10/09/2026
Thüringer Landtag
Zum Tag der offenen Tür im Thüringer Landtag am vergangenen Wochenende war auch ein sehr interessanter architektonischer Ort für die Öffentlichkeit zugänglich: das Büro des Landtagspräsidenten in der 9. Etage des Verwaltungshochhauses (im Volksmund: Eierkiste), das einen atemberaubenden Blick auf die Erfurter Innenstadt zulässt.
Das Verwaltungshochhaus selbst hat eine spannende Architekturgeschichte: Nach der Neugründung Thüringens wurde Erfurt 1948 zur Landeshauptstadt erklärt und benötigte neue Regierungsgebäude. 1950 erhielt der Architekt Egon Hartmann den Auftrag für ein Ministerialdienstgebäude, das auf Wunsch des Ministerpräsidenten als Hochhaus ausgeführt wurde. Das 1950–1951 errichtete Gebäude war das erste Hochhaus der DDR außerhalb Berlins und entstand wegen Materialknappheit überwiegend in Ziegelbauweise. Hartmann verstand die Architektur als „klar“ und „zeitlos“, während sie zugleich den planerischen Staatsanspruch der frühen DDR widerspiegelte. Nach der Fertigstellung wurde das Gebäude jedoch als „formalistisch“, „kosmopolitisch“ und „amerikanistisch“ kritisiert.
Eine Besonderheit war seinerzeit schon die 9. Etage: Dort hatte der Ministerpräsident seinen Sitz, aber es bestand dort auch ein Dachgarten mit offener Galerie. Heute ist die 9. Etage aufgeteilt zwischen dem Büro des Landtagspräsidenten und dem Direktor des Landtages; den Dachgarten gibt es nicht mehr. Im Treppenhaus und aus den Büros selbst hat man einen sehr guten Blick auf die Stadt und die Landschaft des Thüringer Beckens. Während der Landtagspräsident in Richtung Osten immer auch den Glockenturm der Gedenkstätte Buchenwald sieht, gehen die anderen Perspektiven direkt auf die Erfurter Innenstadt mit Blickrichtung Norden. So kann man nicht nur den Flughafen erkennen, sondern bei bester Sicht auch bis in Richtung Thüringer Pforte blicken. Eine tolle Gelegenheit also, die Landeshauptstadt von dieser Perspektive zu erleben...