Eine Initiative des Netzwerkes ostmodern.org --> www.facebook.com/ostmodern.org/ Der freundliche, leichte Pavillon mit kühner Wellen-Dachkonstruktion war jahrzehntelang ein Besuchermagnet. 2017 war das Jahr, in dem diese Ära endete. Nachdem die bisherigen Betreiberinnen in den Ruhestand gingen, möchte der Zoo einen Neubau errichten und eine erweiterte Gastronomie mit neuem Betreiber anbieten. Wir
möchten hier Erinnerungen der Zoobesucher sammeln, und auch nach vorne blicken. Nach starkem Einsatz der Initiative ostmodern.org und verschiedener Stadtratsfraktionen konnte die Montagekonstruktion sorgsam abgebaut und ins Lapidarium der Stadt Dresden eingelagert werden. Nun kommt es darauf an, einen Investor zu finden, der es an anderer Stelle wieder errichten möchte und so dem Pavillon sein drittes Leben ermöglicht. Denn vor seiner Zookarriere hatte der Pavillon schon ein kurzes Berliner Dasein. Er wurde 1969 als Boulevardcafé für die Leistungsschau zur 20-Jahrfeier der DDR "Kämpfer und Sieger" an der Karl-Marx-Allee errichtet. Diese Seite soll dem kleinen Bau ein Denkmal setzen - auch und gerade, weil er in der offiziellen Lesart des zuständigen Landesamtes KEINEN Denkmalwert hat... Wir stufen den Bau aufgrund seiner leichten, beschwingt-futuristischen Formensprache, der pavillonartigen Gestaltung, seiner Materialität und der zugehörigen Umfeldgestaltung als ein schützenswertes Kleinod ein, dass im Stadtgebiet seinesgleichen sucht. Auch in der Überschau im gesamten Osten Deutschlands muss man leider feststellen, dass gerade Bauten dieses Typs (vergleichbar etwa mit dem "Mokka-Sternchen" in Cottbus) zu den frühen Verlusten und besonders leichtfertig geopferten Bauwerken gehörten, so dass heute kaum noch authentische Beispiele zu finden sind. Damit kommt aus unserer Sicht dem Pinguin-Café sogar eine Bedeutung zu, die über die Grenzen Dresdens hinaus verweist. Der Bau ist eine quadratische, dreiachsige, eingeschossige, nicht unterkellerte Konstruktion mit stählernem Tragrahmen. Die Fassade ist durch stählerne Rahmenelemente gegliedert, die im Besucherbereich vollflächig verglast sind, in den anderen Bereichen sind sie überwiegend mit wärmedämmenden Leichtbauelementen ausgefacht, abgesehen von einem unter der Decke liegenden umlaufenden Fensterband. Im Inneren waren die meisten Einbauten wie Raumteiler, Zwischendecke und Lampen sowie der Fußboden noch bauzeitlich erhalten, das gleiche galt für die umgebende Freiflächengestaltung im Dresdner Zoo. Nun ist von dem Pavillon nur noch das stählerne Traggerüst übrig. Entworfen wurde die Montage-Konstruktion vom Architekten Erich Lippmann (BDA, 1906-1969), Berlin, die Ausführung des Tragwerks lag in den Händen des VEB Stahlhochbau Eberswalde. Über die Berliner Zeit wissen wir leider noch recht wenig, für den Wiederaufbau in Dresden sind die Dokumente etwas beredter. Von der Idee bis zur Eröffnung vergingen 1,5 Jahre; die Errichtung hier war „ein Gemeinschaftswerk des VE Gaststätten- und Hotelbetriebs, des Zookollektivs und zahlreichen Bau- und Handwerksbetrieben“ (SNN 12.7.73). Das Haus wurde baulich für die neue Aufgabe angepasst, ("Anpassung für 'zootypische Gastronomie' ", SZ 15.7.73), verantwortlich für Entwurf war das "Büro für Rationalisierung der Bezirksdirektion des volkseigenen Einzelhandels". Seitens des Zoos übernahm die Projektleitung der Architekt Klaus Tempel, er war Technischer Direktor im Dresdner Zoo bis 1973. Die Eröffnung wurde am 14.7.1973 gefeiert. Das Haus war mit "modernen Einrichtungen und Aggregaten aus der DDR, CSSR und Ungarn" ausgestattet (SZ 23.6.73), es verfügte zu der Zeit über 36 Innenplätze + 10 Barhocker, eine Kassettendecke; einen 20-Meter Wandfries des Diplomgrafikers Gerhard Papstein, welcher Pinguine in der Eislandschaft der Antarktis zeigte; eine Aluminiumarbeit von Helmut Schmitt als Raumteiler; eine mit Schaumstoff abgepolsterte Bar... Im Außenbereich warteten 120-200 Gästeplätze, weiß lackierte Stahlrohrmöbel mit rotem Schaumleder, "traubenartige Kugellampen" sowie ein Laubengang zu neugebauter Toilette (zeitgenössische Zeitungsberichte). Zu den Gründen, warum sich der Zoo eine Sanierung des Baus nicht vorstellen konnte, erfuhren wir vom Zoodirektor unter anderem, dass die Raumaufteilung ungünstig sei, da mehr als die Hälfte der Gesamtfläche für nicht-öffentliche Betriebsräume genutzt wird und somit als Gastraum fehlt. Das stimmt zwar, hätte sich aus unserer Sicht aber lösen lassen, indem ein Funktionsbau im direkt angrenzenden Wirtschaftshof errichtet würde und das Pinguincafé somit auf der kompletten Fläche für den Gastbetrieb genutzt werden könnte. Auch sei ein ganzjähriger Betrieb gewünscht (bisher nur Saisonbetrieb), und das Gebäude verfüge bisher über keine Heizmöglichkeit. Auch hier stellt sich die Frage, warum im Zuge der Sanierung der Einbau einer Heizung und die entsprechende Wärmeschutzverglasung nicht möglich gewesen wären?