12/06/2026
Europa in Bewegung für Frieden und Abrüstung
In Brüssel findet am Sonntag, den 14. Juni, der europäische Marsch „Welfare, not Warfare“, „Soziale Gerechtigkeit statt Krieg“, statt, organisiert von der belgischen Front Stop Militarisation und der europäischen Koalition Stop ReArm Europe. Gleichzeitig kann man in anderen europäischen Metropolen Friedensaktionen erleben. Am 20. Juni findet in London eine internationale Antikriegskonferenz statt. Wichtig an diesen Aktivitäten, bei denen viele tausend Menschen ihren Friedenswillen demonstrieren werden, ist ihre politische Breite. Gewerkschafter der italienischen CGIL, der spanischen Arbeiterkommissionen CCOO und der französischen CGT werden anwesend sein, ebenso wie linke Parteien aus ganz Europa. Natürlich sind in allen Ländern auch die Mitgliedsverbände der FIR mit auf der Straße. Diese Bewegung zeigt eine europäische Mobilisierung, die schon Ende März bei den großen Aktionen in Rom und London gegen die amerikanische Kriegspolitik sichtbar war. Am 8. Mai gab es in Deutschland Schulstreiks gegen die Wehrpflicht. Im Juni nun gibt es Aktionen auf dem gesamten Kontinent bis nach Griechenland. Es bewegt sich etwas in Europa, und das ist notwendig.
Eine zentrale Botschaft lautet: „Wir bezahlen nicht für eure Kriege!“ Es geht gegen die Erhöhung der Militärausgaben, die in allen NATO Staaten geplant sind, sowie die 800 Milliarden, die im Rahmen des ReArm-Europe-Plans der Europäischen Kommission vorgesehen sind. Diese riesigen Ausgaben gehen zulasten der sozialen Grundversorgung, der Bildung, des Gesundheitswesens. Daher ist in vielen Aktionen eine direkte Verbindung zwischen den Forderungen der Friedensbewegung, der Sozialverbände und der Gewerkschaften zu erleben.
Bedeutend ist gleichermaßen die internationale Vernetzung der Bewegungen gegen Aufrüstung und Krieg. Die Konferenz in London liefert dafür einen wichtigen Beitrag. Hunderte Menschen werden aus ganz Europa kommen, um an den Beratungen teilzunehmen. Es wird nicht nur wichtige Analysen geben, man möchte hier zusammenkommen und ernsthafte strategische Diskussionen führen, wie die Antikriegsbewegung in ganz Europa und darüber hinaus zusammenarbeiten und konkrete Schritte unternehmen kann, heißt es in einem Aufruf.
Während die Regierenden – trotz Spannungen, wie beim deutsch-französischen Kriegsprojekt FCAS sichtbar – ihre Rüstungsanstrengungen international verbinden, muss auch die Antikriegsbewegung sich international organisieren. Denn alle Themen der Friedensbewegung und die weiteren politischen Krisen, wie Klimakatastrophe und der Aufstieg der extremen Rechten in verschiedenen Ländern lassen sich nur gemeinsam und auf internationaler Ebene angehen. Ob es dazu eines neuen politischen Netzwerkes auf europäischer Ebene braucht oder die vorhandenen Kräfte enger miteinander kooperieren müssen, ist eine strategische Frage, die noch weiter debattiert werden muss.
Die FIR und ihre Mitgliedsverbände sind natürlich interessiert, mit ihren Möglichkeiten sich in diesem Rahmen als Kraft, die seit ihrer Gründung vor 75 Jahren für Frieden und Abrüstung eingetreten ist, aktiv einzubringen. Es sind unsere historischen Erfahrungen und die Losung „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“, für die die Überlebenden und heutige Antifaschisten stehen, die auch für die Antikriegsbewegung von Bedeutung sind. Wichtig ist es, wie es uns gelingt, diese Losung des Jahres 1945 für heutige Generationen zu „übersetzen“, ihnen verständlich zu machen, dass antifaschistische Erinnerungspolitik immer verbunden ist mit politischem Handeln für heute und morgen.
Aber in dieser Hinsicht können wir optimistisch sein. Viele junge Menschen sind aktiv gegen die Wiedereinführung von Wehrpflicht oder andere Formen der Verpflichtung zum Kriegseinsatz. Sie treten ein für eine angemessene Finanzierung von Schulen und Hochschulen und gegen eine Militarisierung selbst der Universitäten, sie engagieren sich gegen das System der Korruption bei der Rüstungsfinanzierung und andere Machenschaften und sie zeigen große Bereitschaft, sich mit den vom Krieg betroffenen Ländern und Völkern, insbesondere in der Palästina-Solidarität, zu engagieren. Es ist eine Herausforderung, aber auch eine Verpflichtung für die FIR und ihre Mitgliedsverbände, mit diesen jungen Menschen in Bewegung im Dialog zu bleiben und mit ihnen gemeinsam über die anstehenden politischen Herausforderungen zu beraten. Dann können wir unsere Vision einer „neuen Welt des Friedens und der Freiheit“ einen Schritt nach vorne bringen.