10/10/2020
Am heutigen Welttag der seelischen Gesundheit ruft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu auf, Menschen mit psychischen Erkrankungen nicht auszugrenzen und aufmerksam zu sein. Denn es kann jeden treffen. Laut einer Statistik der WHO erkrankt durchschnittlich jeder Dritte im Laufe seines Lebens an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung und in Deutschland sind psychische Erkrankungen inzwischen der dritthäufigste Grund für Krankschreibungen
Corona hat alles verändert und vieles auf den Kopf gestellt. Gerade am Anfang sind die Menschen gefühlt zusammengerückt und haben durch Abstandhalten und Hygiene Rücksicht auf andere und sich selbst genommen. Viele haben den sogenannten systemrelevanten Bereichen des täglichen Lebens Respekt gezollt und vielleicht für den älteren Nachbarn eingekauft. Jeder hat versucht, auf seine Art und Weise mit den Veränderungen, die Corona für uns alle gebracht hat, klar zu kommen. Einigen fiel das leichter, manchen - vielen - schwerer….
Gerade Menschen, die schon vorher psychisch angeschlagen waren, die vor Corona weniger bis keine sozialen Kontakte hatten, für die war der Lockdown und alles, was danach kam, psychischer Stress statt Entschleunigung, Isolation statt notwendiger Hilfe, Existenzangst. Berichteten Betroffene zu Beginn noch von wenigen Einschränkungen für ihren Alltag, so hatten sie im weiteren Verlauf doch mehr und mehr mit der Situation zu kämpfen und die Krise verstärkte so die der Grundprobleme vieler Menschen mit psychischer Erkrankung. Kurzfristig half die Krise aufgrund des Lockdowns viele soziale Stressoren (z. B. Behördengänge, Seminare, etc.) zu vermeiden und die Angst davor zu lindern. Langfristig brach so jedoch die bisher schon relativ instabile Tagesstruktur weg, was mit großer Unsicherheit und dem Wegfall sozialer Kontakte einherging. Die langfristigen negativen Folgen führten so für viele zu einer Verschlimmerung der Situation und machen es den Betroffenen extrem schwer, aus dem Teufelskreis auszubrechen. Da hilft oftmals auch der Kontakt über das Telefon nicht aus, wenn er überhaupt zustande kommt. Von noch moderneren Kommunikationswegen wie Skype, Zoom etc. ganz zu schweigen. Und wieder einmal werden psychisch Erkrankte von der immer schneller und immer moderner werdenden Gesellschaft abgehängt.
Heute, ein gutes halbes Jahr später hat Corona einen großen Teil seines Schreckens verloren und die meisten von uns haben sich mit Mund-Nasen-Schutz längst daran gewöhnt, Abstand zu halten und von ihrem Gegenüber - aus natürlich sicherer Entfernung - weder ein Lächeln zu sehen noch die Mimik im Gespräch zu deuten. Körperliche Nähe wirkt längst befremdlich und verunsichert; 150 cm werden zu einer magischen Grenze. Jeder versucht, in irgendeiner Form, zu einem neuen Alltag mit dem Virus zurückzufinden, Kinder gehen zur Schule oder in den Kindergarten und Familien haben wieder zueinander gefunden oder fahren gar in den Urlaub. Aber Menschen mit z.B. einer generalisierten Angststörung, einer sozialen Phobie oder einer Depression schaffen das eben nicht so ohne Weiteres. Häufig fehlt auch hier das stabilisierende Umfeld einer regelmäßigen Beschäftigung. Was hier als Eindruck bleibt ist Angst, Alleinsein, Ausgeliefertsein. Die Nachrichten und andere Medien tun ihr übriges. Viele trauen sich noch immer nicht, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, desinfizieren akribisch alles, was „von draußen“ kommt oder verlassen die Wohnung nur für die notwendigsten Erledigungen, wenn überhaupt… an soziale Kontakte und Aktivitäten ist gar nicht zu denken. Zu präsent ist noch die Krise.
Die gute Nachricht ist, dass Hilfsangebote vorhanden sind, vielleicht in anderer Form als vorher, vielleicht nicht da, wo man sie erwartet. So bieten zum Beispiel mehr und mehr Therapeuten Onlinetherapie oder telefonische Beratung an, was mitunter eine geringere Hürde für die Betroffenen darstellt. Aber nicht nur professionelle Hilfsangebote, auch die Achtsamkeit, Akzeptanz und/oder Solidarität der Mitmenschen, der vielleicht nicht akut betroffenen, kann viel bewirken und besser machen.
Die grüne Schleife des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit ist zu einem Symbol gegen Diskriminierung und Ausgrenzung psychisch Erkrankter Menschen in der Gesellschaft geworden. Dass Menschen in psychischen Krisen sich trauen, ihre Probleme offen anzusprechen, setzt Akzeptanz in der Gesellschaft voraus. Seelische Leiden betreffen uns alle und dürfen kein Tabuthema mehr sein.
Darum haben wir zum Welttag der seelischen Gesundheit die grüne Schleife in unser Profilbild genommen und geben euch auch die Möglichkeit, diese als Zeichen der Solidarität und Achtsamkeit mit eurem Profilbild zu verwenden. Lasst uns GEMEINSAM diese Krise meistern, uns gegenseitig unterstützen und aufeinander achten.
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