Landesarchäologie Bremen

Landesarchäologie Bremen Die Landesarchäologie Bremen kümmert sich um die Erforschung, die Pflege, den Schutz, sowie den Erhalt von archäologischem Kulturgut.

Das Gräberfeld in Brinkum von Lea Rückert (Schulpraktikanntin)1891 wurden beim Abtragen von Sand und Humus an der Ecke F...
13/03/2026

Das Gräberfeld in Brinkum von Lea Rückert (Schulpraktikanntin)

1891 wurden beim Abtragen von Sand und Humus an der Ecke Feld- und Gartenstraße in Brinkum die ersten Urnen eines Gräberfeldes entdeckt. In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Funde hinzu. Insgesamt wurden bis 1936 rund 80 Urnen geborgen. Es handelt sich überwiegend um Brandbestattungen. Die Verstorbenen wurden verbrannt und der Leichenbrand anschließend zusammen mit Beigaben in Urnen beigesetzt.

Die meisten Funde lassen sich anhand von Gefäßformen, Verzierungen und Beigaben in die späte Kaiserzeit und frühe Völkerwanderungszeit datieren. Typisch sind bauchige Gefäße mit eingezogenem Hals sowie Verzierungen aus Riefen, Linienbändern und Stempelmustern. Zu den Beigaben gehören unter anderem Spinnwirtel, Fibeln, Perlen, Kammreste, Gürtelschnallen und Messergriffe.

Der Ursprung des Gräberfeldes reicht jedoch vermutlich weiter zurück. Einzelne Funde deuten bereits auf das Spätneolithikum hin. Das Ende der Nutzung wird in die erste Hälfte des 6. Jahrhunderts datiert.

Viele der Urnen wurden vom Brinkumer Sammler Hans Peters geborgen. Durch seinen Gräberplan, ein Inventarbuch und Aquarellzeichnungen der Funde sind wichtige Informationen über das Gräberfeld bis heute erhalten.

Es ist Fundfreitag!„Jacobakannen“ von den Weserarkaden – Greta Bergmann (Schulpraktikantin)2021 wurden bei archäologisch...
06/03/2026

Es ist Fundfreitag!

„Jacobakannen“ von den Weserarkaden – Greta Bergmann (Schulpraktikantin)

2021 wurden bei archäologischen Ausgrabungen unter den Weser-Arkaden der Schlachte nahe der Wilhelm-Kaisen-Brücke zahlreiche Funde geborgen, darunter viele Keramikgefäße. Besonders auffällig sind sogenannte Jakobakannen. Diese Gefäßform wurde im 14. Jahrhundert in Siegburg bei Köln in großen Mengen produziert und über den Rhein- und Weserraum verbreitet – so auch nach Bremen. Vermutlich wurden sie in einem der umliegenden Gasthäuser genutzt.

Die Kannen bestehen aus Steinzeug, das bei etwa 1200 °C gebrannt wird. Dabei sintert der Ton, wodurch das Gefäß nahezu wasserdicht und sehr widerstandsfähig wird. Der heute gebräuchliche Name „Jacobakanne“ entstand allerdings erst im 17. Jahrhundert und geht auf eine spätere Legendenbildung zurück. Es handelt sich somit nicht um einen mittelalterlichen Produktionsbegriff.

Vorgeschichtliche Fußspuren sind keine „Zufallsabdrücke“, sondern direkte Spuren eines konkreten Moments: ein Schritt, e...
27/02/2026

Vorgeschichtliche Fußspuren sind keine „Zufallsabdrücke“, sondern direkte Spuren eines konkreten Moments: ein Schritt, eine Bewegung, ein Mensch an genau diesem Ort.

2019 wurden bei Ausgrabungen in Bremen-Arbergen solche Spuren freigelegt, unter den Resten eines frühmittelalterlichen Langhauses und zweier Grubenhäuser. Die hellen Abdrücke zeichneten sich deutlich im dunkleren Boden ab. Wahrscheinlich markieren sie einen schmalen Trampelpfad von Nord nach Süd.

Mindestens zwei rund 27 cm lange Vertiefungen lassen klar Ferse und Ballen erkennen: eindeutig menschliche Fußspuren. Weitere Abdrücke stammen vermutlich von Tieren. Erhalten blieben sie nur, weil sie kurz nach ihrer Entstehung von hellem Dünensand zugeweht und so versiegelt wurden.

Die rund 1500 Jahre alten Spuren datieren in die Völkerwanderungszeit bzw. ins Frühmittelalter. Damit sind es die bislang ältesten nachgewiesenen menschlichen Fußabdrücke im Stadtgebiet von Bremen. Sie sind unscheinbar, aber ein außergewöhnliches Zeugnis früher Stadtgeschichte.

Archäologie unter der Dionysiuskirche in Bremerhaven-WulsdorfIm Zuge von Bauarbeiten zur Erneuerung der Heizungsanlage a...
22/01/2026

Archäologie unter der Dionysiuskirche in Bremerhaven-Wulsdorf
Im Zuge von Bauarbeiten zur Erneuerung der Heizungsanlage an der Dionysiuskirche in Bremerhaven-Wulsdorf wurden im November und Dezember 2025 archäologische Untersuchungen im Außen- und Innenbereich des Kirchengebäudes durchgeführt. Anlass waren bauliche Eingriffe innerhalb des historischen Kirchhofareals sowie im Kircheninneren, das bereits bei früheren Maßnahmen archäologisch relevante Befunde geliefert hatte.
Im Außenbereich südlich des Kirchturms konnten mächtige Auffüllschichten mit zahlreichen fragmentierten menschlichen Knochen dokumentiert werden, die auf wiederholte Störungen älterer Bestattungen hinweisen. In tieferen Lagen wurden mehrere neuzeitliche Bestattungen in anatomisch korrekter Lage erfasst, darunter mindestens drei übereinanderliegende Belegungshorizonte. Eine Münze von 1838 belegt die Nutzung des Kirchhofs bis ins 19. Jahrhundert. Zudem wurde eine mittelalterliche Feldsteinmauer nachgewiesen, die vermutlich der Umfriedung oder Befestigung des Kirchenareals diente und später durch neuzeitliche Gräber überprägt wurde.
Im Innenraum der Kirche wurden mehrere Fußbodenhorizonte dokumentiert, darunter ein gotischer Ziegelboden, neuzeitliche Reparaturphasen sowie ein mittelalterlicher Lehmboden als früher Nutzungshorizont. Ergänzt werden die Befunde durch Gruben und Fundamentreste, die auf bauliche Veränderungen der Raumgliederung hinweisen, sowie durch Befunde im Bereich des ehemaligen Südeingangs.
Die Untersuchungen belegen die kontinuierliche Nutzung der Dionysiuskirche und ihres Kirchhofs vom Mittelalter bis in die Neuzeit und liefern neue Erkenntnisse zur Bau-, Nutzungs- und Bestattungsgeschichte eines zentralen Sakralstandorts im norddeutschen Raum.

„Abfall, Zwangsarbeit und Kriegswirtschaft. Sowjetische Kriegsgefangene auf einem Bremer Müllplatz“ ein Vortrag von Josh...
08/01/2026

„Abfall, Zwangsarbeit und Kriegswirtschaft. Sowjetische Kriegsgefangene auf einem Bremer Müllplatz“ ein Vortrag von Joshua Härtel

Eine Kooperation der Landesarchäologie mit der Landeszentrale für politische Bildung im Rahmen des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar)

Wann? Donnerstag, 26.02.2026 um 19.00 Uhr
Wo? In der Landeszentrale für politische Bildung, Birkenstraße 20/21.

Weitere Informationen: https://www.landeszentrale-bremen.de/blog/gedenken-an-die-opfer-des-nationalsozialismus-2026

und https://www.politische-bildung-bremen.de/veranstaltung/abfall-zwangsarbeit-

und-kriegswirtschaft-sowjetische-kriegsgefangene-auf-einem-bremer-muellplatz

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Hier hatten die Nationalsozialisten zwischen 1940 und ...

Auszeichnung für Fernsehbeitrag über den ehemaligen Friedhof sowjetischer Kriegsgefangener Ein Sat 1-Reginal-Beitrag am ...
07/01/2026

Auszeichnung für Fernsehbeitrag über den ehemaligen Friedhof sowjetischer Kriegsgefangener
Ein Sat 1-Reginal-Beitrag am 8. Mai 2025 zum Anlass des Kriegsendes vor 80 Jahren hatte das Thema „Gezeichnet vom Nazi-Regime – Schicksale, die mahnen“ und berichtete unter anderem darüber, wie wir im Projekt zum Kriegsgefangenenfriedhof in Oslebshausen Personen identifizieren. Im Dezember wurde dieser Beitrag mit dem Niedersächsischen Medienpreis ausgezeichnet:
https://www.nlm.de/medienpreis/medienpreis-2025/fernsehen-information
Wir haben sehr gerne mit dem Journalist:innen-Team zusammengearbeitet und freuen uns mit ihnen!

In der Begründung der Jury heißt es: „Mit eindrucksvollen Bildern, klug und sensibel geführten Gesprächen und einer herausragenden journalistischen Gestaltung zieht dieser Beitrag sein Publikum unmittelbar in den Bann. Das Thema selbst ist in der Vergangenheit häufig und zurecht bereits beleuchtet worden, doch diese Umsetzung ist außergewöhnlich und besonders preiswürdig. Hier erhalten Menschen eine Stimme, die bislang selten gehört wurden.“

Der Niedersächsische Medienpreis 2025 in der Kategorie Fernsehen Information ging an Johanna Fischer und Jan Stölting mit dem Beitrag „80 Jahre Kriegsende: Gezeichnet vom Nazi-Regime - Schicksale, die mahnen“, gesendet bei Sat.1 Regional 

An alle Kreativen unter euch: Der "Verein zur Förderung des Welterbes Rathaus und Roland in Bremen e.V." hat einen Postk...
05/09/2025

An alle Kreativen unter euch: Der "Verein zur Förderung des Welterbes Rathaus und Roland in Bremen e.V." hat einen Postkartenwettbewerb ausgeschrieben. Es winkt ein Preisgeld von 500 €.
Viel Spaß und Glück bei der Teilnahme 🙂

Ein besonderer Fund am Bremer Essighaus von Irem Kocaslan (Schulpraktikantin)Bei Ausgrabungen am Bremer Essighaus in der...
04/07/2025

Ein besonderer Fund am Bremer Essighaus von Irem Kocaslan (Schulpraktikantin)
Bei Ausgrabungen am Bremer Essighaus in der Langenstraße wurde ein spannender Fund gemacht: ein Bartmannkrug. Diese Art von Krügen stammt ursprünglich aus dem Rheinland, vor allem aus Köln und Frechen, und wurde zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert hergestellt. Sie wurden für Bier, Wein oder Wasser genutzt und bestehen aus salzglasiertem Steinzeug, einem sehr haltbaren Material. Typisch für den Bartmannkrug ist die Maske am Hals: ein bärtiges Männergesicht, das würdevoll, lachend oder auch grimmig aussehen kann. Beim Bremer Fund ist diese Maske jedoch verkehrt herum angebracht. Ob das ein Fehler, ein Scherz oder eine bewusste Entscheidung war, weiß man nicht. Gerade solche Besonderheiten machen den Fund aber besonders interessant, weil sie etwas über den Alltag der Menschen damals erzählen. Trotz der großen Verbreitung und Massenproduktion ist jeder Bartmannkrug durch die Gestaltung der Maske ein Unikat. Der Fund am Essighaus ist ein schönes Beispiel dafür, wie alltägliche Gegenstände früher nicht nur praktisch waren, sondern auch kunstvoll gestaltet wurden, und wie weit der Handel bereits damals reichte.

Neuigkeiten aus der Archäologie in Bremen-Rekum 🏺🔎Im August/September 2024 wurde bei einer Sondagegrabung auf der Fundst...
21/05/2025

Neuigkeiten aus der Archäologie in Bremen-Rekum 🏺🔎
Im August/September 2024 wurde bei einer Sondagegrabung auf der Fundstelle 108/Rekum eine Fläche von 110 m² untersucht. Dabei konnten Siedlungsreste der Römischen Kaiserzeit und der Völkerwanderungszeit, darunter zwei Grubenhäuser und Teile eines möglichen Langhauses, dokumentiert werden. Die Befunde datieren in das 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. und zeigen eine Mehrphasigkeit der Siedlung im Übergang zur Völkerwanderungszeit.
Weitere Grabungen sind geplant, um die Fundstelle umfassender zu erforschen.
Den ausführlichen Bericht gibt es als PDF auf unserer Homepage (Link = erster Kommentar)

Eine germanische Talglampe aus Huchting - von Sophie Welsby (Schulpraktikantin) Demnächst sollen einige Fundstücke, die ...
09/05/2025

Eine germanische Talglampe aus Huchting - von Sophie Welsby (Schulpraktikantin)

Demnächst sollen einige Fundstücke, die 1997 bei einer Ausgrabung bei Kirchhuchting entdeckt wurden, bzw. Kopien der Funde im Roland-Center in Huchting ausgestellt werden, um sie in der Nähe des ursprünglichen Fundortes der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Funde reichen zeitlich von der vorrömischen Eisenzeit (500–1 v.Chr.) über die römische Kaiserzeit (ca. 1–375 n.Chr.) bis zur Völkerwanderungszeit (ca. 375–600 n.Chr.). Unter den Funden sind zwar aufgrund von weitreichenden Handelsverbindungen auch Importe aus dem römischen Kaiserreich, allerdings wurde hauptsächlich einheimische germanische Keramik gefunden.

Darunter befand sich auch das Fragment eines offenen ovalen Gefäßes (Abb. 1- Zeichnung; Original im Focke-Museum) aus granitgrusgemagertem, dunkelgrau gebranntem Ton. Das Fragment wurde als eine Lampe, spezifisch eine oben offene Talglampe, gedeutet, welche etwa in die Zeit zwischen 400 und 600 n. Chr. gehört.

Auch wenn sie seltener zu finden sind als die typischen oben geschlossenen Bilderlampen, existierten ähnliche Lampenformen schon bei den Römern als achtförmige Lampe, die häufiger in den nordwestlichen römischen Provinzen gefunden werden konnten, wie bspw. in Schwarzenacker (Saarland) , Ladenburg (Baden-Württemberg) oder Boppard (Rheinland-Pfalz; Abb. 2). Im Vergleich zu diesen römischen Talglampen ist die Huchtinger Talglampe mit einer ungefähren Länge von 17,5 cm, einer Breite von 11,6 cm und einer Höhe von 5,7 cm aber um einiges größer. Sie besitzt zudem eine Abtrennung zwischen der Lampenschnauze und dem Lampensteg, die bei den römischen Lampen fehlt.

🕊 „Ich hatte damit nichts zu tun!“ – Kriegsende in Bremen vor 80 JahrenSonderschau der Landesarchäologie im Focke-Museum...
07/05/2025

🕊 „Ich hatte damit nichts zu tun!“ – Kriegsende in Bremen vor 80 Jahren
Sonderschau der Landesarchäologie im Focke-Museum

In einer kleinen Kabinettausstellung präsentiert das Focke-Museum gemeinsam mit der Landesarchäologie Bremen ausgewählte Funde, die um das Kriegsende 1945 gezielt verborgen oder vernichtet wurden – von Säbeln und Parteiabzeichen bis zu Waffenresten.

Was damals verschwinden sollte, erzählt heute eine Geschichte: von versuchter Selbstentlastung, Verantwortung und Erinnerung.

📍 Focke-Museum
📆 8.-22. Mai 2025
📸© Focke-Museum, Martin Luther

Adresse

An Der Weide 50 A
Bremen
28195

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