29/09/2025
Offizielle Erklärung des Generalkonsulats der Islamischen Republik Afghanistan in Bonn zur Zulassung eines Ta*liban-Gesandten durch die Bundesrepublik Deutschland und zur Übergabe des Generalkonsulats an einen Vertreter dieser Gruppe
29. September 2025
Das Generalkonsulat der Islamischen Republik Afghanistan in Bonn hat afghanischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern in seinem konsularischen Zuständigkeitsbereich stets mit Stolz und Verantwortungsbewusstsein gedient. Im Laufe der Jahre hat diese Mission zudem eine zentrale Rolle als Anlaufstelle für technische und konsularische Unterstützung afghanischer diplomatischer und konsularischer Vertretungen in der Europäischen Union, in Kanada, in den Vereinigten Staaten und in Australien gespielt.
Seit August 2021, angesichts enormer politischer und operativer Herausforderungen, hat das Generalkonsulat unbeirrt an seinem Bekenntnis festgehalten, unseren Landsleuten im Einklang mit der Verfassung und den übrigen Gesetzen der Islamischen Republik Afghanistan transparente, professionelle und unpolitische Dienstleistungen anzubieten.
Durch die Wahrung seiner beruflichen Unabhängigkeit hat die Vertretung außerdem auch weiterhin andere afghanische Auslandsvertretungen unterstützt, afghanischen Staatsangehörigen in der EU, in Kanada, den Vereinigten Staaten und Australien technische und konsularische Dienstleistungen auf höchstem Niveau zu bieten.
In den letzten vier Jahren wurden sensible Informationen und Dokumente von Hunderttausenden afghanischer Staatsangehöriger, insbesondere von jenen, die im Rahmen von Umsiedlungs- und humanitären Programmen nach Europa, Kanada, in die Vereinigten Staaten und nach Australien evakuiert wurden, in dieser Mission sicher aufbewahrt. Diese Unterlagen wurden unter strikter Beachtung technischer und ethischer Standards geschützt und unter keinen Umständen an das Taliban-Regime weitergegeben.
Darüber hinaus hat diese Vertretung lange Zeit als sicherer Aufbewahrungsort für zentrale Dokumente und Kommunikation des Außenministeriums sowie afghanischer Auslandsvertretungen weltweit gedient.
Angesichts der jüngsten Entscheidung des Gastlandes, die Abschiebung bestimmter afghanischer Staatsangehöriger wieder aufzunehmen, und angesichts des zunehmenden Drucks auf dieses Generalkonsulat hat die deutsche Regierung zwei von den Taliban nominierte Personen als akkreditierte Diplomaten akzeptiert. Obwohl wir die souveränen Entscheidungen des Gastlandes anerkennen, bereitet uns diese Entwicklung große Sorge, da die Taliban weiterhin nicht international anerkannt sind und von den Vereinten Nationen ausgeschlossen bleiben. Dies wirft auch wichtige Fragen hinsichtlich der künftigen diplomatischen Beziehungen und der Einhaltung bestehender internationaler Normen auf.
Einer dieser Vertreter soll nun die Leitung dieser Vertretung in Bonn, einschließlich ihrer koordinierenden Funktion für konsularische und technische Dienstleistungen gegenüber afghanischen Auslandsvertretungen in Europa, Nordamerika und Australien, übernehmen.
Angesichts unseres unerschütterlichen Eintretens für die Werte von Demokratie, Menschenrechten und grundlegenden Freiheiten – insbesondere das Recht von Frauen auf Bildung und den Schutz ethnischer und religiöser Minderheiten – und in Anbetracht der fehlenden inneren Legitimität der Taliban, ihres fortgesetzten Ausschlusses von den Vereinten Nationen und der Abwesenheit formeller Anerkennung im In- und Ausland, sehen wir uns unter diesen neuen Umständen außerstande, unseren Dienst fortzusetzen.
In Reaktion auf die Entscheidung des Gastlandes und aus Ablehnung einer Legitimierung der diplomatischen Vertretung von Repräsentanten einer illegitimen Gruppierung haben sich die Leitung und das gesamte Personal des Generalkonsulats der Islamischen Republik Afghanistan in Bonn dazu entschlossen, mit sofortiger Wirkung geschlossen zurückzutreten.
Sämtliche diplomatischen Vermögenswerte einschließlich Archive, Ausstattung und Räumlichkeiten, die dem afghanischen Volk gehören und uns anvertraut wurden, werden dem Auswärtigen Amt Deutschlands entsprechend den Wiener Übereinkommen von 1961 und 1963 über diplomatische und konsularische Beziehungen übergeben. Wir gehen davon aus, dass dieses Material aufbewahrt wird, bis in Afghanistan eine legitime und inklusive Regierung errichtet ist.
Das Generalkonsulat Afghanistans in Bonn bringt der afghanischen Gemeinschaft in Deutschland seinen tiefempfundenen Dank zum Ausdruck. In den vergangenen vier Jahren waren Ihre Unterstützung, Ihr Vertrauen und Ihre Zusammenarbeit eine Quelle der Stärke und Ermutigung für diese Mission. Trotz schwieriger Umstände haben Ihre Geduld, Ihr Verständnis und Ihr anhaltendes Engagement es uns ermöglicht, unsere Aufgaben mit Würde und Zielstrebigkeit wahrzunehmen. Ihnen zu dienen war uns eine Ehre und eine tiefgreifende Verantwortung. Ihr Durchhaltevermögen, Ihre Einheit und Ihr unerschütterliches Engagement für eine bessere Zukunft Afghanistans sind uns Inspiration.
Ebenso drücken wir unseren aufrichtigen Dank gegenüber allen Partnerinstitutionen, Organisationen und Einzelpersonen im Gastland für ihre Zusammenarbeit, ihr Vertrauen und ihren guten Willen im Verlauf dieser historischen Mission aus.
Wir bleiben zuversichtlich, dass Afghanistan schon bald die Rückkehr einer Regierung erleben wird, die auf dem Willen seines Volkes gründet und sich zu Gerechtigkeit, Gleichheit und Frieden bekennt.
Mit tiefem Respekt und Dankbarkeit,
Generalkonsulat der Islamischen Republik Afghanistan
Bonn