15/09/2015
Ich habe es nicht geglaubt was ich hier vor ein paar Tagen gelesen habe. Aber es hat sich bewahrheitet.
Ebersbach prescht vor: Auflösung der Haupt- und Werkrealschule
Die Stadt Ebersbach beantragt als erste Kommune im Landkreis die Auflösung ihrer Werkrealschule. Entgegen ursprünglicher Absicht soll die Hardtschule bereits zum Schuljahresende die Pforten schließen.
Ab dem kommenden Schuljahr soll es an der Ebersbacher Hardtschule keine Sekundarstufe mehr geben.
Ab dem kommenden Schuljahr soll es an der Ebersbacher Hardtschule keine Sekundarstufe mehr geben.
"Das Totenglöcklein wird eher geläutet, als wir gedacht haben." Ein Klagelied darüber wollte die Vorsitzende der Ebersbacher SPD-Gemeinderatsfraktion, Ingrid Scherr, nicht anstimmen. "Wir müssen die Fakten so hinnehmen", meinte Scherr. Das Thema, mit dem sich der Ausschuss für Verwaltung und Bürgerschaftliches Engagement am Dienstagabend auseinanderzusetzen hatte, kam nicht unerwartet. Die Hardtschule soll künftig nur noch als Grundschule geführt und die Haupt- und Werkrealschule aufgelöst werden. Überraschend ist aber die Dynamik des Prozesses, wie der Sachgebietsleiter für Schulen, Egon Eisele, feststellte. Denn während andere Kommunen mit ebenfalls in ihrem Bestand gefährdeten Haupt- und Werkrealschulen noch abwarten, soll das Aus für die Sekundarstufe an der Hardtschule bereits zum kommenden Schuljahr kommen.
Entgegen der ursprünglichen Absicht ist die Schulleitung von der Absicht abgerückt, den jetzigen Achtklässlern noch den Hauptschulabschluss in Ebersbach zu ermöglichen. "Für mich ist das völlig unverständlich", sagte Ingrid Scherr. Die Schulleitung habe pädagogische und schulorganisatorische Gründe angeführt, erklärte Hauptamtsleiter Günther Pfeiffer. Gründe, die der stellvertretende Leiter des Staatlichen Schulamts Göppingen, Rainer Kollmer, nachvollziehen kann, wie er am Mittwoch auf Nachfrage unterstrich. Bei nur noch einer Klasse sei die Unterrichtsversorgung nicht mehr gewährleistet. Mit dem Schülerschwund schrumpften auch die Lehrerstunden und damit das Unterrichtsangebot.
Das Schicksal der Hardtschule als weiterführende Schule war schon mit der Schulentwicklungsplanung vor zwei Jahren besiegelt worden. Damals hatte der Gemeinderat entschieden, dass die Haupt- und Werkrealschule in einem zweigliedrigen Schulsystem in der Stadt künftig keine Rolle mehr spielen wird - mit der Folge, dass sich noch weniger Schüler angemeldet haben und es bereits im laufenden Schuljahr keine fünfte Klasse mehr gibt. Für das kommende Schuljahr liegt keine einzige Anmeldung vor und die jetzigen Klassenstufen sechs und sieben mit 19 beziehungsweise neun Schülern werden gemeinsam unterrichtet.
Inzwischen hat die Schulleitung die Eltern informiert und ihnen nahegelegt, ihre Kinder in Schulen umliegender Kommunen zu schicken. Die komplette siebte Klasse habe sich inzwischen an der Faurndauer Haierschule angemeldet, berichtete Eisele. Die Begeisterung bei den Eltern, dass ihre Kinder künftig nicht mehr in Ebersbach unterrichtet werden, hält sich jedoch in Grenzen. "Die Eltern sind stinksauer", sagt Elternvertreterin Sonja Vogl, die gehofft hatte, dass ihre Tochter noch in Ebersbach ihren Hauptschulabschluss machen kann. Neben der Sorge, ob ihre Kinder an den Wunschschulen der Nachbarkommunen aufgenommen werden können, bereiten den Eltern auch die Fahrtkosten Ku**er. "38 Euro für das Schülerticket sind für mich viel Geld", sagt Sonja Vogl. Der Stadt liegt inzwischen eine Unterschriftenliste von Eltern vor, die von der Kommune einen Fahrtkostenzuschuss fordern. Dies hat bereits die SPD als Antrag für die bevorstehende Etatberatung gestellt.
Die Grundschule und die Förderschule an der Hardtschule will die Stadt auch künftig als Ganztagesschulen führen. Indes muss infolge der Auflösung der Sekundarstufe dafür ein neuer Antrag beim Land gestellt werden. Noch sei mit dem Schulamt nicht geklärt, ob der Neuantrag Nachteile für die Schule haben werde, sagte Egon Eisele. Denn die Hardtschule ist als eine der ersten noch besser mit Lehrerstunden ausgestattet als später genehmigte Ganztagesschulen. Für die CDU-Fraktionsvorsitzende Brigitte Kreisinger ist die Ungewissheit schlichtweg ein Ärgernis. "Keiner weiß, wie's weitergeht, das müsste doch klar geregelt sein", konnte sich Kreisinger eine Spitze gegen die Landesregierung nicht verkneifen.