07/12/2025
💠 𝕁𝕒𝕙𝕣𝕖𝕤𝕣𝕦̈𝕔𝕜𝕓𝕝𝕚𝕔𝕜 2️⃣0️⃣2️⃣5️⃣
𝔻𝕖𝕣 𝕋𝕣𝕚𝕦𝕞𝕡𝕙 𝕕𝕖𝕣 𝕍𝕖𝕣𝕟𝕦𝕟𝕗𝕥 (𝕠𝕕𝕖𝕣 𝕤𝕠 𝕒̈𝕙𝕟𝕝𝕚𝕔𝕙)
Von Peter Ries
Willkommen zum Rückblick auf das Jahr 2025, das Jahr, in dem wir alle gelernt haben, dass Stabilität die aufregendste Form des Chaos ist. Wir haben die großen Herausforderungen der Welt nicht nur ignoriert, sondern sie zu unseren besten Freunden erklärt.
🔸️𝗣𝗼𝗹𝗶𝘁𝗶𝗸: 𝗗𝗲𝗿 𝗔𝘂𝗳𝘀𝘁𝗮𝗻𝗱 𝗱𝗲𝗿 𝗡𝗼𝗿𝗺𝗮𝗹𝗶𝘁𝗮̈𝘁
In den USA war die Rückkehr von Lügenbaron Donald Trump als Präsident so sanft und unaufgeregt wie eine Achterbahnfahrt auf dem Mount Everest. Die versprochene Mauer wurde endlich fertiggestellt - allerdings nicht aus Beton, sondern als ein 3.000 Kilometer langer, solarbetriebener LED-Bildschirm, der 24/7 die besten Clips seiner Amtszeit abspielt. Wirtschaftlich lief es blendend: Die Inflation wurde besiegt, indem die Regierung einfach verkündete, dass hohe Preise ein Zeichen für "luxuriösen Wohlstand" seien. Das internationale Ansehen der USA war so hoch, dass man es von der Erde aus sehen konnte. Also, fast.
🔸️𝗗𝗶𝗲 𝗹𝗲𝗲𝗿𝗲𝗻 𝗩𝗲𝗿𝘀𝗽𝗿𝗲𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗯𝗹𝘂̈𝗵𝗲𝗻: 𝗕𝗲𝗿𝗹𝗶𝗻 𝘂𝗻𝗱 𝗕𝗿𝘂̈𝘀𝘀𝗲𝗹
In Deutschland feierte Kanzler Merz den "Aufbruch der Mitte" mit der Ankündigung, dass die Wirtschaft 2026 wieder wachsen würde, solange wir alle fest daran glauben. Die Erfüllung seiner zentralen Wahlversprechen war spektakulär: Er versprach, die Bürokratie zu bekämpfen, und prompt wurde ein neues Bundesamt für "Bürokratie- Reduktion- Überwachung" gegründet.
Der Koalitionspartner "Die Grünen", rettete derweil das Klima mit dem verpflichtenden "Veggie-Donnerstag" in allen Amtsstuben. Der Ausbau der Windkraft scheiterte zwar an der neuen Bundesvorschrift, dass die Anlagen nicht höher sein dürfen als der kleinste Gartenzwerg im Umkreis von 5 Kilometern, aber moralisch waren wir ganz vorne.
🔸️𝗦𝗸𝗮𝗻𝗱𝗮𝗹𝗯𝗲𝘄𝗮̈𝗹𝘁𝗶𝗴𝘂𝗻𝗴, 𝗔𝗯𝘄𝗲𝗵𝗿 𝘂𝗻𝗱 𝗕𝘂̈𝗿𝗴𝗲𝗿𝗴𝗲𝗹𝗱:
Das Ermittlungsverfahren zum undurchsichtigen Maskengeschäft des ehemaligen Gesundheitsministers wurde 2025 offiziell eingestellt. Begründung: Die juristische Komplexität sei so hoch gewesen, dass die Akten nunmehr als immaterielles Kulturerbe gelten und nicht angetastet werden dürfen. Problem gelöst!
Ein großer Triumph deutscher Ingenieurskunst zeigte sich jedoch beim Bürgergeld. Die Politik schaffte es, das heilige Recht auf ungestrafte Arbeitsverweigerung erfolgreich zu verteidigen. Dank übermächtiger Bürokratie scheiterten alle Sanktionen, und die "Leistungs-Minimalisten" können nun weiterhin ungestört die staatlich finanzierte Muße genießen, während sie ihre Netflix-Empfehlungen aktualisieren. Ein leuchtendes Beispiel dafür, dass der Staat Probleme auch auf lange Sicht verwalten kann.
Die Bundeswehr sicherte sich derweil ihren Nachwuchs durch die revolutionäre Taktik, Rekruten nicht mit Idealismus, sondern mit der Subventionierung des Pkw-Führerscheins zu locken. Denn nichts schreckt den Feind im Ernstfall mehr ab als ein perfekt eingeparktes Militärfahrzeug, während man auf den öffentlichen Nahverkehr wartet.
In Europa verbrachten wir den Rest des Jahres damit, uns kollektiv darauf zu einigen, dass wir uns bei nichts einig sind. Die größten EU-Gipfel endeten mit der bahnbrechenden Entscheidung, die Sitzordnung zu ändern. Putin hingegen lieferte eine Meisterleistung der geopolitischen Stasis: Das große globale Konfliktgebiet befand sich 2025 in einer Art meditativem Schwebezustand. Nichts bewegte sich, niemand gewann, aber alle bekamen regelmäßig Updates über Telegram. Es war der Beweis, dass eine echte Patt-Situation auch eine Form des Friedens ist.
🔸️𝗞𝗹𝗶𝗺𝗮: 𝗗𝗶𝗲 𝗴𝗿𝗼ß𝗲 𝗔𝗯𝗸𝘂̈𝗵𝗹𝘂𝗻𝗴 (𝗱𝗲𝗿 𝗗𝗲𝗯𝗮𝘁𝘁𝗲)
Das Klima war 2025 der eigentliche Star. Nach dem heißesten Sommer in der Geschichte der Menschheit, der uns Rekordtemperaturen von nur 45 Grad bescherte, verkündeten die führenden Köpfe der Welt den Triumph der Anpassung. Wir haben das Klima nicht gerettet, aber wir haben gelernt, uns fantastisch anzuziehen, während wir schmelzen.
Die Umweltschutzbewegung feierte ihren größten Sieg: Die weltweite Umstellung von Plastikstrohhalmen auf essbare Plastikstrohhalme. Problem gelöst! Gleichzeitig wurden die schmelzenden Gletscher offiziell als "erweiterte Wasserstraßen für Luxus-Kreuzfahrtschiffe" umgewidmet. Ein Win-Win für die Wirtschaft und die Umwelt. Wer braucht schon Eis, wenn man eine bessere Aussicht hat?
🔸️𝗚𝗲𝘀𝗲𝗹𝗹𝘀𝗰𝗵𝗮𝗳𝘁 & 𝗧𝗲𝗰𝗵𝗻𝗼𝗹𝗼𝗴𝗶𝗲: 𝗘𝗻𝗱𝗹𝗶𝗰𝗵 𝗲𝗵𝗿𝗹𝗶𝗰𝗵
Die Technologie lieferte den perfekten Soundtrack zum Wahnsinn. Der neue Social-Media-Trend war die "Authentizitäts-Challenge", bei der Nutzer posteten, wie glücklich sie wirklich waren - was natürlich zu einem globalen Wettbewerb im passiv-aggressiven Glücklichsein führte.
Zum wiederholten Male feierten Millionen von Menschen die ergebnislose Forderung nach der Abschaffung der Zeitumstellung.
Die EU-Kommission versprach, das Thema nun "mit der gebotenen Eile" in der nächsten Dekade zu prüfen, während alle pünktlich im März eine Stunde Lebenszeit verloren und im Oktober wiederfanden - was beides gleichermaßen als sinnlos empfunden wurde.
🔸️𝗔𝗿𝗺, 𝗿𝗲𝗶𝗰𝗵 𝗱𝗲𝗸𝗮𝗱𝗲𝗻𝘁
Armut als Prime-Time-Hit
Kulturell erlebten wir den Zenith der Gesellschaftsanalyse. Sendungen wie Armes Deutschland und Hartz Rot Gold erreichten Rekordquoten, weil sie uns jeden Abend auf faszinierende Weise bewiesen, dass Armut ein zutiefst unterhaltsamer Lebensstil ist, solange man ihn nur lang genug filmt. Parallel dazu boten Die Geissens, die wohlhabendste Komikerfamilie des Planeten, den nötigen Kontrast: Sie bewiesen täglich, dass Reichtum die höchste Form der Performance-Kunst ist, die keine tatsächlichen Witze erfordert - nur Yachten und goldene Wasserhähne.
🔸️𝗥𝗲𝘁𝘁𝗲𝗿 𝗱𝗲𝗿 𝗟𝗮𝗻𝗴𝗲𝘄𝗲𝗶𝗹𝗲
Und natürlich: Elon Musk. Das Jahr begann damit, dass er Twitter, pardon, X, in 'X Æ A-12' umbenannte, nur um es zwei Wochen später wieder in 'The Good Old Days App' zurückzubenennen. Sein größter Coup war die erfolgreiche Entsendung eines Tesla Cybertrucks zum Mars, beladen mit 10.000 Flaschen seines eigenen Energy-Drinks. Der Cybertruck landete perfekt, lieferte die Ladung ab und sendete ein letztes Lebenszeichen: "Battery Low." Er bewies damit einmal mehr, dass die Lösung für ein Problem, das niemand hat, stets ein Raketenstart ist.
Der heimliche Gewinner des Jahres war jedoch der KI-Ohrhörer. Er lieferte jedem Träger eine personalisierte, auf seine Ängste zugeschnittene Verschwörungstheorie in Echtzeit. Die Menschheit war nie zuvor so gut informiert und so herrlich verunsichert.
Am Ende war 2025 das Jahr, in dem wir erkannten, dass die größte Bedrohung nicht die globale Erwärmung oder der Krieg ist, sondern die unaufhaltsame Flut mittelmäßiger Berichterstattungen und Nachrichten, die wir alle so sehr lieben und natürlich auch wegen der zahlreich - mittelmäßigen Protagonisten.
𝗗𝗶𝗲 𝗛𝗼𝗳𝗳𝗻𝘂𝗻𝗴 𝗮𝘂𝗳 𝗲𝗶𝗻 𝗯𝗲𝘀𝘀𝗲𝗿𝗲𝘀 𝗝𝗮𝗵𝗿 𝘀𝘁𝗶𝗿𝗯𝘁 𝘇𝘂𝗹𝗲𝘁𝘇𝘁 𝗲𝘁𝘄𝗮 𝘀𝗼 𝗴𝗲𝗴𝗲𝗻 𝗘𝗻𝗱𝗲 2️⃣0️⃣2️⃣6️⃣ 🎊
Da politisch bis Jahresende sowieso nichts Bahnbrechendes mehr passiert, wurde der Rückblick bereits im Dezember 25 von mir erstellt.