09/05/2024
15.05. - 18 Uhr - S1|03 223
Das Selbstbestimmunsgesetz wird ab November diesen Jahres das Transsexuellengesetz ablösen. Damit entfallen in Zukunft pathologisierende Begutachtungen für die Änderung von Vornamen und registriertem Geschlecht. Allerdings wurde eine historisch und global einzigartige Vielzahl repressiver Maßnahmen in das Gesetz der Bundesregierung integriert. Diese verhindern die Änderung entweder ganz, in Form einer Abschiebeerleichterungsklausel, oder teilweise, in Form der Etablierung eines Militärgeschlechts. Oder aber sie invalidieren das nach Änderung registrierte Geschlecht, etwa durch Instruktionen, unter welchen Vorwänden Unternehmer*innen trans Frauen von Frauenparkplätzen verweisen können.
Juliana Franke (Unruly Juli auf Youtube), die als Mitglied des Bündnisses Selbstbestimmung Selbst Gemacht Mitverfasserin eines alternativen Gesetzesentwurfes zum Selbstbestimmungsgesetz der Regierung ist, spricht über diese hochproblematischen Aspekte des kommenden Gesetzes. Juliana betrachtet sie dabei nicht isoliert, sondern in Hinsicht auf ihr Zusammenwirken untereinander sowie mit etablierten gesellschaftlichen Normen, anderen Gesetzen und einem durch kapitalistisches Privateigentum strukturierten öffentlichen Raum. Auch trans Gesundheitsversorgung, die die Bundesregierung in ihrem Gesetz bewusst ausklammert, wird thematisiert. Denn während der Untätigkeit der Regierung hat das Bundessozialgericht ein Urteil gesprochen, das diese Gesundheitsversorgung grundsätzlich infrage stellt und weitestgehend beenden könnte.
Der Vortrag soll ein grundlegendes Verständnis dafür vermitteln, wie das Selbstbestimmungsgesetz Geschlechtszwang sowie rassistische und militaristische Politik gegen die gleichen Menschen durchsetzt, die jahrzehntelang durch das Transsexuellengesetz unterdrückt und erniedrigt wurden. Und er zeigt Strategien auf, sich dagegen zu wehren und tatsächliche Geschlechtsmündigkeit, sowohl formell als auch materiell umzusetzen. Nach dem Vortrag findet eine Diskussion über diese Strategien statt.