14/09/2026
Leben im Schatten der längsten Burg der Welt
Ron Imelauer (*1943, †2012) war ein international renommierter Markenentwickler und Grafikdesigner mit Schwerpunkt Tourismus. Jahrzehntelang war er für die Agentur Intermar Corporate (Hamburg/Stuttgart/München) tätig.
In Burghausen hat er sichtbare Spuren hinterlassen:
- Corporate Design für die Marke B'Jazz / Internationale Jazzwoche Burghausen
- Konzept und Gestaltung der Street of Fame
Die Partner von Intermar Corporate würdigen ihn bis heute auf ihrer Website:
„Ron Imelauer war uns in mehr als 20 Jahren Partner, Kollege, Lehrmeister, Mentor und Freund. Seine Art zu denken und seine Kunst, Gefühle in Visualisierungen zu verwandeln, hat uns und unsere Arbeit bereichert und geprägt. Dazu noch so ein feiner Kerl, Sturschädel, bayerischer und wundervoller Mensch … love you too."
In seinem Nachruf wird er als „kreative Ausnahme in der deutschsprachigen Touristik" beschrieben – bekannt vor allem für die Marke Robinson mit dem Claim „Zeit für Gefühle" sowie den „Mann mit der Rose" für A-ROSA, zwei seiner prägendsten Arbeiten. Das Wirtschaftsmagazin „brand eins" porträtierte ihn 2007 als eigenwilligen „Träumeverkäufer" der Touristikbranche.
Die Street of Fame und das B'Jazz-Design entstanden noch zu seinen Lebzeiten – 1999 und in den Folgejahren. Sein Werk lebt in Burghausen weiter.
Apropos Burghausen
Die Geschichte rund um die Marke „Die längste Burg der Welt" hatte es ihm besonders angetan – er war ihr größter Fan. In diesem Zusammenhang kam es zu einem direkten Fach- und Schlagabtausch mit dem damaligen Ersten Bürgermeister Hans Steindl. Der Brief vom 24. Januar 2012 liegt Georg Reisinger vor.
Darin nimmt Imelauer kein Blatt vor den Mund und kritisiert das damalige neue Stadtlogo sowie den Slogan Burghausens scharf:
- Kritik am neuen Stadtlogo („Orangefarbenes B")
Imelauer bezeichnet es als „einfach B-wie brimitiv" und wirft ihm dekorative wie formale Sinnleere vor – ein einzelnes „B" reiche als visuelle Kurzformel schlicht nicht aus.
- Relevanz für B'JAZZ
Er stellt klar, dass der Name als Wortspiel für „Be JAZZ" („Sei Jazz") konzipiert war, und wertet es als Affront, dass die Stadtverwaltung diese Analogie als Argument für das inhaltsleere Stadt-B missbraucht habe.
- Kritik am Slogan
Den neuen Slogan bewertet er als „Deutsch für Analphabeten" und als schlecht getrickste Anleihe an das Prädikat der „längsten Burg der Welt".
- Lob für die Broschüre
Trotz seiner harten Kritik lobt er Inhalt und Gestaltung der zugehörigen Broschüre ausdrücklich als „toll" und „intelligenten Auftritt", bemängelt jedoch verspielte Dekorelemente.
Der Brief unterstreicht Imelauers Haltung als leidenschaftlicher, kompromissloser Markenentwickler, dem intellektuelle Tiefe und suggestive Qualität bei Logos stets wichtiger waren als politisches PR-Gefallen.