12/03/2026
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,
Oh je, die Grünen am Mikrofon zur jährlichen Haushaltsrede! Die meisten Rollen mit den Augen, denn traditionell wird erwartet, dass nun die weltpolitische Lage wieder einmal herhalten muss, um grüne Ideologie in und für Brakel zu postulieren.
Meine Damen und Herren, nichts wäre leichter als das in diesem Jahr. Zeigen uns doch die Krisen und Kriege auf der Welt, wie verletzlich unsere Wirtschaft ist und wie abhängig wir immer noch von fossilen Energien sind, obwohl Alternativen vorhanden sind.
Zur finanziellen Lage der Stadt haben sich meine Vorredner lang und breit ausgelassen, die Zahlen sind bekannt. Luftschlösser können wir nicht bauen, Geschenke an das Wählerklientel sind nicht drin und auch wünschenswerte Modernisierungen oder Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung städtischer Einrichtungen werden erst mal auf einer Wunschliste landen müssen. Damit könnte ich meine Rede beenden, denn einen nackten Mann packt man nicht in die Tasche.
Auf eine Reform der kommunalen Finanzen zu warten, sich ohnmächtig ergeben oder in eine kommunalpolitische Depression zu verfallen, das kann und das darf nicht unser Weg in Brakel sein. Die Verwaltung und die Mitglieder des Rates sollten mutig nach vorne gehen, bisher Ungedachtes denken, über den Tellerrand blicken, kreative Lösungen suchen, Altes und Bewährtes prüfen, jeden Stein umdrehen und neue Einnahmen generieren. Wird das alles reichen, einen ausgeglichenen Haushalt zu präsentieren? Wir glauben nicht. Dafür sind die strukturellen Defizite zu groß. Aber: in jeder Krise steckt auch eine Chance!
Liebe Kolleginnen und Kollegen. Wir haben mehrfach intensiv über die Sanierung der Toiletten in der Stadthalle diskutiert. Ging es dort wirklich um die Kosten oder ging es in der Diskussion eigentlich um etwas anderes? Wir glauben, es ging um das Ungesagte, nämlich um ein Gefühl, dass mit zweierlei Maß gemessen wird, dass es die einen und die andern gibt.
Stellen wir uns einmal vor, wir würden es in Brakel schaffen, solches Vergleichsdenken aus den Köpfen zu bekommen, wir würden es schaffen, noch mehr Menschen für gesellschaftliches Engagement zu begeistern, stellen wir uns einmal vor, wir würden verinnerlichen, dass wir uns letztendlich für unsere Kinder und Enkelkinder einsetzen, stellen wir uns einmal vor, wir würden erreichen, dass man nicht darüber diskutieren muss, wer und ob jemand mal mit anpacken kann und stellen wir uns final einmal vor, wir würden es schaffen, ein fulminantes Wir-Gefühl in Brakel zu erzeugen: die selbstverständliche Pflege einer städtischen Fläche vor der Haustür oder in der Dorfstraße, das kleine Projekt in der Nachbarschaft, eine kreative Lösung für ein Alltagsproblem, die Wand, die in einer Schule mal gestrichen werden muss, das Engagement in den Kirchen, Vereinen und Arbeitsgruppen.... Wenn wir in der Gesellschaft die Ärmel hochkrempeln, wenn wir alle mit anpacken, dann können wir -ganz unabhängig vom städtischen Haushalt- Brakel gemeinsam Stück für Stück noch liebens- und lebenswerter machen und trotz -oder gerade wegen- der finanziellen Lage sagen: Brakel ist arm aber sexy!