27/04/2026
Orte, die nicht schweigen dürfen – Erinnerung, die verpflichtet
Vom 24. bis 26. April 2026 fand in Chemnitz der 29. Bundeskongress der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Bundesstiftung Aufarbeitung sowie der SED-Opferbeauftragten beim Deutschen Bundestag statt. Unter dem diesjährigen Leitthema „Orte bleiben. Gedenkstätten und die Zukunft des Erinnerns“ wurde intensiv darüber diskutiert, wie politisch motiviertes Unrecht in der DDR künftig erinnert und vermittelt werden kann.
Im Mittelpunkt standen zwei eindrucksvolle Gedenkstätten: die Gedenkstätte Hoheneck und der Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis.
Hoheneck war zu DDR-Zeiten ein berüchtigtes Frauengefängnis. Neben Frauen, die wegen krimineller Delikte einsaßen, wurden hier über vier Jahrzehnte hinweg Tausende politisch Inhaftierte – vor allem Frauen – unter menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten. Ein Ort, der bis heute erschüttert.
Auch das Kaßberg-Gefängnis steht wie kaum ein anderer Ort für das Unrecht der DDR und die deutsche Teilung: Als zentraler Abwicklungsort des Häftlingsfreikaufs verließen von hier aus mehr als 33.000 politische Gefangene zwischen 1962/63 und 1989 die DDR in Richtung Freiheit. Gleichzeitig war der Komplex Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit, zuvor Ort sowjetischer Geheimpolizei.
Der festliche Auftakt wurde durch hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft gestaltet. Den Abschluss bildete eine Gedenkveranstaltung an der Gedenkstele am Landgericht.
Mit sechs Mitgliedern (Dorit Bause, Dieter und Petra Funke, Jörg Meißner, Gerd Krambehr und Iris Pfaff) war auch Freiheit e.V. vor Ort. Die Begegnungen, Gespräche und Eindrücke haben bewegt und gezeigt, wie wichtig es ist, diese Orte zu bewahren und weiterzuentwickeln.
Der Bundeskongress setzte damit ein deutliches Zeichen: Die Auseinandersetzung mit dem SED-Unrecht bleibt eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe, und die Bedeutung von Gedenkstätten wächst weiter.