14/11/2025
Vom Misthaufen zum Mittelpunkt der Gemeinschaft - Die Freiwillige Feuerwehr Dohma hat ihr neues Gerätehaus bezogen – ein Bau mit Geschichte, Herz und Zukunft.
Mit Stolz, Erleichterung und einer guten Portion Heimatgefühl hat die Freiwillige Feuerwehr Dohma ihr neues Gerätehaus bezogen. Nach drei Jahren Bauzeit können die Kameradinnen und Kameraden endlich in moderne und funktionale Räume einziehen – ein lang ersehnter Schritt für die traditionsreiche Wehr, die seit 1910 besteht.
Dort, wo früher eine alte Scheune und ein Wohnhaus standen, erhebt sich heute ein Bau, der die Geschichte des Ortes fortschreibt. „Früher lag hier der Misthaufen zwischen Scheune und Wohnhaus“, erinnerte Ortswehrleiter Dirk Kühnel schmunzelnd bei der Eröffnung am Feiertag. „Heute ist es das Zuhause unserer Feuerwehr – sauber, modern und ein bisschen auch das Herzstück von Dohma.“
Das neue Gebäude bietet Platz für zwei Einsatzfahrzeuge, verfügt über getrennte Umkleiden für Männer und Frauen, eine Schwarz-Weiß-Trennung, moderne Sanitärräume und ein eigenes Büro. Nur die Außenanlagen sind noch nicht ganz fertig – ein Detail, das Bürgermeister Matthias Heinemann gelassen sieht: „Das Wichtigste ist, dass die Kameradinnen und Kameraden jetzt ein funktionales Zuhause haben. Der Rest folgt.“
Rund drei Millionen Euro hat die Gemeinde in das Projekt investiert, davon 180.000 Euro an Fördermitteln des Landratsamtes. Den Löwenanteil stemmte die Kommune selbst. Heinemann erinnerte in seiner Ansprache daran, wie klein die Feuerwehr einst war: „Als ich 2014 Bürgermeister wurde, stand hier eine Abteilung mit alter Technik. Heute übergeben wir ein modernes Gerätehaus – das ist ein großer Tag für Dohma.“
Trotz Materialengpässen, steigender Preise und schwierigen Baugrunds sei das Projekt nie ins Wanken geraten. „Einfach geht manchmal anders“, so der Bürgermeister augenzwinkernd. Besonders dankte er seinem Stellvertreter Roland Häcker, der während seiner Krankheit die Baustelle betreute, und allen Feuerwehrleuten, „die ihre Freizeit geopfert haben, um dieses Haus zu einem Ort mit Seele zu machen.“
Ein symbolischer Moment: Der alte Schlüssel öffnet ein neues Kapitel
Ein besonders bewegender Moment der Einweihung war die symbolische Schlüsselübergabe. Dabei überreichte Heinz Schelzig (77) aus der Alters- und Ehrenabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Dohma den Schlüssel des ehemaligen Spritzenhauses – dem allerersten Feuerwehrgebäude des Ortes.
Schelzig, seit Mai 1969 Mitglied der Feuerwehr, hatte den Schlüssel all die Jahre sorgfältig aufgehoben. „Ich war damals Maschinist, da hatte ich eben den Schlüssel“, erzählte er mit einem Lächeln. Ursprünglich hing dieser in der alten Schmiede, direkt neben dem Spritzenhaus. Das Gebäude selbst wurde 1991 abgerissen, nachdem die Feuerwehr bereits 1986 in das Gerätehaus hinter der ehemaligen Schule – dem heutigen Gemeindehaus – umgezogen war.
„Das alte Schloss gibt es nicht mehr, aber den Schlüssel schon“, sagte Schelzig, bevor er ihn feierlich an Ortswehrleiter Dirk Kühnel übergab. Damit schloss sich ein Kreis: Der Schlüssel aus der Anfangszeit der Dohmaer Feuerwehr fand seinen Platz in der neuen Heimat der Wehr – als Zeichen von Tradition und Zusammenhalt.
Sechs Tore, viele Erinnerungen – ein Stück Feuerwehrgeschichte
Auch Ortswehrleiter Kühnel blickte in seiner lebendigen Rede auf bewegte Jahrzehnte zurück. Unter großem Applaus erzählte er von den „sechs Toren“, die er in 37 Jahren Feuerwehrleben in Dohma durchschritten hat – vom ersten Spritzenhaus im Steinsägeweg zu den modernen roten Toren des neuen Gebäudes. „Jedes Tor erzählt seine eigene Geschichte“, sagte er. „Von Improvisation, Zusammenhalt und ganz viel Herzblut.“
Ein besonderes Dankeschön richtete er an Holger Jehmlich, der die Wehr einst mit neuen Ideen, Ausbildung und der Gründung der Jugendfeuerwehr 2017 voranbrachte. „Einer allein macht keine Feuerwehr – wir ziehen alle gemeinsam“, betonte Kühnel.
Zur Einweihung kamen auch benachbarte und befreundete Feuerwehren und auch die DLRG "Obere Elbe" Pirna.
Heute zählt die Feuerwehr Dohma 25 aktive Kameraden in Dohma, darunter zwei Frauen, sowie 12 Mitglieder in Cotta A. Die Jugendfeuerwehr ist mit 22 Jugendlichen stark besetzt – ein Beweis, dass die Nachwuchsarbeit funktioniert.
Das neue Gerätehaus ist für viele nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern ein Symbol für Zusammenhalt. „Hier wird nicht nur Technik untergestellt“, meinte ein Feuerwehrmann beim anschließenden Rundgang, „hier wächst Gemeinschaft.“
Als am Ende die Gläser erhoben wurden und Bürgermeister Heinemann wünschte, „dass alle, die zu einem Einsatz ausrücken, stets gesund zurückkehren“, war spürbar, dass dieses Gebäude mehr ist als Beton und Stahl. Es ist ein Ort, an dem Engagement und Kameradschaft zuhause sind.
Oder, wie es Dirk Kühnel trocken zusammenfasste: „Von Tor eins bis sechs – das war ein langer Weg. Aber jetzt passt’s endlich!“
Fotos: Marko Förster
31.10.2025 ©️ Marko Förster