12/03/2026
Zirka einen Monat nach Einigung der Tarifparteien in der dritten Verhandlungsrunde des TV-L haben wir jetzt auch endlich unsere Einschätzung zum Ergebnis:
Jetzt ist der Tarifabschluss also da, dreieinhalb Monate nach Ablauf der Friedenspflicht, nach mehreren Warnstreiks und drei Verhandlungsrunden. Zunächst einmal: Wir haben gut gekämpft! Trotz der widrigen Wetterbedingungen während der Tarifrunde waren wir bei unseren Streikdemos auf der Straße präsent. Zum Hochschulaktionstag waren wir mit etwa 250 Menschen unterwegs, während 20 Zentimeter Schnee lagen. Und beim letzten Streik zu Beginn der dritten Verhandlungsrunde waren in Erlangen über 2.000 Demonstrierende anwesend!
Was kam jetzt aber beim Tarifabschluss raus? Gefordert waren 7% mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, mindestens aber 300€ mehr im Monat, 200€ mehr für Auszubildende, und ein Tarifvertrag für studentische Beschäftige mit einem Mindestlohn von 17€/Stunde. Geworden sind es 5,90% in drei Schritten: 2,8% mehr (aber mindestens 100€) ab April 2026, 2% ab März 2027 und nochmal 1% ab Januar 2028. Das Ganze bei einer Laufzeit von 27 Monaten. Für Auszubildende insgesamt 150€ mehr im Monat, für studentische Hilfskräfte kein Tarifvertrag, sondern eine Verlängerung der schuldrechtlichen Vereinbarung und eine Mindeststundenlohnerhöhung in zwei Schritten auf 15,90€.
Wie ist dieser Abschluss einzuschätzen? Während der Laufzeit des Tarifabschlusses wird die Inflation nach Prognose etablierter Wirtschaftsinstitute bei 4,5% liegen. Der Abschluss bedeutet also voraussichtlich eine leichte Reallohnsteigerung von 1,3%. Allerdings muss diese auch im Kontext der Reallohnverluste seit 2021 gesehen werden. Der damalige Abschluss erhöhte die Löhne um 2,8%, die Inflation während der Laufzeit lag aber bei über 13%! Es gilt also dasselbe, was wir auch schon in unserer Einschätzung zum letzten TV-L Abschluss festgestellt haben: Die Kaufkraft der Beschäftigten steigt, aber erreicht noch immer nicht das Niveau von 2021. Durch die lange Laufzeit sind wir jetzt bis Februar 2028 auf dieses Ergebnis festgenagelt: Im Vergleich zu 2021 werden die Reallöhne dann voraussichtlich um 2,4% gesunken sein.
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