Gedenkstätte Bonn

Gedenkstätte Bonn Dokumentieren, Erinnern, Lernen - über Verfolgung, Ermordung und Widerstand in Bonn in der NS-Zeit

Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn zeigen seit 1996 eine Dauerausstellung zum Thema Verfolgung und Widerstand.
2005 ist die Ausstellung grundlegend überarbeitet und 2012 aktualisiert und ergänzt worden. Darüber hinaus erforscht, recherchiert und dokumentiert die Gedenkstätte die Zeit des Nationalsozialismus in Bonn. Ein Themenschwerpunkt in zahlreichen Veranstaltungen ist die Auseinand

ersetzung mit den Menschen, die verfolgt, inhaftiert und ermordet wurden oder die durch die NS-Politik gezwungen waren, Deutschland zu verlassen. In der Geschäftsstelle im Erdgeschoss gibt es eine Präsenzbibliothek, eine Videothek und einen Seminarraum für Veranstaltungen.

[English version below]Wie viele Täter versuchte Herbert Engelshoven sich 1945 seiner Strafe zu entziehen. Der gebürtige...
11/06/2026

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Wie viele Täter versuchte Herbert Engelshoven sich 1945 seiner Strafe zu entziehen. Der gebürtige Bonner war zunächst niederländischer Staatsbürger und 25 Jahre alt. Er hatte sich als Deutscher einbürgern lassen und im Krieg als SS-Mann an der Front gekämpft. Ab Sommer 1944 war er Teil des „Sicherheitsdienst“ in Rotterdam.

Am 10. und 11. November 1944 kam es in Schiedam und im benachbarten Rotterdam zu einer großen Razzia. Über 50.000 Männer wurden zur Zwangsarbeit nach Deutschland und in den Osten-des Landes verschleppt. Die Brüder Johannes und Lambertus Eijkenbroek versteckten sich am 10. November bei Nachbarn. Am Folgetag wurden sie denunziert und festgenommen. Auf dem Weg zur SD-Zentrale in Rotterdam baten sie, von zuhause noch einige Dinge zu holen, was gestattet wurde. Sie gingen in die Wohnung, doch bei der Rückkehr eröffnete ein SD-Mann das Feuer auf Lambertus Eijkenbroek. Sein Bruder konnte noch die Tür schließen, wurde dann aber vom hinter ihm stehenden Engelshoven erschossen, der nach Schilderungen sein ganzes Magazin entleerte. Die Morde blieben Stadtgespräch und nicht die einzigen, an denen Engelshoven direkt beteiligt war.

1945 begann die Fahndung nach den Beschuldigten. Nach gründlichen Ermittlungen konnten Engelshoven und der mitangeklagte Dortmunder Bernhard Siebers in Deutschland aufgespürt und mithilfe der Alliierten ausgeliefert werden. Erst bestritten sie die Tat, legten aber ein Geständnis ab, als man sie auf dem Friedhof mit den Leichen der Brüder konfrontierte. Das Strafmaß für Engelshoven ist unbekannt, Siebers wurde zu 18 Jahren Haft verurteilt und im April 1956 nach Deutschland entlassen.

Foto: Gefangene werden während der Razzia im November 1944 abgeführt (Nationaal Archief, Den Haag)



Like many perpetrators, Herbert Engelshoven attempted to evade punishment in 1945. Born in Bonn, he was initially a Dutch citizen and 25 years old. He became a naturalized German citizen and fought on the front lines as an SS officer during the war. Starting in the summer of 1944, he was part of the “Security Service” in Rotterdam.

On November 10 and 11, 1944, a large-scale roundup took place in Schiedam and neighboring Rotterdam. Over 50,000 men were deported to Germany and the eastern part of the country for forced labor. The brothers Johannes and Lambertus Eijkenbroek hid at a neighbor’s house on November 10. The following day, they were denounced and arrested. On the way to the SD headquarters in Rotterdam, they asked to retrieve a few items from their home, which was permitted. They went into the apartment, but upon their return, an SD officer opened fire on Lambertus Eijkenbroek. His brother managed to close the door, but was then shot by Engelshoven, who was standing behind him and, according to accounts, emptied his entire magazine. The murders became the talk of the town and were not the only ones in which Engelshoven was directly involved.

1945, the search for the accused began. Following a thorough investigation, Engelshoven and his co-defendant, Bernhard Siebers of Dortmund, were tracked down in Germany and extradited with the help of the Allies. At first they denied the crime, but confessed when confronted with the brothers’ bodies at the cemetery. The sentence for Engelshoven is unknown; Siebers was sentenced to 18 years in prison and released to Germany in April 1956.

[English version below]19 Jahre alt war Lilly Schmitz, als sie fernab ihrer Heimat ermordet wurde. Geboren war sie am 09...
09/06/2026

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19 Jahre alt war Lilly Schmitz, als sie fernab ihrer Heimat ermordet wurde. Geboren war sie am 09.06.1923 in der Universitäts-Frauenklinik in Bonn in der Theaterstraße. Ihre Eltern waren das jüdische Ehepaar Leopold und Friederike Schmitz, eine geborene Simon. Lilly hatte zwei Geschwister, die zwei Jahre ältere Schwester Margot und den zwei Jahre jüngeren Bruder Emil. Die Familie lebte in der Büttgasse 14 im Bornheimer Stadtteil Waldorf nahe des Dorfplatzes, der Vater betrieb im Ort eine Metzgerei. Die jüdische Gemeinde in Bornheim bestand zu dieser Zeit aus etwa 100 Personen, größere Konflikte mit der übrigen Bevölkerung gab es nicht.

In der NS-Zeit wurde Lilly Schmitz, die zeitweise auch in Euskirchen gelebt hatte, von den Nationalsozialisten im Zwangsarbeitslager Bardenberg nahe Aachen interniert. Zahlreiche Jüdinnen und Juden aus dem Raum Köln wurden dort nach Bombenangriffen auf die Stadt gesammelt, um sie hier für die anstehenden Deportationen zu sammeln. Am 20.07.1942 wurde sie von Köln-Deutz aus mit dem „Transportzug Da 219“ nach Minsk deportiert.

Mehr als 1.100 jüdische Menschen aus dem Rheinland waren Teil dieses Transports. In Berlin gelang es einigen von ihnen noch Postkarten und Briefe an die Liebsten aus dem Zug zu reichen. Nach dem Umstieg von einem Personen- in einen Güterzug an der sowjetischen Grenze stand der Zug kurz vor Minsk beinahe 20 Stunden lang in der Sommerhitze, ehe er schließlich den dortigen Güterbahnhof erreichte. Mit LKW wurden Lilly Schmitz und andere dann in das Waldstück „Blagowschtschina“ nahe des Lagers Malyj Trostenez gebracht und ermordet.

Foto: Stolperstein für Lilli (Lilly) Schmitz in Bornheim-Waldorf (GeorgDerReisende – CC BY-SA 4.0)



Lilly Schmitz was 19 years old when she was murdered far from her home. She was born on June 9, 1923, at the University Women’s Hospital in Bonn on Theaterstraße. Her parents were Leopold and Friederike Schmitz, née Simon, a Jewish couple. Lilly had two siblings: her sister Margot, who was two years older, and her brother Emil, who was two years younger. The family lived at Büttgasse 14 in the Waldorf district of Bornheim, near the village square; her father ran a butcher shop in the town. The Jewish community in Bornheim at that time consisted of about 100 people, and there were no major conflicts with the rest of the population.

During the N**i era, Lilly Schmitz, who had also lived in Euskirchen for a time, was interned by the N**is in the Bardenberg forced-labor camp near Aachen. Numerous Jews from the Cologne area were gathered there following air raids on the city to be held in preparation for their impending deportations. On July 20, 1942, she was deported from Cologne-Deutz to Minsk on “Transport Train Da 219.”

More than 1,100 Jewish people from the Rhineland were part of this transport. In Berlin, some of them managed to pass postcards and letters to their loved ones from the train. After switching from a passenger train to a freight train at the Soviet border, the train stood for nearly 20 hours in the summer heat just outside Minsk before finally reaching the freight yard there. Lilly Schmitz and others were then taken by truck to the “Blagovschina” forest near the Malyj Trostenez camp and murdered.

[English version below]Seine Tochter konnte Arthur Karpel retten. Geboren wurde er am 05.06.1887 in Snjatyn (heutige Ukr...
05/06/2026

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Seine Tochter konnte Arthur Karpel retten. Geboren wurde er am 05.06.1887 in Snjatyn (heutige Ukraine). Der Ort in Österreich-Ungarn gehörte ab 1918 zu Polen. 1913 zog er mit seiner Frau Regina nach Bonn. Mit ihr betrieb der Raucher zwei Läden für Schmuck, Leder und Dekor. 1919 wurde Tochter Gisela geboren, 1922 Sohn Heinz. Die Familie lebte in der Hundsgasse 22 nahe der heutigen Oper. 1922 wurde die Einbürgerung abgelehnt. Arthur Karpel war religiöser als seine Frau und betete im orthodoxen Betraum polnischstämmiger Juden in der (Grau)Rheindorfer Straße.

In der NS-Zeit musste die Familie die Läden aufgeben. Karpel bot Krawatten von Tür zu Tür und auf Straßenfesten an. Als Straßenkehrer musste er Zwangsarbeit im Raum Hofgarten/Poppelsdorfer Allee leisten. Karpel sah das als Demütigung und blieb trotz Ärger öfter zu Hause. Am 28.10.1938 wurde er mit anderen jüdischen polnischen Staatsbürgern nachts nach Polen abgeschoben. Seine Familie schickte ihm Hilfspakete. 1939 durfte er kurz zurück, um seinen Besitz zu verkaufen. Der Erlös ging auf ein Sperrkonto. Dann musste die Familie das Land verlassen.

Weil Arthur Karpel aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg jüdische britische Soldaten kannte, gelang Giselas Flucht nach Großbritannien. Nach ihrer Ausreise erfuhren sie zu spät, dass auch Heinz die Emigration genehmigt wurde. Die Familie lebte bei Karpels Schwester in Snjatyn. Dort ließ er sich einen Vollbart wachsen und hielt eine Katze. 1940 erhielt Gisela Karpel eine letzte Nachricht. 1941 wurde in Snjatyn ein Ghetto eingerichtet und im Folgejahr niedergebrannt. Arthur Karpel und seine Familie wurden in das Vernichtungslager Belzec deportiert und ermordet.

Foto: Arthur Karpel (rechts) mit seiner Frau und den Kindern (Archiv Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn)



Arthur Karpel was able to save his daughter. He was born on June 5, 1887, in Snjatyn (now part of Ukraine). The town, located in Austria-Hungary, became part of Poland in 1918. In 1913, he moved to Bonn with his wife Regina. Together with her, the smoker ran two shops selling jewelry, leather goods, and home decor. Their daughter Gisela was born in 1919, and their son Heinz in 1922. The family lived at Hundsgasse 22, near today’s opera house. In 1922, his application for naturalization was denied. Arthur Karpel was more religious than his wife and prayed at the Orthodox prayer room for Jews of Polish descent on (Grau)Rheindorfer Straße.

During the N**i era, the family had to give up their shops. Karpel sold ties door-to-door and at street festivals. As a street sweeper, he was forced to perform hard labor in the Hofgarten/Poppelsdorfer Allee area. Karpel saw this as humiliating and, despite the consequences, often stayed home. On October 28, 1938, he was deported to Poland at night along with other Jewish Polish citizens. His family sent him care packages. In 1939, he was allowed to return briefly to sell his property. The proceeds were deposited into a blocked account. Then the family had to leave the country.

Because Arthur Karpel had known Jewish British soldiers from the period after World War I, Gisela was able to flee to Great Britain. After they left, they learned too late that Heinz had also been granted permission to emigrate. The family lived with Karpel’s sister in Snjatyn. There, he grew a full beard and kept a cat. In 1940, Gisela Karpel received one last message. In 1941, a ghetto was established in Snjatyn and burned down the following year. Arthur Karpel and his family were deported to the Belzec extermination camp and murdered.

[English version below]Die Aufgaben in der Stadtverwaltung sind vielfältig, doch die Betreuung von 40 Löwen, vier Elefan...
02/06/2026

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Die Aufgaben in der Stadtverwaltung sind vielfältig, doch die Betreuung von 40 Löwen, vier Elefanten, acht Bären und diversen anderen Tieren dürfte im Frühsommer 1937 für die Stadt Bonn doch überraschend gekommen sein. Der Grund: Die Pleite des Zirkus von Alfred Schneider, der mit dem Ensemble wegen fehlenden Publikums auf dem Frankenplatz gestrandet war.

Schneider hatte sich in der Zirkuswelt als Extremsportler auf dem Rad einen Namen gemacht. Später legte er sich ein Rudel Löwen zu und baute einen eigenen Zirkus auf. Als „Herr der 100 Löwen“ war er über Deutschland hinaus bekannt und behauptete, vom belgischen König in den Rang eines „Kapitäns“ erhoben zu sein. Mit seinen Löwen sprach der gebürtige Leipziger sächselnd. Die Tiere waren auch in Filmen zu sehen, wobei es bei den Arbeiten zu „Quo Vadis“ zu einem tödlichen Unfall kam. In der NS-Zeit sagte die Presse Schneider enge Kontakte zu Hermann Göring nach. Er ergänzte sein Programm um eine rassistische „Afrika-Schau“, für die schwarze Deutsche vorgeben mussten, Stammesbewohner und unzivilisiert zu sein. In Briefen an Behörden bediente Schneider rassistische Klischees und sexualisierte die Betroffenen mit Hinweis auf die „Rassegesetze“.

Während weite Teile des Zirkus nach der Pleite in Bonn andere Engagements fanden, waren besonders die Artistinnen und Artisten mitten in der Saison verzweifelt und hielten sich mit spontanen Aufführungen über Wasser. Schneider, wegen Fluchtgefahr verhaftet, kam bald wieder frei und führte später sein Geschäft fort, denn schon 1938 war er wieder bei Pützchens Markt aktiv. 1941 wurde er von seinen Tieren angegriffen und erlag kurz darauf in Berlin den Verletzungen.

Foto: Alfred Schneider inmitten seiner Löwen (Bundesarchiv CC BY-SA 3.0 de)



The tasks of city administration are varied, but caring for 40 lions, four elephants, eight bears, and various other animals must have come as a surprise to the city of Bonn in early summer 1937. The reason: the bankruptcy of Alfred Schneider’s circus, which had been stranded with its troupe on Frankenplatz due to a lack of audience.

Schneider had made a name for himself in the circus world as an extreme cyclist. Later, he acquired a pride of lions and built his own circus. Known as the “Lord of the 100 Lions,” he was famous beyond Germany’s borders and claimed to have been elevated to the rank of “Captain” by the King of Belgium. The native of Leipzig spoke to his lions with a Saxon accent. The animals also appeared in films, though a fatal accident occurred during the production of “Quo Vadis.” During the N**i era, the press alleged that Schneider had close ties to Hermann Göring. He expanded his program to include a racist “African show,” in which Black Germans were forced to pretend to be tribal people and uncivilized. In letters to public authorities, Schneider employed racist stereotypes and sexualized those affected by invoking the “Racial Laws.”

While large parts of the circus found other engagements after the bankruptcy in Bonn, the performers in particular were desperate in the middle of the season and tried to keep their heads above water with impromptu performances. Schneider, arrested on suspicion of attempting to flee the country, was soon released and later resumed his business, as he was active again at Pützchen’s Market as early as 1938. In 1941, he was attacked by his animals and succumbed to his injuries shortly thereafter in Berlin.

Die Erinnerung an den Holocaust steht vor großen Herausforderungen: Zeitzeug*innen sterben, die historische Distanz wäch...
29/05/2026

Die Erinnerung an den Holocaust steht vor großen Herausforderungen: Zeitzeug*innen sterben, die historische Distanz wächst und zugleich nehmen Antisemitismus und Geschichtsverfälschung zu. Wie kann ein lebendiges, verantwortungsvolles Gedenken unter diesen Bedingungen gelingen?

Die Lesung „Gedenken neu denken“ der Autorin Susanne Siegert lädt dazu ein, über Formen, Sprache und Verantwortung des Erinnerns nachzudenken.

Susanne Siegert, Jahrgang 1992, ist Journalistin und Influencerin zum Thema Gedenken an den Nationalsozialismus in Deutschland. Unter .erinnerungskultur klärt sie auf Instagram und TikTok über den Holocaust und NS-Verbrechen auf und wurde für Ihr innovatives Engagement mehrfach ausgezeichnet.

Im Mittelpunkt der Lesung steht die Frage, wie das Gedenken an den Holocaust heute und in Zukunft gestaltet werden muss, um seiner historischen Bedeutung gerecht zu werden und zugleich kommende Generationen zu erreichen. Siegerts Präsentationsansatz verbindet dabei historische Reflexion mit modernen Kommunikationsformen.

Ort: Robert-Wetzlar-Berufskolleg, Kölnstraße 229, 53117 Bonn
Beginn: 17 Uhr
Der Eintritt ist frei.
Veranstalter: Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn & Robert-Wetzlar-Berufskolleg

Fotos: Ina Lebedjew, Buchcover | Piper Verlag GmbH

[English version below]Für Paula Guth war Bonn nur eine Station auf der Flucht vor den Nationalsozialisten. Geboren wurd...
27/05/2026

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Für Paula Guth war Bonn nur eine Station auf der Flucht vor den Nationalsozialisten. Geboren wurde sie am 27.05.1875 in Soest als Paula Dickhoff. Ihre Eltern waren der jüdische Viehhändler Bernhard Dickhoff und seine Ehefrau Rosalie Sommer. Als sie zwei Jahre alt war, verstarb ihr Vater. Paula lebte mit ihrer Mutter zusammen in Münster, ging als junge Frau jedoch nach Dortmund, wo sie in der Düsseldorfer Straße 8 eine Unterkunft fand und als Verkäuferin arbeitete.

Am 18. August 1898 heiratete sie in Dortmund den Instrumentenbauer Albert Guth. Dieser stammte ursprünglich aus Breslau, war vier Jahre älter als seine Braut und evangelischer Konfession. Im Mai 1899 wurde dem Paar Sohn Paul geboren. Gemeinsam lebte die Familie unter verschiedenen Adressen in Dortmund, ehe sie sich spätestens in den 1920ern zwischenzeitlich im thüringischen Rudolstadt niederließ. Mit Beginn der NS-Zeit gerieten vor allem Paula Guth und ihr Sohn zunehmend in den Fokus nationalsozialistischer Verfolgung. Paul gelang rechtzeitig die Emigration nach Brasilien, wo er die NS-Zeit überlebte. Paula Guth war durch ihre Ehe zunächst noch geschützt, zog mit ihrem Mann jedoch in diesen Jahren mehrfach um.

Zunächst ging es für eine Weile nach Bonn. Anschließend ließ das Paar sich im heutigen Niedersachsen in Bad Pyrmont in der Mühlenstraße 13, wenige Gehminuten vom Schloss entfernt, nieder. Von dort wurde Paula Guth im Februar 1945 über Hannover in das KZ Theresienstadt im heutigen Tschechien deportiert. Sie überlebte das Lager und kehrte nach Bad Pyrmont zurück, wo im Jahr 1965 ihr Mann verstarb. Über Paula Guths weiteren Lebensweg ist bislang nichts bekannt.

Bild: Brunnenplatz in Bad Pyrmont 1914



For Paula Guth, Bonn was just one stop on her flight from the N**is. She was born on May 27, 1875, in Soest as Paula Dickhoff. Her parents were the Jewish cattle dealer Bernhard Dickhoff and his wife Rosalie Sommer. Her father died when she was two years old. Paula lived with her mother in Münster, but as a young woman she moved to Dortmund, where she found lodging at Düsseldorfer Straße 8 and worked as a saleswoman.

On August 18, 1898, she married the instrument maker Albert Guth in Dortmund. He was originally from Breslau, was four years older than his bride, and was of the Protestant faith. In May 1899, the couple’s son Paul was born. The family lived together at various addresses in Dortmund before settling, at the latest in the 1920s, in Rudolstadt, Thuringia. With the onset of the N**i era, Paula Guth and her son in particular increasingly came under the scrutiny of N**i persecution. Paul managed to emigrate to Brazil in time, where he survived the N**i era. Paula Guth was initially protected by her marriage, but she and her husband moved several times during those years.

First, they went to Bonn for a while. The couple then settled in Bad Pyrmont, in what is now Lower Saxony, at Mühlenstraße 13, just a few minutes’ walk from the castle. From there, Paula Guth was deported in February 1945 via Hanover to the Theresienstadt concentration camp in what is now the Czech Republic. She survived the camp and returned to Bad Pyrmont, where her husband died in 1965. Nothing is known so far about Paula Guth’s subsequent life.

[English version below]Was ist den eigenen Freundinnen, Freunden und Angehörigen widerfahren? Hat jemand aus der Familie...
26/05/2026

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Was ist den eigenen Freundinnen, Freunden und Angehörigen widerfahren? Hat jemand aus der Familie überlebt und wenn ja, wo? Fragen wie diese stellten sich für alle europäischen Jüdinnen und Juden, die dem Zugriff der Nationalsozialisten entkommen konnten. Auch Jahre und zum Teil Jahrzehnte später kannten sie häufig nur mehr oder weniger zutreffende Bruchstücke der Verfolgungsgeschichte ihrer Liebsten. Gerade in der unmittelbaren Nachkriegszeit erschien die Suche nach einzelnen Verfolgten oft aussichtslos.

Doch es gab durchaus Versuche, Abhilfe zu schaffen. So fertigten Hilfsorganisationen Listen mit den Namen der Jüdinnen und Juden an, die das NS-Regime in Deutschland und den besetzten Staaten überlebt hatten. Eine davon war die Jewish Agency for Israel, ein zionistisches Hilfswerk für die Vernetzung von Jüdinnen und Juden und deren Einwanderung ins britische Mandatsgebiet. Am 25.05.1945 wurde berichtet, dass diese u.a. Namen von Überlebenden aus Bonn, Frankfurt, Mönchengladbach und Piotrków zusammengestellt hatte. Die Listen wurden für jedermann einsehbar in Tel Aviv, Haifa und Jerusalem in den Büros des „Irgun Olej Merkas Europa“ ausgelegt. Dieser vertrat vor allem die Interessen deutschsprachiger Einwanderer und organisierte für sie Hilfen und ein Kulturprogramm.

So kurz nach dem Kriegsende konnten die Listen nicht vollständig sein und ohnehin gingen nur die wenigsten Hoffnungen auf überlebende Liebste in Erfüllung. Doch in Zeiten absoluter Unsicherheit boten sie ein wichtiges Stück Information und halfen für die Überlebenden Unterstützung durch Freundinnen, Freunde und Verwandte zu organisieren.



What had happened to their friends and relatives? Had anyone in the family survived, and if so, where? Questions like these were on the minds of all European Jews who had managed to escape the N**is. Even years, and in some cases decades, later, they often knew only more or less accurate fragments of the story of their loved ones’ persecution. Especially in the immediate postwar period, the search for individual victims of persecution often seemed hopeless.

Yet there were certainly attempts to remedy the situation. Aid organizations compiled lists of the names of Jews who had survived the N**i regime in Germany and the occupied territories. One of these was the Jewish Agency for Israel, a Zionist relief organization dedicated to connecting Jews and facilitating their immigration to the British Mandate territory. On May 25, 1945, it was reported that the organization had compiled lists that included the names of survivors from Bonn, Frankfurt, Mönchengladbach, and Piotrków, among other places. The lists were made available for public viewing in Tel Aviv, Haifa, and Jerusalem at the offices of “Irgun Olej Merkas Europa.” This organization primarily represented the interests of German-speaking immigrants and organized assistance and a cultural program for them.

So soon after the end of the war, the lists could not be complete, and in any case, only very few hopes of finding surviving loved ones were fulfilled. Yet in times of absolute uncertainty, they provided a vital piece of information and helped survivors organize support from friends and relatives.

[English version below]Mit Joseph Goebbels besuchte einer der entscheidendsten geistigen Wegbereiter der NS-Verbrechen a...
22/05/2026

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Mit Joseph Goebbels besuchte einer der entscheidendsten geistigen Wegbereiter der NS-Verbrechen am 22.05.1936 seine alte Studienstadt Bonn. Goebbels, ab 1933 offiziell „Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda“ und Präsident der „Reichskulturkammer“, sollte die Bevölkerung für die Ideologie der Nationalsozialisten begeistern und richtete die gesamte Kultur- und Medienlandschaft zu diesem Zweck aus.

Im Mai 1936 landete er zunächst in Hangelar und kam dann zu einer Besprechung in das Bonner Hotel „Königshof“. Dort erwarteten ihn neben der lokalen NS-Prominenz auch Kulturschaffende wie die NS-Sympathisantin und Pianistin Elly Ney oder der Intendant des Bonner Stadttheaters Herwig. Anschließend ging es weiter zum wiedereröffneten Bonner Landesmuseum, das erst kurz zuvor seine Dauerausstellung ganz im Sinne des NS neu strukturiert hatte. Nach einer Besichtigung und Einführung durch den Museumsdirektor endete der Besuch auch schon wieder. „Der große Trommler des Führers“, wie ihn die örtliche Presse bezeichnete, hatte die Einladung zu einem Konzert des Beethovenfestes am Abend ausgeschlagen und war stattdessen weiter nach Bielefeld geflogen.

Kritische Töne musste Goebbels bei seiner Visite kaum fürchten. Stattdessen wurde er von neugierigen Bonnerinnen und Bonnern und den eigens einbestellten lokalen NS-Gliederungen am Wegesrand freudig empfangen. So sollten Besuche wie dieser auch die vermeintliche Nahbarkeit der NS-Größen demonstrieren und so die Beliebtheitswerte in der Bevölkerung und das Gemeinschaftsgefühl erhalten.

Foto: Joseph Goebbels mit lokalen NS-Größen kurz nach der Landung in Hangelar



On May 22, 1936, Joseph Goebbels, one of the most influential intellectual architects of the N**i regime, visited Bonn, the city where he had studied. Goebbels, who from 1933 onward served as the official “Reich Minister for Public Enlightenment and Propaganda” and president of the “Reich Chamber of Culture,” was tasked with inspiring the population with enthusiasm for N**i ideology and reorganized the entire cultural and media landscape to that end.

In May 1936, he first arrived in Hangelar and then went to the “Königshof” hotel in Bonn for a meeting. There, in addition to local N**i dignitaries, he was greeted by cultural figures such as the N**i sympathizer and pianist Elly Ney and the artistic director of the Bonn City Theater, Herwig. The group then proceeded to the reopened Bonn State Museum, which had only recently restructured its permanent exhibition entirely in line with N**i ideology. After a tour and an introduction by the museum director, the visit was already over. “The Führer’s great drummer,” as the local press called him, had declined an invitation to a Beethovenfest concert that evening and had instead flown on to Bielefeld.

Goebbels had little to fear from critical voices during his visit. Instead, he was joyfully welcomed along the way by curious Bonn residents and the specially summoned local N**i organizations. Visits like this were also intended to demonstrate the supposed approachability of N**i leaders, thereby maintaining their popularity among the population and fostering a sense of community.

[English version below]Ausgelassene Momente wie jenen auf dem Foto gab es für Alfred Weber nach 1933 kaum noch. Geboren ...
18/05/2026

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Ausgelassene Momente wie jenen auf dem Foto gab es für Alfred Weber nach 1933 kaum noch. Geboren wurde er am 18.05.1913 in Ipplendorf, einer heutigen Ortschaft von Rheinbach. Seine Eltern waren das jüdische Ehepaar David und Jeanette Weber (geborene Halm). Alfred hatte 2 Schwestern und einen Bruder, eine weitere Schwester starb bereits als Kleinkind. Die Familie lebte in Wormersdorf in der Ipplendorfer Straße 64. Auch als junger Erwachsener wohnte Alfred Weber noch dort und ging seinem Beruf als Kaufmann nach.

Am Tag nach den Novemberpogromen 1938 drangen SA-Männer in die Wohnung der Familie Weber ein. Sie zerschlugen die Möbel und Haushaltsgegenstände und warfen sie durch ein Fenster auf die Straße. Alfred Weber und sein Vater wurden verhaftet und zur angeblichen „Schutzhaft“ in das Konzentrationslager Dachau bei München gebracht. Bis zum 07.03.1939 musste Alfred Weber im KZ überleben. Anschließend kehrte er nach Wormersdorf zurück.

Teilen der Familie gelang rechtzeitig die Flucht aus Deutschland. So emigrierten Alfreds Schwestern nach Großbritannien und in das britische Mandatsgebiet Palästina. Er selbst, seine Eltern und sein Bruder wurden dagegen am 11.02.1942 in das zum Ghettolager für die jüdische Bevölkerung umfunktionierte Benediktinerinnen-Kloster nach Bonn-Endenich gebracht. In dieser Zeit musste Alfred Weber Zwangsarbeit leisten und beispielsweise Entwässerungsgräben ausheben. Im Juli 1942 erfolgte dann die Deportation nach Malyj Trostenez bei Minsk, wo Alfred Weber kurz nach seiner Ankunft ermordet wurde.

Foto: Alfred Weber (2. von rechts) mit Rheinbacher Freundinnen und Freunden (Stadtarchiv Rheinbach)



Moments of joy like the one captured in this photo were rare for Alfred Weber after 1933. He was born on May 18, 1913, in Ipplendorf, now a neighborhood of Rheinbach. His parents were David and Jeanette Weber (née Halm), a Jewish couple. Alfred had two sisters and a brother; another sister died as an infant. The family lived in Wormersdorf at 64 Ipplendorfer Straße. Even as a young adult, Alfred Weber still lived there and worked as a merchant.

The day after the November pogroms of 1938, SA men broke into the Weber family’s apartment. They smashed the furniture and household items and threw them out the window onto the street. Alfred Weber and his father were arrested and taken to the Dachau concentration camp near Munich for so-called “protective custody.” Alfred Weber had to survive in the concentration camp until March 7, 1939. He then returned to Wormersdorf.

Some members of the family managed to flee Germany in time. Alfred’s sisters, for instance, emigrated to Great Britain and to the British Mandate of Palestine. He himself, his parents, and his brother, however, were taken on February 11, 1942, to the Benedictine convent in Bonn-Endenich, which had been converted into a ghetto camp for the Jewish population. During this time, Alfred Weber was forced to perform hard labor, such as digging drainage ditches. In July 1942, he was deported to Malyj Trostenez near Minsk, where Alfred Weber was murdered shortly after his arrival.

[English version below]Hersch Drongs Leben in Deutschland war geprägt von Angst und Sorgen. Geboren wurde er am 14.05.18...
15/05/2026

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Hersch Drongs Leben in Deutschland war geprägt von Angst und Sorgen. Geboren wurde er am 14.05.1881 in Warschau in eine jüdische Familie. Während des Ersten Weltkrieges wurde er von der Beueler Möbelfabrik als Facharbeiter angeworben. Nach dem Ende des Krieges kamen seine Frau Scheva und der 1912 geborene Sohn Gimeck zu ihm nach Beuel. Die Familie lebte zunächst in der Wilhelmstraße, dann in der Bonner Straße (der heutigen Rheindorfer Straße). 1920 wurde mit Samuel ein zweiter Sohn geboren. Hersch (auch Hermann)

Drong wurde während der Wirtschaftskrise mehrfach arbeitslos. Die Familie konnte wegen ihrer polnischen Staatsbürgerschaft keine Hilfen vom deutschen Staat beantragen, da ihnen sonst die Abschiebung drohte. Die Situation belastete Scheva Drong so stark, dass ihre psychische Gesundheit litt. Zwei Jahre lang war sie wegen einer diagnostizierten Psychose in stationärer Behandlung. Samuel musste deshalb im jüdischen Kinderheim in Köln weiter aufwachsen. 1931 startete ein formelles Ausweisungsverfahren gegen die Familie. Diese musste die Wohnung aufgeben und in eine Vilicher Barackensiedlung ziehen. Erneut erkrankte Scheva Drong und blieb diesmal dauerhaft in stationärer Behandlung. Zwar war Polen nicht bereit, die Familie aufzunehmen, doch das Ausweisungsverfahren gegen sie blieb bestehen.

1937 gelang Gimeck Drong die Flucht in das britische Mandatsgebiet Palästina. Ein Jahr darauf wurden Hersch Drong und sein Sohn Samuel in der sogenannten „Polenaktion“ aus Deutschland nach Polen abgeschoben. Von ihnen fehlt jede weitere Nachricht. Scheva Drong blieb in der Klinik und wurde ein Opfer der nationalsozialistischen Morde.

Foto: Symbolbild



Hersch Drong’s life in Germany was marked by fear and worry. He was born on May 14, 1881, in Warsaw to a Jewish family. During World War I, he was hired as a skilled worker by the Beuel furniture factory. After the war ended, his wife Scheva and their son Gimeck, born in 1912, joined him in Beuel. The family first lived on Wilhelmstraße, then on Bonner Straße (now Rheindorfer Straße). In 1920, a second son, Samuel, was born. Hersch (also known as Hermann)

Drong became unemployed several times during the economic crisis. Because of their Polish citizenship, the family could not apply for assistance from the German government, as they would otherwise have faced deportation. The situation weighed so heavily on Scheva Drong that her mental health suffered. She was hospitalized for two years after being diagnosed with psychosis. As a result, Samuel had to continue growing up in the Jewish children’s home in Cologne. In 1931, formal deportation proceedings were initiated against the family. They were forced to give up their apartment and move to a barracks settlement in Vilich. Scheva Drong fell ill again and, this time, remained in inpatient care permanently. Although Poland was unwilling to accept the family, the deportation proceedings against them continued.

In 1937, Gimeck Drong managed to flee to the British Mandate of Palestine. A year later, Hersch Drong and his son Samuel were deported from Germany to Poland as part of the so-called “Poland Action.” There has been no further news of them. Scheva Drong remained in the clinic and became a victim of the N**i murders.

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