31/08/2017
Uni-Dozentin Natasha A. Kelly im Interview:
"Was können Universitäten konkret tun?
Ein häufiges Problem der Studierenden, die zu mir kamen, war, dass sie von Professor_innen diskriminiert wurden. Es braucht Antidiskriminierungsstellen und -beauftragte auf Präsidialebene und nicht nur Beratungsstellen auf studentischer Ebene, damit Diskriminierung und Rassismus auf allen Ebenen geahndet werden. Für die Humboldt-Universität habe ich dazu ein entsprechendes Strategiepapier ausgearbeitet.
Was müsste noch geschehen?
Zum einen sollten Expert_innen eingestellt werden, die im deutschen Kontext zu Rassismus forschen und auch Erfahrungswissen mitbringen. Wenn es um das Thema Rassismus geht, werden häufig Expert_innen aus dem Ausland geholt, als ob Rassismus in Deutschland nicht existiere und keine eigene Geschichte aufweise. Wir als Schwarze deutsche Wissenschaftler_innen werden kaum als Expert_innen für irgendetwas angesehen, geschweige denn für deutsche Geschichte oder die Geschichte des Rassismus. Wichtig ist aber auch, dass unsere Forschungsergebnisse in die Strukturen von Gesellschaft, Wissenschaft und Politik zurückfließen. Ins Curriculum der Lehramtsstudiengänge sollte beispielsweise ein Pflichtfach zum Thema Diskriminierung an Schulen aufgenommen werden."
Wer darf an der Hochschule sprechen und worüber? Die Dozentin Natasha A. Kelly über blinde Flecken in der Wissenschaft.