23/06/2026
Bericht über den ersten Einsatz unserer Löscheinheit am 24.8.1903 an der Bachbrücke in Graurheindorf.
"Das Schadenfeuer, welches, wie bereits kurz gemeldet, in der Nacht zum Montag in Grau=Rheindorf die Scheune sowie die Stallung der Witwe Klein einäscherte, ist auf Brandstiftung zurückzuführen. Der Nachtwächter Engels beobachtete gegen 1/2 12 Uhr zwei Männer, die sich in das zwischen dem Hause von Winterscheidt und den abgebrannten Gebäulichkeiten befindliche Gäßchen begaben. Engels bemerkte kurz darauf, wie eine dieser Personen ein Streichholz anzündete und es in eine schadhafte Stelle der Scheunenwand hielt. Im Nu loderte die Flamme auf. Der Wächter eilte nach der Stelle hin, worauf die beiden Männer eiligst über die Felder entliefen. Bei dem Versuche, das brennende Stroh herauszureißen, zog sich der Wächter Brandwunden an beiden Händen zu.
Er alarmierte die Feuerwehr, die unter der Führung ihres Hauptmannes Schmiedemeister M. Much das Feuer mit vier Schläuchen angriff. Leider gelang es der wackeren Wehr nicht, die Scheune, welche mit Frucht vollgepfropft war, zu retten. Sie brannte vollständig nieder, ebenso der angrenzende Stall, aus dem das Vieh herausgetrieben werden konnte. Die Gebäulichkeiten sind versichert, dagegen die Frucht, welche drei kleinen Landwirten gehörte, nicht. Der Wert der verbrannten Frucht beziffert sich auf annähernd 1000 Mk. Das Hauptaugenmerk der Wehr war auf Rettung der anliegenden Wohnhäuser gerichtet.
Leider befand sich das gesamte Schlauchmaterial der Rheindorfer Wehr in einem solch defekten Zustande, daß ein großer Teil des Wassers die Brandstelle nicht erreichte, sondern in die Gosse lief. Die Bemühungen, die schadhaften Stellen durch Verbände zu beseitigen, waren ohne Erfolg. Erst gegen 3 Uhr morgens war man des Feuers so weit Herr, daß die Wehr unter Zurücklassung einer Brandwache abrücken konnte. Als gegen 1/2 9 Uhr gestern Morgen das unter dem Stroh glimmende Feuer von neuem aufflammte, erbat sich die Rheindorfer Wehr in Anbetracht der schlechten Verfassung der Schläuche die Hülfe der Bonner Freiwilligen Feuerwehr, die auch kurz nach 9 Uhr unter Führung des Zugführers Schädler mit 15 Mann auf der Brandstelle erschien und nach einstündiger Arbeit das Feuer vollends löschte. Die Polizei war gestern im Laufe des Tages (...)"