03/06/2026
Auszeichnung für jahrzehntelanges Engagement: Jochen Saurenbach erhält den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen
(tk) Am 2. Juni 2026 wurde unser Genosse Jochen Saurenbach mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Mit dieser hohen Ehrung würdigt das Land sein jahrzehntelanges Engagement für gesellschaftliche Vielfalt, die HIV- und AIDS-Hilfe, die Rechte homosexueller und q***rer Menschen sowie seinen Beitrag zu einer offenen und solidarischen Gesellschaft.
Jochen Saurenbach gehört zu den Persönlichkeiten, die die Geschichte der q***ren Emanzipation in Köln maßgeblich mitgeprägt haben. Sein Wirken begann zu einer Zeit, als homosexuelle Menschen vielerorts noch Diskriminierung, Ausgrenzung und gesellschaftliche Ablehnung erfahren mussten. Schon früh erkannte er die Bedeutung von Sichtbarkeit, Gemeinschaft und geschützten Räumen für ein selbstbestimmtes Leben.
Ein Meilenstein war dabei die Eröffnung der Diskothek „Pimpernel“ im Jahr 1972 am Rudolfplatz, dort, wo sich heute die Hauptstelle der Sparkasse KölnBonn befindet. Inspiriert von seinen Eindrücken aus Amsterdam, damals das europäische Zentrum q***ren Lebens, schuf Jochen Saurenbach einen Ort, an dem schwule Männer offen sie selbst sein konnten – ohne Angst, ohne Verstellung und ohne sich verstecken zu müssen. Das „Pimpernel“ entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Treffpunkt der Kölner Community und war weit mehr als nur eine Diskothek. Es war ein Ort der Begegnung, der Freiheit und der Selbstbestimmung.
Mit seinen drei Etagen gehörte das „Pimpernel“ zu den größten Lokalen der Stadt. Während auf der Tanzfläche zu den Klängen der damaligen Disco-Ära gefeiert wurde, entstand zugleich ein sozialer Raum, in dem Menschen Kontakte knüpfen, Freundschaften schließen und Gemeinschaft erleben konnten. In einer Zeit, in der q***re Sichtbarkeit keineswegs selbstverständlich war, setzte Jochen Saurenbach damit ein wichtiges Zeichen für Akzeptanz und gesellschaftliche Teilhabe.
Sein Engagement beschränkte sich jedoch nicht auf die Schaffung solcher Freiräume. Über viele Jahrzehnte hinweg setzte er sich aktiv für die Rechte homosexueller und q***rer Menschen ein. Er gehörte zu den Mitgründern der Kölner Schwusos, der damaligen Arbeitsgemeinschaft der Schwulen in der SPD. Aus den Schwusos entwickelte sich später die heutige SPDq***r. Gemeinsam mit vielen Mitstreiterinnen und Mitstreitern trug er dazu bei, die Anliegen lesbischer, schwuler, bisexueller, trans*, intergeschlechtlicher und q***rer Menschen innerhalb der Sozialdemokratie und darüber hinaus sichtbar zu machen und politische Fortschritte anzustoßen.
Besonders hervorzuheben ist auch sein langjähriges Engagement in der Aidshilfe. Als die HIV- und AIDS-Krise die Community erschütterte und viele Betroffene mit Angst, Vorurteilen und gesellschaftlicher Ausgrenzung konfrontiert waren, setzte sich Jochen Saurenbach für Aufklärung, Solidarität und konkrete Unterstützung ein. Er half dabei, Vorurteile abzubauen, Hilfsangebote zu stärken und Menschen in schwierigen Lebenssituationen beizustehen. Sein Einsatz war stets von Menschlichkeit, Empathie und dem festen Glauben an die Würde jedes einzelnen Menschen geprägt.
Wer Jochen Saurenbach kennt, weiß, dass sein Engagement weit über einzelne Projekte hinausgeht. Er war und ist Netzwerker, Brückenbauer und Ansprechpartner für viele Menschen. Er hat Generationen von Aktiven ermutigt, Verantwortung zu übernehmen, sich einzumischen und für ihre Überzeugungen einzustehen. Sein Wirken hat dazu beigetragen, Köln als weltoffene, vielfältige und solidarische Stadt zu prägen.
Die Verleihung des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen ist deshalb eine verdiente Würdigung eines außergewöhnlichen Lebenswerks. Sie ehrt einen Menschen, der über Jahrzehnte hinweg Haltung gezeigt, gesellschaftliche Veränderungen mitgestaltet und sich mit großem persönlichen Einsatz für andere Menschen eingesetzt hat.
Die SPDq***r Köln und die KölnSPD gratulieren Jochen herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung. Sein Lebensweg zeigt eindrucksvoll, dass gesellschaftlicher Fortschritt nicht von allein entsteht, sondern von Menschen getragen wird, die Mut beweisen, Verantwortung übernehmen und sich beharrlich für Freiheit, Gleichberechtigung und Solidarität einsetzen. Dafür gebührt ihm unser Respekt, unser Dank und unsere Anerkennung.
Thomas Krämer, Vorsitzender SPDq***r Köln