09/05/2026
Wir kritisieren den Bürgermeisterkandidaten Herrn Lier für seine Äußerungen und fordern ihn auf zurückzutreten!
Pressemitteilung zum AFD-Bürgermeisterkandidaten für Weyhe:
Kritik an menschenverachtenden Positionen
Breites Bündnis verurteilt Bürgermeister-Kandidatur der AfD
Am 13. April stellte der Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Diepholz, Andreas Iloff, auf der
wöchentlichen AfD-Demonstration in Bassum den Unternehmer Dennis Lier als Bürgermeister-
Kandidaten der AfD für Weyhe vor. Das Bündnis "Wir sind mehr! Landkreis Diepholz", dem
zahlreiche Einzelgruppen zugehörig sind, zeigt sich angesichts dieser Kandidatur bestürzt. Das
Bündnis erklärt hierzu: Die AfD ist eine extrem rechte Partei. Sie propagiert rassistische und
unsoziale Positionen. Entgegen ihres Selbstbildes legt sie sich nicht mit den ‚Starken und
Mächtigen‘ an, sondern beabsichtigt, gezielt die Rechte von Schutzsuchenden, von nicht
heterosexuell Lebenden und Arbeitnehmer:innen zu beschneiden. In den Parlamenten votiert die
AfD allzu oft im Sinne einer Umverteilung von unten nach oben, aktuell etwa für die Abschaffung
der Vermögenssteuer, anstatt im Sinne der wirtschaftlichen Interessen eines großen Teils ihrer
Wählerschaft. Auch steht sie nur zum Schein für freie Rede ein, vielmehr geht es ihr um Hetze
gegen Andersgesinnte, gegen Feminismus, Antifaschismus und alles im weitesten Sinne Linke.
Zahlreiche Vertreter:innen der AfD betreiben NS-Verharmlosung oder setzen gar positive Bezüge
zum Nationalsozialismus.
"Viele Positionen der AfD sind mit einem christlichen Verständnis unseres gesellschaftlichen
Zusammenlebens nicht vereinbar. Denn wo Nationalismus und Rassismus gedeihen, gehen
Menschlichkeit und Empathie als die Grundpfeiler unserer Demokratie verloren. Deshalb werden
alle Hoffnungen, die Menschen vielleicht mit der Wahl der AfD verbinden, mit Sicherheit zu
Enttäuschungen, womöglich zu einem bitteren Erwachen führen!" sagte dazu Gerald Meier, Pastor
in Weyhe und Mitglied des Sprecher*innenrates vom Runden Tisch gegen Rechts Weyhe.
In Weyhe beteiligte sich die AfD 2018 an der rechten Instrumentalisierung des Todesfalls Daniel S.,
die zuvor bereits zu mehreren Neonazi-Aufmärschen in der Gemeinde geführt hatte. Die
Kreiszeitung berichtete damals von den Zuwanderungs-feindlichen Generalisierungen auf der
Weyher AfD-Kundgebung (siehe dazu die damaligen Berichte der Kreiszeitung, u.a.: https://www.kreiszeitung.de/lokales/
diepholz/weyhe-ort54198/kirchweyhe-jahrestag-gedenken-daniel-verlaeuft-friedlich-9683481.html ).
An einem Autokorso der AfD durch Weyhe soll sich 2024 ein Streamer beteiligt haben, der zuvor
öffentlich auf TikTok mit Begleitern darüber fachsimpelte, welches Schusswaffenkaliber das
geeignetste zur "Jagd" auf "Antifanten" (gemeint war antifaschistischer Gegenprotest) wäre. Das
Bündnis berichtete damals in mehreren Artikel auf seiner Homepage ausführlicher darüber (siehe
z.B.: https://wsmdh.de/autokorso-mit-gewaltfantasien/ oder https://wsmdh.de/uniformmangel-beim-antifanten-jagdverein/ )
Eklat um Verbreitung eines antisemitischen Videos
Der Weyher AfD-Bürgermeisterkandidat Lier derweil verbreitet 1 bei Instagram öffentlich ein Video als Repost, in dem ein offenbar antisemitischer Verschwörungsgläubiger wirr von (Zitat!)
"DeutschJUDEN, die mit richtig Patte, mit den Connections, mit den Verbindungen in die Obrigkeit"
fantasiert (vom Account Dennis Lier / dennisbremen gerepostetes Video des Accounts "harechistie" vom 25.02.2026 mit der
Thumbnail-Beschriftung "Rette sich wer kann!", Stand 04.05.2026 teilt Lier das Video weiterhin als Repost auf seinem öffentlichen
Account). "Das Video ist eindeutig in übelster Form antisemitisch und volksverhetzend. Es ist
unglaublich, dass ein Bürgermeisterkandidat so etwas [re]postet." antwortete der
Niedersächsische Landesbeauftragte gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens
Prof. Dr. Gerhard Wegner auf eine Bitte um Einordnung.
Im Hinblick auf die durch und durch verstörende öffentliche Verbreitung eines Videos mit zutiefst
antisemitischen Inhalten durch den Bürgermeister-Kandidaten Lier fordert das Bündnis "Wir sind
mehr! Landkreis Diepholz" sowohl eine Erklärung als auch eine öffentliche Entschuldigung sowie
die umgehende Entfernung des Reposts. Sollte letztere nicht erfolgen, legt das Bündnis angesichts
der fraglichen demokratischen Integrität des Kandidaten einen baldigen Rückzug der Kandidatur
nahe.
Aktuelle Studien wie das neue Lagebild des Zentralrats der Juden, erschienen am 1. Mai 2026,
zeigen einen ‚explosionsartigen Anstieg des Antisemitismus‘. Die Ausdehnung antisemitischer
Narrative im Netz ist alles andere als harmlos, sie ist in diesen Zeiten brandgefährlich. Umso
erschreckender, wenn die Mit-Verbreitung von jemandem herrührt, der das Ziel verfolgt, in naher
Zukunft aktiv in der Kommunalpolitik zu wirken. Wer als aufrichtiger Demokrat antritt, dem
unterlaufen derartige Entgleisungen für gewöhnlich nicht.
Rede von Holocaustleugnerin
Doch damit scheinbar nicht genug: Der Weyher AfD-Bürgermeisterkandidat Lier verbreitet bei
Instagram zudem öffentlich ein Video als Repost, in dem Ausschnitte einer Rede der prominenten,
mehrfach verurteilten Holocaustleugnerin und nationalsozialistischen Aktivistin Ursula Haverbeck
zu sehen und hören sind (vom Account Dennis Lier / dennisbremen gerepostetes Video des Accounts "danielwoerner.de"
vom 23.04.2026 mit der Thumbnail-Beschriftung "Darum sind die Deutschen zu mächtig", Stand 04.05.2026 teilt Lier das Video
weiterhin als Repost auf seinem öffentlichen Account).
Selbst falls Lier die Inhalte aus purer Unwissenheit teilt (angesichts weiterer kaum weniger
brisanter, als Repost geteilter Inhalte eher unwahrscheinlich), so ist doch unzweifelhaft
festzuhalten: Das öffentliche Verbreiten derartiger Videos spricht Bände über das demokratische
Verantwortungsbewusstsein eines ambitionierten Kandidaten.
Das Bündnis "Wir sind mehr! Landkreis Diepholz" fordert ausdrücklich: Kein Platz in Weyhe für die
menschenverachtenden Positionen der AfD!
Wir sind mehr! - Bündnis im Landkreis Diepholz n.e.V.
Foto: Eigenfoto WSM