20/07/2021
20 Jahre G8 Gipfel – 20 Jahre Schande von Genua
Vom 18. - 22. Juni 2001 fand in der italienischen Hafenstadt Genua der 27. G8-Gipfel statt. Wie schon bei dem EU-Gipfel in Göteborg einen Monat zuvor und dem Treffen der WTO in Seattle 1999 waren Proteste der sich damals im Aufbau befindenden „Anti-Globalisierungsbewegung“ angekündigt. Wie auch in Seattle und Göteborg war der Gipfel von gewalttätigen Ausschreitungen und Auseinandersetzungen zwischen Polizist*innen und Demonstrant*innen überschattet. Am 20. Juli, dem dritten Tag des Gipfels, erschoss ein Carabinieri den erst 23jährigen italienischen Studenten Carlos Giuliani. Der Polizist berief sich auf Notwehr und wurde freigesprochen. Dem Gericht zur Folge prallte die Kugel von einem fliegenden Stein ab und traf erst deswegen Giuliani. Foto- und Videomaterial nähren berechtige Zweifel an dieser Darstellung.
Während der Tod von Carlos Giuliani auch in Deutschland bekannt ist, sind die Ereignisse in der Bolzaneto-Kaserne zunehmend in Vergessenheit geraten. Dabei bleibt man mit Entsetzen zurück, wenn man die Bericht der Betroffenen liest. Es mutet unvorstellbar an, dass im Jahr 2001 in einem Gründungsland der EU bzw. ihrer Vorläufer die Menschenrechte von Gefangenen für drei Tage ausgesetzt waren und der Staat sich wie eine Militärdiktatur verhielt.
Die Gipfel-Demonstrant*innen, die in die als Gefängnis fungierende Bolzaneto-Kaserne verschleppt wurden, erlebten in den folgenden Tagen brutale Gewalt, Misshandlungen, menschenverachtende Demütigungen und neonazistische Polizisten. Oder wie ein italienischer Journalist schrieb: „Folter. Das Wort ist weder unangemessen noch überspannt.“
Dort ereignete sich tagelange und massenhafte Folter von politischen Gefangenen; mitten in Europa. Bei der Lektüre des Artikels des italienischen Journalisten Guiseppe d'Avanzo bleibt einem die Luft weg, weswegen wir ihn ausdrücklich mit einer Triggerwarnung versehen möchten. Es sind Berichte, die einen an faschistische Diktaturen erinnern.
Im Juli 2001 gingen Bilder um die Welt von Straßenschlachten beim G-8-Gipfel in Italien. Zu sehen und zu hören war von Schlägen, Tritten und Reizgas. Aber für das, was die Verhafteten dann erwartete, gibt es nur ein Wort – Folter.