26/05/2026
Hitzerekorde im Mai – und was wir vor Ort tun können
Nein, wir haben noch keinen Hochsommer. Und trotzdem wurden in Teilen Europas bereits Temperaturen gemessen, die eher nach Juli oder August klingen: Großbritannien meldete Ende Mai mit 34,8 °C den heißesten Maitag seit Beginn der Messungen, auch Frankreich verzeichnete außergewöhnliche Mai-Hitze mit zahlreichen Rekorden. In Baden-Württemberg stiegen die Temperaturen ebenfalls früh im Jahr auf hochsommerliche Werte. Gleichzeitig waren die vergangenen Wochen vielerorts zu trocken, und der Deutsche Wetterdienst wies bereits im Mai für Teile Baden-Württembergs eine erhöhte Waldbrandgefahr aus.
Natürlich ist nicht jeder heiße Tag automatisch „der Klimawandel“. Wetter ist kurzfristig, Klima ist langfristig. Aber genau darum geht es: Solche Ereignisse treten inzwischen häufiger, früher und intensiver auf. Das ist kein Bauchgefühl, sondern eine messbare Entwicklung. Baden-Württemberg hat sich seit dem späten 19. Jahrhundert deutlich erwärmt. Mehr Hitze bedeutet mehr Belastung für ältere Menschen, Kinder, Kranke, Tiere, Wälder, Landwirtschaft, Böden und Gewässer.
Auch in Ebersbach ist Klimawandel nichts Abstraktes. Das Hochwasser- und Starkregenereignis Anfang Juni 2024 ist vielen noch sehr präsent. Damals ging es nicht um ferne Klimamodelle, sondern um vollgelaufene Keller, beschädigte Gebäude, überlastete Einsatzkräfte und ganz konkrete Fragen: Wo läuft Wasser bei Starkregen hin? Welche Häuser, Straßen und Einrichtungen sind gefährdet? Wie gut sind wir vorbereitet?
Hitze, Trockenheit und Starkregen gehören zusammen. Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Dadurch steigen einerseits Verdunstung und Trockenstress, andererseits können Niederschläge heftiger ausfallen, wenn sie kommen. Genau deshalb reicht es nicht, nur über Klimaschutz zu sprechen. Wir müssen auch darüber sprechen, wie Ebersbach widerstandsfähiger wird.
Dazu gehören ganz konkrete Maßnahmen: mehr Bäume und Schatten auf Plätzen, Schulhöfen und an Bushaltestellen; weniger versiegelte Flächen; mehr Grünflächen, die Wasser aufnehmen und die Umgebung kühlen; Dach- und Fassadenbegrünung; Trinkwasserstellen an stark genutzten Orten; kühlere Aufenthaltsbereiche für Kinder und ältere Menschen; konsequenter Regenwasserrückhalt; entsiegelte Parkplätze; Schutz von Frischluftschneisen; und eine Bauleitplanung, die Hitze und Starkregen nicht als Randthemen behandelt. Solche Maßnahmen sind keine Symbolpolitik. Sie senken Temperaturen, entlasten die Kanalisation, schützen Gebäude und erhöhen die Lebensqualität.
Beim Hochwasserschutz ist ebenfalls klar: Ebersbach braucht beides – Schutz entlang der Fils und Vorsorge gegen Starkregen aus der Fläche. Nach dem Hochwasser 2024 informierten Regierungspräsidium und Stadt über den Stand der Hochwasserschutzplanung entlang der Fils. Außerdem fördert das Land die Wiederherstellung der Sulpach nach den Unwettern Ende Mai und Anfang Juni 2024 mit 2,18 Millionen Euro. Das zeigt: Vorsorge kostet Geld. Keine Vorsorge kostet am Ende oft mehr.
Nun wird in rechten und klimaskeptischen Kreisen gerade ein neues Scheinargument verbreitet: Das sehr extreme Klimaszenario RCP8.5 werde künftig nicht mehr als Standardszenario verwendet – also sei angeblich alles übertrieben gewesen. Das klingt griffig, ist aber falsch.
Klimaszenarien sind keine Prophezeiungen, sondern Wenn-dann-Rechnungen: Was passiert, wenn die Welt diesen oder jenen Entwicklungspfad einschlägt? RCP8.5 beschrieb einen sehr schlechten Verlauf mit weiter massiv steigenden Emissionen, aufgrund der intensiven Nutzung der Kohle zur Verstromung. Dass dieses Worst-Case-Szenario heute weniger plausibel geworden ist, widerlegt die Klimawissenschaft nicht. Es zeigt eher: Klimaschutz, technischer Fortschritt, günstigere erneuerbare Energien und politische Maßnahmen haben bereits etwas bewirkt. Das ist eine gute Nachricht.
Verschwiegen wird dabei aber meist der zweite Teil: Auch das sehr optimistische Szenario, bei dem die Erwärmung ohne zeitweises Überschreiten bei etwa 1,5 °C gehalten wird, gilt inzwischen als kaum noch realistisch. Die Extreme am oberen und unteren Rand werden also unwahrscheinlicher. Die eigentliche Frage lautet nicht mehr: „Klimawandel ja oder nein?“ Diese Frage ist wissenschaftlich geklärt. Die eigentliche Frage lautet: Wie viel Erwärmung, wie viel Schaden und wie viel Anpassungsdruck nehmen wir noch in Kauf?
Für Ebersbach heißt das: Klimaschutz und Klimaanpassung müssen zusammen gedacht werden. Weniger Treibhausgase durch erneuerbare Energien, Gebäudesanierung, sparsame Wärmeversorgung, gute Rad- und Fußwege, bessere Bus- und Bahnangebote und kurze Wege im Alltag. Gleichzeitig mehr Schutz vor Hitze, Trockenheit und Starkregen durch kluge Stadtplanung, mehr Grün, mehr Schatten, mehr Wasserrückhalt und bessere Vorsorge.
Und auch jede und jeder Einzelne kann etwas beitragen: Flächen im eigenen Garten nicht unnötig versiegeln, Regenwasser sammeln, Bäume und Sträucher pflanzen, Keller und Lichtschächte gegen Starkregen sichern, bei Hitze auf Nachbarinnen und Nachbarn achten, Wasserstellen für Tiere an schattigen Plätzen aufstellen und die Starkregengefahrenkarten der Stadt nutzen, um das eigene Risiko besser einzuschätzen.
Aber klar ist auch: Eine Wasserschale für Igel ersetzt keine Klimapolitik. Sie ist eine kleine menschliche Geste in einer Lage, die politisches Handeln braucht.
Klimaschutz ist Menschenschutz. Klimaanpassung auch. Gerade hier bei uns in Ebersbach.
Thorsten Just für den OV Ebersbach von Bündnis90/Die Grünen