27/08/2026
🎶 In Ketten zu tanzen und auf leichten Seilen am Abgrund sich zu halten.
Ist es das, was Interpretation bedeutet?
Wir laden Sie ein zum Science Talk mit Jo Wilhelm Siebert.
📆 Donnerstag, 3.9.2026, 18 Uhr
📍 Musikinstrumenten-Museum, Staatliches Institut für Musikforschung, Ben-Gurion-Straße 1, 10785 Berlin
🎫 Eintritt frei
Ohne einen Notentext als Grundlage dessen, was gespielt wird, würden wir nicht von musikalischer Interpretation im engeren Sinne sprechen. Ebenso wenig würden wir von Interpretation sprechen ohne ein gewisses Maß an artistisch-souveränem Hinwegsetzen über die Vorschriften in einem solchen Notentext. Zwischen der Verbindlichkeit des Textes und den Spielräumen der Unverbindlichkeit, die dieser Text zugleich bietet und die ihn überhaupt erst interpretationsfähig machen, herrscht also ein strittiges Verhältnis. Dort gilt es, in Unfreiheit durch Spiel Freiheit herzustellen: in Ketten zu tanzen, auf leichten Seilen am Abgrund sich zu halten.
In zahlreichen Beispielen aus der Musikgeschichte wird die Unbändigkeit der interpretatorischen Freiheit illustriert und anhand von Aufnahmen der besondere Blick für das Mögliche beleuchtet, wie er Musikerinnen und Musikern beim Interpretieren eigen ist. Gerade dieser Blick öffnet den Spielraum der Werke, in dem durchaus verschiedene Lesarten desselben Textes ihren berechtigten und reizvollen Platz finden.