt, trägt das höchste Risiko
Extreme Hitze ist das größte klimabedingte Gesundheitsrisiko in Deutschland. Obdachlose Menschen sind ihr ohne Zugang zu Trinkwasser, Schatten oder kühlen Rückzugsorten schutzlos ausgeliefert. Viele von ihnen sind zudem bereits gesundheitlich stark belastet. Unversorgte Wunden heilen schlechter, Kreislaufprobleme durch Flüssigkeitsmangel nehmen zu, psychische Erkrankungen können sich verschärfen. Alkohol- und Drogenkonsum belasten den Körper bei hohen Temperaturen zusätzlich und beeinträchtigen die Selbstwahrnehmung so, dass Warnzeichen wie Dehydrierung oder Überhitzung nicht rechtzeitig erkannt werden.
„Menschen, die auf der Straße leben, können der Hitze nicht entkommen. Es gibt weder Schatten auf Knopfdruck noch eine kühle Wohnung. Sie brauchen konkrete Maßnahmen, verlässliche Hilfeangebote und dauerhaften Wohnraum. Hitzeschutz darf keine Kür sein – er muss zur verbindlichen Pflichtaufgabe von Staat und Kommunen werden," bekräftigt Sabine Bösing, Geschäftsführerin der BAG W.
Gute Ansätze, aber fehlendes System
In einzelnen Städten und Bundesländern hat sich in den vergangenen Jahren einiges bewegt: Berlin fördert erneut das Projekt „Hitzehilfe" und stellt mit der Erfrischungskarte eine digitale Übersicht über Trinkbrunnen, kühle Räume und Schattenplätze bereit. Hannover versorgt obdachlose Menschen an Hitzetagen mit Wasser, Sonnenschutz und Hygieneartikeln – U-Bahnstationen können ab 30 Grad zum Abkühlen genutzt werden. In Stuttgart fährt das DRK mit einem mobilen Versorgungsbus durch die Stadt. Diese Beispiele sind ermutigend, aber sie sind nicht die Regel. Was fehlt, ist eine bundesweite, dauerhaft finanzierte Hitzeschutzstrategie, die obdachlose Menschen mitdenkt.
Die BAG W appelliert an Bund, Länder und Kommunen:
• Kommunale Hitzeaktionspläne müssen obdachlose Menschen und Menschen in Notunterkünften oder prekären Wohnverhältnissen ausdrücklich berücksichtigen.
• Trinkwasser, Schattenplätze, Duschmöglichkeiten und klimatisierte Aufenthaltsorte müssen niedrigschwellig und verlässlich verfügbar sein.
• Aufsuchende Gesundheitsangebote müssen fester Bestandteil der Hitzehilfe werden.
• Hitzehilfen müssen langfristig finanziert sein.
• Und grundlegend gilt: Ausreichend bezahlbarer Wohnraum ist der beste Hitzeschutz.
Auch die Zivilgesellschaft ist gefragt
Der Hitzeaktionstag 2026 steht im Zeichen der Vernetzung: Nur gemeinsam kann Hitzeschutz vorangebracht werden. Auch Bürger*innen können helfen: durch aufmerksames Hinschauen, das Anbieten von Wasser oder Schatten und das Verständigen des Rettungsdienstes bei erkennbaren gesundheitlichen Problemen.