25/08/2026
Statement der beiden Vorsitzenden Annette Hülser und Peter Müller der Arbeitsgemeinschaft für Arbeit (AfA) NRW zum Ausbildungsreport 2026 des DGB
Der Ausbildungsreport 2026 des DGB macht deutlich: Gute Ausbildung ist eine zentrale Voraussetzung für gute Arbeit, sichere berufliche Perspektiven und die Fachkräftesicherung. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass bei den Ausbildungsbedingungen weiterhin erheblicher Handlungsbedarf besteht.
Besonders alarmierend ist der Blick auf die mentale Gesundheit junger Menschen. Mehr als die Hälfte der Auszubildenden fühlt sich durch mindestens einen Bereich ihrer Arbeitsbedingungen stark oder sehr stark belastet. Leistungs- und Zeitdruck, Personalmangel und Verantwortungsdruck gehören zu den wichtigsten Belastungsfaktoren. Bei hoch belasteten Auszubildenden denken fast die Hälfte regelmäßig über einen Ausbildungsabbruch nach.
Annette Hülser:
„Mentale Gesundheit darf nicht als individuelles Problem der jungen Menschen betrachtet werden. Wenn Auszubildende unter Zeitdruck, Personalmangel, fehlender Betreuung und finanziellen Sorgen leiden, dann sind das auch Fragen guter Arbeits- und Ausbildungsbedingungen. Wer junge Menschen für eine berufliche Ausbildung gewinnen und dauerhaft im Arbeitsleben halten will, muss ihnen Respekt, Sicherheit und verlässliche Unterstützung bieten.“
Auch die Entwicklung der Ausbildungszufriedenheit ist ein deutliches Warnsignal. Mit 65,7 Prozent erreicht sie den niedrigsten Wert seit Beginn der Erhebungen. Gleichzeitig müssen 16,3 Prozent der Auszubildenden immer oder häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen.
Peter Müller:
„Es kann nicht der Anspruch einer modernen Arbeitsgesellschaft sein, dass Auszubildende als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden oder ihre Ausbildung neben dem eigentlichen Arbeitsalltag irgendwie bewältigen müssen. Ausbildung muss Ausbildung bleiben. Dazu gehört eine qualifizierte fachliche Anleitung, ausreichende Zeit zum Lernen und Erholen, die Einhaltung von Arbeitszeiten und eine angemessene Vergütung.“
Die Ergebnisse zeigen zugleich, dass gute Ausbildungsbedingungen einen konkreten Unterschied machen. Wo Ausbilderinnen und Ausbilder zuverlässig erreichbar sind und die fachliche Ausbildungsqualität stimmt, ist die psychische Belastung deutlich geringer. Auch eine Jugend- und Auszubildendenvertretung geht mit besseren Rahmenbedingungen einher.
Für die AfA NRW folgt daraus: Mitbestimmung, gute Arbeitsbedingungen und eine starke Interessenvertretung sind keine Nebensachen, sondern Bestandteile einer erfolgreichen Ausbildungspolitik. Betriebsräte, Personalräte und Jugend- und Auszubildendenvertretungen müssen junge Beschäftigte wirksam unterstützen können.
„Gerade mit Blick auf den zunehmenden Fachkräftebedarf muss die Politik dafür sorgen, dass Ausbildung wieder verlässlich Perspektiven eröffnet“, erklären Hülser und Müller. „Dazu gehören ausreichend Ausbildungsplätze, eine angemessene Ausbildungsvergütung, bezahlbarer Wohnraum, gute Mobilität und eine sichere Perspektive nach dem erfolgreichen Abschluss.“
Der DGB fordert unter anderem eine flächendeckende, umlagefinanzierte Ausbildungsgarantie, eine höhere Mindestausbildungsvergütung, bessere Mobilitätsangebote, mehr Mitbestimmung und die verbindliche Erfassung von Arbeits- und Ausbildungszeiten.
Hülser und Müller:
„Wer über Fachkräftemangel spricht, muss auch über die Qualität der Ausbildung sprechen. Junge Menschen brauchen keine Sonntagsreden über ihre Bedeutung für die Zukunft – sie brauchen gute Ausbildungsplätze, faire Bedingungen und eine echte berufliche Perspektive. Dafür muss die Politik ebenso Verantwortung übernehmen wie die Arbeitgeber. Gute Ausbildung ist eine Investition in die Zukunft unseres Landes und in gute Arbeit.“