FIR - International Federation of Resistance Fighters

FIR - International Federation of Resistance Fighters International Federation of Resistance Fighters - Association of Anti-fascists
Fédération Internationale des Résistants - Association antifasciste

The International Federation of the Resistance Fighters (FIR) - association of the anti-fascists is the umbrella organisation of federations of former resistance fighters, partisans, members of the anti-Hitler coalition, pursued of the Nazi-regime and anti-fascist of today's generations from over twenty countries of Europe and Israel.

12/06/2026

Europa in Bewegung für Frieden und Abrüstung

In Brüssel findet am Sonntag, den 14. Juni, der europäische Marsch „Welfare, not Warfare“, „Soziale Gerechtigkeit statt Krieg“, statt, organisiert von der belgischen Front Stop Militarisation und der europäischen Koalition Stop ReArm Europe. Gleichzeitig kann man in anderen europäischen Metropolen Friedensaktionen erleben. Am 20. Juni findet in London eine internationale Antikriegskonferenz statt. Wichtig an diesen Aktivitäten, bei denen viele tausend Menschen ihren Friedenswillen demonstrieren werden, ist ihre politische Breite. Gewerkschafter der italienischen CGIL, der spanischen Arbeiterkommissionen CCOO und der französischen CGT werden anwesend sein, ebenso wie linke Parteien aus ganz Europa. Natürlich sind in allen Ländern auch die Mitgliedsverbände der FIR mit auf der Straße. Diese Bewegung zeigt eine europäische Mobilisierung, die schon Ende März bei den großen Aktionen in Rom und London gegen die amerikanische Kriegspolitik sichtbar war. Am 8. Mai gab es in Deutschland Schulstreiks gegen die Wehrpflicht. Im Juni nun gibt es Aktionen auf dem gesamten Kontinent bis nach Griechenland. Es bewegt sich etwas in Europa, und das ist notwendig.
Eine zentrale Botschaft lautet: „Wir bezahlen nicht für eure Kriege!“ Es geht gegen die Erhöhung der Militärausgaben, die in allen NATO Staaten geplant sind, sowie die 800 Milliarden, die im Rahmen des ReArm-Europe-Plans der Europäischen Kommission vorgesehen sind. Diese riesigen Ausgaben gehen zulasten der sozialen Grundversorgung, der Bildung, des Gesundheitswesens. Daher ist in vielen Aktionen eine direkte Verbindung zwischen den Forderungen der Friedensbewegung, der Sozialverbände und der Gewerkschaften zu erleben.
Bedeutend ist gleichermaßen die internationale Vernetzung der Bewegungen gegen Aufrüstung und Krieg. Die Konferenz in London liefert dafür einen wichtigen Beitrag. Hunderte Menschen werden aus ganz Europa kommen, um an den Beratungen teilzunehmen. Es wird nicht nur wichtige Analysen geben, man möchte hier zusammenkommen und ernsthafte strategische Diskussionen führen, wie die Antikriegsbewegung in ganz Europa und darüber hinaus zusammenarbeiten und konkrete Schritte unternehmen kann, heißt es in einem Aufruf.
Während die Regierenden – trotz Spannungen, wie beim deutsch-französischen Kriegsprojekt FCAS sichtbar – ihre Rüstungsanstrengungen international verbinden, muss auch die Antikriegsbewegung sich international organisieren. Denn alle Themen der Friedensbewegung und die weiteren politischen Krisen, wie Klimakatastrophe und der Aufstieg der extremen Rechten in verschiedenen Ländern lassen sich nur gemeinsam und auf internationaler Ebene angehen. Ob es dazu eines neuen politischen Netzwerkes auf europäischer Ebene braucht oder die vorhandenen Kräfte enger miteinander kooperieren müssen, ist eine strategische Frage, die noch weiter debattiert werden muss.
Die FIR und ihre Mitgliedsverbände sind natürlich interessiert, mit ihren Möglichkeiten sich in diesem Rahmen als Kraft, die seit ihrer Gründung vor 75 Jahren für Frieden und Abrüstung eingetreten ist, aktiv einzubringen. Es sind unsere historischen Erfahrungen und die Losung „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“, für die die Überlebenden und heutige Antifaschisten stehen, die auch für die Antikriegsbewegung von Bedeutung sind. Wichtig ist es, wie es uns gelingt, diese Losung des Jahres 1945 für heutige Generationen zu „übersetzen“, ihnen verständlich zu machen, dass antifaschistische Erinnerungspolitik immer verbunden ist mit politischem Handeln für heute und morgen.
Aber in dieser Hinsicht können wir optimistisch sein. Viele junge Menschen sind aktiv gegen die Wiedereinführung von Wehrpflicht oder andere Formen der Verpflichtung zum Kriegseinsatz. Sie treten ein für eine angemessene Finanzierung von Schulen und Hochschulen und gegen eine Militarisierung selbst der Universitäten, sie engagieren sich gegen das System der Korruption bei der Rüstungsfinanzierung und andere Machenschaften und sie zeigen große Bereitschaft, sich mit den vom Krieg betroffenen Ländern und Völkern, insbesondere in der Palästina-Solidarität, zu engagieren. Es ist eine Herausforderung, aber auch eine Verpflichtung für die FIR und ihre Mitgliedsverbände, mit diesen jungen Menschen in Bewegung im Dialog zu bleiben und mit ihnen gemeinsam über die anstehenden politischen Herausforderungen zu beraten. Dann können wir unsere Vision einer „neuen Welt des Friedens und der Freiheit“ einen Schritt nach vorne bringen.

12/06/2026

Europe on the Move for Peace and Disarmament

On Sunday, June 14, the European march “Welfare, not Warfare” (“Social Justice, Not War”) will take place in Brussels, organized by the Belgian group Stop Militarisation and the European coalition Stop ReArm Europe. At the same time, peace demonstrations will be held in other major European cities. On June 20, an international anti-war conference will take place in London. What is significant about these activities, in which many thousands of people will demonstrate their commitment to peace, is their broad political scope. Trade unionists from the Italian CGIL, the Spanish workers’ commissions CCOO, and the French CGT will be present, as well as left-wing parties from across Europe. Of course, the member organizations of the FIR are also taking to the streets in every country. This movement reflects a European mobilization that was already evident in late March during the major actions in Rome and London against U.S. war policy. On May 8, there were school strikes in Germany against military conscription. Now, in June, there are actions across the entire continent, all the way to Greece. Something is stirring in Europe, and that is necessary.
A central message is: “We won’t pay for your wars!” The protests are directed against the increase in military spending planned in all NATO countries, as well as the 800 billion euros earmarked under the European Commission’s ReArm Europe plan. This massive spending lowers the expense of basic social services, education, and healthcare. Consequently, many actions demonstrate a direct connection between the demands of the peace movement, social organizations, and trade unions.
Equally significant is the international networking of movements against rearmament and war. The conference in London makes an important contribution to this. Hundreds of people will come from all over Europe to participate in the discussions. There will not only be important analyses; the aim is to come together here and engage in serious strategic discussions on how the anti-war movement across Europe and beyond can collaborate and take concrete steps, according to a call to action.
While those in power—despite tensions, as seen in the Franco-German FCAS war project—are coordinating their arms efforts internationally, the anti-war movement must also organize internationally. For all the issues of the peace movement and the broader political crises—such as the climate catastrophe and the rise of the far right in various countries—can only be addressed collectively and at the international level. Whether this requires a new political network at the European level or whether existing forces must cooperate more closely is a strategic question that needs further debate.
The FIR and its member organizations are, of course, interested in actively contributing within this framework, using the resources at their disposal, as a force that has advocated for peace and disarmament since its founding 75 years ago. It is our historical experiences and the slogan “Never again fascism! Never again war!”—which the survivors and today’s anti-fascists stand for—that are also significant for the anti-war movement. What matters is how we succeed in “translating” this slogan from 1945 for today’s generations, making them understand that anti-fascist remembrance policy is always linked to political action for today and tomorrow.
But in this regard, we can be optimistic. Many young people are actively opposing the reintroduction of conscription or other forms of compulsory military service. They advocate for adequate funding for schools and universities and oppose the militarization of even universities; they are committed to fighting the system of corruption in arms financing and other schemes; and they show a great willingness to engage with countries and peoples affected by war, particularly in solidarity with Palestine.
It is a challenge, but also an obligation for the FIR and its member federations, to remain in dialogue with these young people in the movement and to discuss the upcoming political challenges together with them. Then we can take our vision of a “new world of peace and freedom” one step forward.

05/06/2026

Vor 90 Jahren in Frankreich: Volksfront-Politik gegen Rechtsentwicklung

Wir erinnern daran, dass vor 90 Jahren das gemeinsame Handeln der Arbeiterparteien und anderer antifaschistischer Kräfte in Frankreich zu einem politischen Machtwechsel geführt hat. Der Sozialist Léon Blum (SFIO) wurde am 4. Juni 1936 Premierminister („Président du Conseil“) einer linken Koalitionsregierung, unterstützt von den kommunistischen Abgeordneten, ohne dass die PCF selber in diese Regierung eintrat.
Schon im Frühjahr 1936 hatten sich die linken Parteien gegen die Gefahren der Rechtsentwicklung auf ein Volksfront-Programm verständigten. Hinzukam, dass auch die Spaltung der Gewerkschaftsbewegung nach langjähriger Spaltung überwunden werden konnte. So entstand Anfang 1936 die parteiübergreifende „Confédération General du Travail“ (CGT) als einflussreichste Massenorganisation.
Für die im Mai 1936 anstehenden Parlamentswahlen verständigten sich die linken Parteien, im zweiten Wahlgang den jeweils Bestplatzierten als gemeinsamen Kandidaten zu unterstützen.
Damit konnte die Linke deutlich mehr Mandate erreichen als in allen vorherigen Wahlgängen. Zwar hatte sich das Stimmenverhältnis zwischen den Blöcken der Rechtsparteien und der linken Parteien nur geringer verändert (die Parteien der Rechten verloren 100.000 Stimmen = 4,2 Millionen, die Linken gewannen 300.000 Stimmen = 5,4 Millionen), dennoch erreichten die Parteien der Volksfront bei den Kammerwahlen im Mai 1936 eine klare Mehrheit, wobei der PCF nicht nur seine Wählerzahl auf 1,5 Mio. verdoppelte, sondern die Mandatszahlen auf 72 Abgeordnete versechsfachte.

Obwohl es noch kein gesetzliches Frauenwahlrecht gab, holte Blum auch drei Ministerinnen ins Kabinett. Die Reaktion der extremen Rechten und ihrer Medien waren entsprechend. Gegen Leon Blum wurde – in der Tradition der Dreyfus-Affäre – eine antisemitische Kampagne gegen den „juif errant“ (wurzellosen Juden) entfacht, die vor unhaltbaren Verdächtigungen und bösartigen Spekulationen nicht zurückschreckte.

Die Volksfront-Regierung weckte in Frankreich hohe Erwartungen an eine linke politische Entwicklung. In spontanen Massenbewegungen entlud sich der jahrelang aufgestaute soziale Druck. Eine Streikbewegung erfasste das ganze Land. In Betrieben und Verwaltungen begannen Kämpfe gegen politische Kündigungen oder für wirtschaftspolitische Forderungen. Auf dem Höhepunkt der Streikwelle Anfang Juni 1936 kämpften anderthalb bis zwei Millionen Lohnabhängige. Diese Bewegung erfasste nicht nur Arbeiter, sondern fand Unterstützung bei Bauern, kleinen Händlern und selbst Geschäftsleuten. Sie versorgten die Streikenden mit Nahrungsmitteln.

Das Ergebnis waren die „Accords Matignon“. Damit wurde geregelt: sofortiger Abschluss kollektiver Arbeitsverträge; Anerkennung der Gewerkschaften und Einstellung jeglicher Diskriminierungsmaßnahmen wegen Gewerkschaftszugehörigkeit und -tätigkeit; Wahl von Arbeiterdelegierten in den Betrieben; Anpassung anormal niedriger Löhne und eine allgemeine Lohnerhöhung von durchschnittlich 12%.
Diese Vertragsbestimmungen wurden ergänzt durch eine Reihe von Sozialgesetzen, die in den folgenden Tagen im Parlament zur Abstimmung gelangten: Einführung der Vierzigstundenwoche; Gesetz über den kollektiven Arbeitsvertrag; bezahlter Urlaub von zwei Wochen; Nationalisierung eines Teils der Rüstungsindustrie und Reorganisation der Banque de France.
Die Parlamentsbeschlüsse über die „Accords Matignon“ und die Sozialgesetzgebung liefen zumeist einstimmig. Zu groß war das Erschrecken – auch der rechten Parteien – über die Kampfbereitschaft auf betrieblicher Ebene, die spontanen Betriebsbesetzungen und andere Aktionsformen, deren „Ausufern“ man auf alle Fälle verhindern wollte. Die Annahme der Gesetze war zudem von den Streikausschüssen als Voraussetzung für eine Wiederaufnahme der Arbeit ausgegeben worden. Durch diese Beschlüssen wurde die Erinnerung an die Volksfront-Regierung nachhaltig geprägt.

Diese Volksfrontregierung zeigte anfangs eine deutliche antifaschistische Orientierung. Ausgehend von den Erfahrungen des faschistischen Februaraufstandes 1934 wurden am 30. Juni 1936 die rechtsextremen «Bünde» (ligues), die bestehenden Ansätze von faschistischen Massenorganisationen, verboten und aufgelöst. Auch bezogen auf die Ausländerpolitik änderte sich die Haltung der französischen Regierung. So wurde der rechtliche Status von politischen Flüchtlingen und rassisch Verfolgten verbessert. Sie mussten sich – nach einer bestimmten Aufenthaltsdauer in Frankreich – nicht mehr regelmäßig bei der Fremdenpolizei melden und bekamen zudem eine Arbeitsgenehmigung. Damit konnten viele Emigranten eine legale Existenz in Frankreich aufbauen.

Die Erinnerung an die Volksfront-Regierung in Frankreich zeigt, wie die Kraft der geeinten antifaschistischen Kräfte tatsächlich gegen Rechtsentwicklung und für soziale Verbesserungen eingesetzt werden kann. Wir vergessen aber auch nicht, dass die Regierung Blum bezogen auf die Verteidigung der spanischen Republik gegen den Franco-Putsch nach anfänglicher Unterstützung in Absprache mit der britischen Regierung das so genannte „Nicht-Einmischungs-Abkommen“ mit dem faschistischen Italien und Hitler-Deutschland abgeschlossen hat.

05/06/2026

90 Years Ago in France: Popular Front Politics Against the Rise of the Right

We recall that 90 years ago, the joint action of the workers’ parties and other anti-fascist forces in France led to a change in political power. On June 4, 1936, the Socialist Léon Blum (SFIO) became Prime Minister (“Président du Conseil”) of a left-wing coalition government, supported by Communist deputies, without the PCF itself joining the government.
As early as the spring of 1936, the left-wing parties had agreed on a Popular Front program in response to the dangers of a shift to the right. In addition, the division within the labor movement, which had persisted for many years, was finally overcome. Thus, in early 1936, the cross-party “Confédération Générale du Travail” (CGT) emerged as the most influential mass organization.
For the parliamentary elections scheduled for May 1936, the left-wing parties agreed to support the respective front-runner as their joint candidate in the second round of voting. As a result, the left was able to win significantly more seats than in any previous election. Although the number of votes between the blocs of right-wing and left-wing parties had changed only slightly (the right-wing parties lost 100,000 votes = 4.2 million, while the left-wing parties gained 300,000 votes = 5.4 million), nevertheless, the Popular Front parties achieved a clear majority in the Chamber elections in May 1936, with the PCF not only doubling its voter base to 1.5 million but also increasing its number of seats sixfold to 72 deputies.
Although women did not yet have legal suffrage, Blum also brought three female ministers into the cabinet. The reaction of the far right and its media was predictable. In the tradition of the Dreyfus Affair, an anti-Semitic campaign was launched against Leon Blum, targeting the “juif errant” (rootless Jew), which did not shy away from untenable suspicions and malicious speculation.
The Popular Front government raised high expectations in France for a left-wing political development. Years of pent-up social pressure erupted in spontaneous mass movements. A strike movement swept across the entire country. In factories and government offices, struggles began against political dismissals or in support of economic demands. At the height of the strike wave in early June 1936, one and a half to two million wage earners were involved in the struggle. This movement not only encompassed workers but also found support among farmers, small merchants, and even business people. They supplied the strikers with food.
The result was the “Accords Matignon.” These established: the immediate conclusion of collective bargaining agreements; recognition of trade unions and the cessation of all discriminatory measures based on union membership and activity; the election of worker delegates in the workplaces; the adjustment of abnormally low wages; and a general wage increase averaging 12%. These contractual provisions were supplemented by a series of social laws that were put to a vote in Parliament in the days that followed: the introduction of the forty-hour workweek; the law on collective bargaining agreements; two weeks of paid vacation; the nationalization of part of the arms industry; and the reorganization of the Banque de France.
The parliamentary resolutions on the “Accords Matignon” and the social legislation were mostly passed unanimously. The shock—even among the right-wing parties—at the militancy at the workplace level, the spontaneous factory occupations, and other forms of action was too great; they wanted to prevent these from “spilling over” at all costs. Moreover, the strike committees had made the passage of these laws a prerequisite for returning to work. These resolutions left a lasting mark on the legacy of the Popular Front government.
This Popular Front government initially demonstrated a clear anti-fascist orientation. Based on the experiences of the fascist February uprising of 1934, the far-right “leagues” (ligues)—the nascent forms of fascist mass organizations—were banned and dissolved on June 30, 1936. The French government’s stance on immigration policy also shifted. Consequently, the legal status of political refugees and those persecuted on racial grounds was improved. After residing in France for a certain period, they were no longer required to report regularly to the immigration authorities and were also granted work permits. This enabled many emigrants to build a legal life in France.
The legacy of the Popular Front government in France demonstrates how the strength of united anti-fascist forces can effectively be harnessed to counter right-wing tendencies and advance social improvements. However, we must not forget that, regarding the defense of the Spanish Republic against Franco’s coup, the Blum government—after initial support—concluded the so-called “Non-Intervention Pact” with fascist Italy and Hitler’s Germany in consultation with the British government.

29/05/2026

Vor 80 Jahren: Alles Gute zum Geburtstag, Italienische Republik

Am 2. Juni 1946 durften Frauen in Italien zum ersten Mal an Parlamentswahlen teilnehmen – nur wenige Monate zuvor hatten sie bereits bei Kommunalwahlen ihre Stimme abgegeben. Es handelte sich um eine zweigeteilte Wahl: Zum einen ging es darum, über die Staatsform zu entscheiden, zum anderen darum, die Verfassungsgebende Versammlung zu wählen, die anschließend für die Ausarbeitung und Verabschiedung der Verfassung zuständig sein sollte.
Drei außergewöhnliche Entwicklungen: das wirklich allgemeine Wahlrecht, die institutionelle Entscheidungsfindung und der Beginn des Verfassungsgebungsprozesses. Dies wären für jedes Land bedeutende Entwicklungen gewesen, doch kam noch der Unterschied in der Ausübung der tatsächlichen Macht zwischen den Aggressoren des Zweiten Weltkriegs hinzu.
Deutschland, Japan und Italien hatten die Welt angegriffen; die nationalsozialistischen, militaristischen und faschistischen Regime waren von den Alliierten besiegt worden, und die Grundlagen für den Wiederaufbau wurden gelegt. Während in Deutschland die vier Alliierten und in Japan die angloamerikanischen Alliierten die Nachkriegsbedingungen, einschließlich des institutionellen Rahmens, diktierten, indem sie die Verfassung gegenzeichneten oder sogar entwarfen (wie in Japan), waren es in Italien von Anfang an die demokratischen politischen Kräfte, die den Wiederaufbau leiteten, und die Bürger, die durch ihre freie Wahl entschieden. So konnten die Italiener selbst über ihre Zukunft sowie über die Grundprinzipien und Werte entscheiden, auf denen die neue nationale Gemeinschaft beruhte. Dies war möglich, weil die Befreiung vom Faschismus und den nationalsozialistischen Besatzern das Werk der Partisanenbewegung und des antifaschistischen Widerstands war.
Natürlich kämpften die alliierten Armeen in Italien und besiegten die Nationalsozialisten und Faschisten. Ohne die Massenbeteiligung am Widerstand hätte es jedoch nur die militärische Dimension gegeben, nicht aber die demokratische Teilhabe, die Verschmelzung von bewaffnetem Kampf und bürgerlichem Engagement oder die Wiederbelebung der Volkstraditionen – säkularer, katholischer, liberaler, sozialistischer und kommunistischer Prägung –, die der Faschismus über zwanzig Jahre lang unterdrückt hatte. Es waren vor allem Frauen und Männer jeden Alters und aus allen sozialen Schichten: nicht das ganze Volk, sondern aus dem ganzen Volk stammend. Und es wäre schwierig gewesen, Italien wieder aufzubauen, wenn das monarchistische Regime, das am Faschismus mitschuldig und mitverantwortlich war, an der Macht geblieben wäre.
Rund 25 Millionen Bürger gaben ihre Stimme ab, wobei 12,7 Millionen für die Republik, 10,7 Millionen für die Monarchie und 1,5 Millionen ungültige Stimmen abgegeben wurden. Nie zuvor hatte ein ganzes Volk aus freiem Willen über die Staatsform entschieden: Das war die große Stärke des italienischen Antifaschismus. Natürlich vertraten die Stimmen für die Monarchie konservative und reaktionäre Interessen, doch sie genossen große Unterstützung in der Bevölkerung, und die Demokratie musste diesen großen Teil der Bevölkerung für sich gewinnen. Demokratie ist ein tägliches Unterfangen, das ständig unter Druck steht und auf die Probe gestellt wird. Dennoch war die Entscheidung der antifaschistischen Parteien, an den Willen des Volkes zu appellieren, weitsichtig: Vertrauen in die Bürger, Vertrauen in die Freiheit, Vertrauen in die Demokratie.
Bei genauerer Betrachtung schien die Frage so einfach, doch dahinter verbarg sich etwas weit Tieferes. Es schien zu gehen um „Wollt ihr die Republik oder die Monarchie?“, doch die eigentliche Frage war viel tiefgreifender. Sie lautete wie folgt: Wollt ihr die Republik, d.h. fühlt ihr euch fähig, auf euch selbst, das italienische Volk, die gesamte Verantwortung, das größere Opfer, die größere Mitwirkung zu nehmen, die ein System verlangt, in dem alles – sogar das Staatsoberhaupt – von eurer Entscheidung abhängt, die ihr durch den Stimmzettel zum Ausdruck bringt? Wenn ihr mit Ja antwortet, bedeutet das, dass ihr eine feierliche Verpflichtung eingeht – für euch selbst, für eure Kinder, für die Kinder eurer Kinder –, euch mehr um die öffentlichen Angelegenheiten zu kümmern, als ihr es bisher getan habt, euch bewusst zu sein, dass dies eure Sache ist und nur eure, und ihr täglich Stunden des Interesses und der Arbeit dafür zu widmen.
Und so kommt es darauf an, dies heute, 80 Jahre nach jenen Tagen, zu bekräftigen, da die Stimmen derer, die für die Konzentration der Macht in wenigen Händen eintreten, immer lauter werden, die Rückkehr zu autoritären und undemokratischen Systemen, da Macht, Krieg und Diskriminierung unvermeidliche Wege zu sein scheinen. Die Entscheidung des Volkes von 1946 verpflichtet uns heute dazu, einen Weg aus den Krisen zu finden, uns für den Frieden einzusetzen und uns der Bekämpfung von Ungleichheit zu widmen – durch Bewusstseinsbildung, durch Teilhabe, kurz gesagt, durch eine erneuerte Demokratie.
Alessandro Pollio Salimbeni

29/05/2026

80 years ago: Happy Birthday, Italian Republic

2 June 1946, for the first time in Italy, women had the right to vote in general elections – just a few months earlier they had voted in local elections. It was a two-part vote: to decide the form of the state and to elect the Constituent Assembly, which would then be responsible for drafting and approving the Constitution.
Three extraordinary developments: truly universal suffrage, institutional decision-making, and the launch of the constitutional process. These would have been major developments for any country, but there was also the difference in the exercise of real power between the aggressor nations of the Second World War.
Germany, Japan and Italy had attacked the world; the N**i, militarist and fascist regimes had been defeated by the Allies, and the foundations for reconstruction were being laid. Whilst in Germany the four Allies and in Japan the Anglo-american Allies dictated the post-war conditions, including the institutional framework, by countersigning or even drafting the Constitution (as in Japan), in Italy it was the democratic political forces that guided the reconstruction from the very outset, and the citizens who decided through their free vote.
Italians were thus able to decide for themselves their future, and the fundamental principles and values underpinning the new national community. This was possible because liberation from fascism and the N**i occupiers was the work of the partisan movement and the anti-fascist Resistance.
Of course, the Allied armies fought in Italy and defeated the N**is and fascists. Without mass participation in the Resistance, however, there would have been only the military dimension but not democratic participation, the fusion of armed struggle and civic engagement, or the revival of popular traditions – secular, Catholic, liberal, socialist and communist – which fascism had crushed for over twenty years. They were, above all, women and men of all ages and from all social classes: not all the people but coming from all the people.
And it would have been difficult to rebuild Italy with the monarchical regime, which was complicit in and jointly responsible for fascism, remained in place.
Around 25 million citizens voted, with 12.7 million voting for the Republic, 10.7 million for the monarchy, and 1.5 million spoilt ballots.
Never before had an entire people decided the form of the state of their own free will: this was the great strength of Italian anti-fascism. Of course, the vote for the monarchy represented conservative and reactionary interests, but it had great popular support, and democracy needed to win over this large section of the population. Democracy is a daily endeavour, constantly under strain and put to the test. Yet the decision by the anti-fascist parties to appeal to the will of the people was far-sighted: trust in the citizens, trust in freedom, trust in democracy.
On closer inspection, the question seemed so simple, yet beneath it lay something far deeper. It appeared to be ‘do you want the Republic or the monarchy?’, but the real question was much deeper.
It went like this: do you want the Republic, that is, do you feel capable of taking upon yourselves, the Italian people, all the responsibility, all the greater sacrifice, all the greater participation demanded by a system in which everything—even the Head of State—depends on your personal decision, expressed through the ballot paper? If you answer yes, it means that you are making a solemn commitment – for yourselves, for your children, for your children’s children – to be more concerned with public affairs than you have been hitherto, to be aware that this is your business and yours alone, to devote daily hours of interest and work to it.

And so what matters is to reiterate this today, 80 years on from those days, when the voices of those advocating power concentrated in a few hands are growing louder, the return to authoritarian and undemocratic systems, when power, war and discrimination seem to be inevitable paths. The people’s choice in 1946 commits us today to building a way out of the crises, the drive for peace, the commitment to fighting inequality through awareness, through participation, in a word, through a renewed democracy.

Alessandro Pollio Salimbeni

22/05/2026

Revanchisten-Treffen zum ersten Mal in der Tschechischen Republik

In früheren Jahrzehnten gab es jährlich große Treffen von Revanchistenverbänden, von Schlesiern, Sudetendeutschen und anderen Gruppen so genannter „Vertriebener“. Sie kamen im Rahmen der Umsiedlung auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens oder als Flüchtlinge zum Ende des Zweiten Weltkrieges als Konsequenz der faschistischen Kriegspolitik in die Bundesrepublik Deutschland. „Vertriebenen-Verbände“ waren über viele Jahrzehnte die politische Verfügungsmasse der CDU/CSU, die sie bewusst für Forderungen nach Revision der Nachkriegsgrenzen ins Feld führten. Rückkehr der „deutschen Ostgebiete“ oder „Entschädigung der Sudetendeutschen“ waren bis zum Beginn des KSZE-Prozesses Forderungen, die die Bundesregierung gegenüber den östlichen Nachbarn unterstützten. Revanchisten erhoben massiven Protest („Aktion Widerstand“) gegen die Ostverträge mit der UdSSR, Polen, der CSSR und der DDR.
Mit dem 2+4-Vertrag von 1990 schienen solche revanchistischen Kräfte endgültig an den Rand gedrängt worden zu sein, dennoch arbeiteten die Verbände weiter. Nun generierten sie sich als „kulturpolitische Vereine“ zur Verständigung. Sicherlich waren viele Mitglieder dieser Gruppen nur an der Bewahrung persönlicher Kontakte zur früheren Heimat, an der Pflege ehemaliger kultureller Traditionen interessiert. Aber noch in den 1990er Jahren versuchten Funktionäre der Verbände Forderungen auf „Restitution“ und Entschädigung von „widerrechtlich geraubtem Eigentum“ gegenüber Polen und der Tschechischen Republik durchzusetzen. Damit scheiterten sie zwar, aber es zeigte, wie revanchistisches Denken lebendig blieb.
Nachdem es in den vergangen Jahren etwas ruhiger um diese Verbände geworden ist, die Betroffenen der Umsiedlung leben zumeist nicht mehr, die nächsten Generationen haben sich weitgehend mit der Realität abgefunden, geriet die Sudetendeutsche Landsmannschaft in diesem Jahr erneut in die Schlagzeilen. Zum ersten Mal plante sie ihr traditionelles Pfingsttreffen auf tschechischem Boden, nämlich in der Brno (früher Brünn), der früheren Hauptstadt Mährens. Geplant ist laut Programm neben einem Gedenken an Brünner Opfer des Holocausts und gleichermaßen des „Brünner Todesmarschs“ anlässlich der Aussiedlung der Deutschen 1945 auch viel sudetendeutsche Folklore und Blasmusik. Neben dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder als Schirmherr der Sudetendeutschen Volksgruppe und dem ehemaligen CSU-MEP Bernd Posselt, dem Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, sollen auch tschechische Redner Grußworte sprechen. Finanziert wird das Ganze durch das deutsche Bundesinnenministerium, das bayerische Familienministerium sowie dem von beiden Staaten getragenen Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.
Interessant ist die öffentliche Reaktion auf dieses Treffen. Während in früheren Jahrzehnten Antifaschisten diejenigen waren, die sich dem Treiben der Revanchisten entgegenstellten, melden sich gegen dieses Treffen in Brno auch nationalistische Organisationen in Tschechien lautstark zu Wort. Die rechtskonservative Partei "Freiheit und direkte Demokratie" (SPD), Koalitionspartner von Andrej Babišs Partei ANO, hatte einen Entschließungsantrag gegen den Sudetendeutschen Tag in Brünn ins Prager Parlament eingebracht. Darin heißt es, man verurteile „jegliche Relativierung der nationalsozialistischen Verbrechen und jegliche Infragestellung der Rechts- und Eigentumsverhältnisse“. Angesichts der Wurzeln der Sudetendeutschen Landsmannschaft in der Henlein-Bewegung (SHP), die an der Abtrennung des Sudetengebietes und an Verbrechen während der faschistischen Besatzung beteiligt war, sei dieses Treffen eine Beleidigung aller Opfer der deutschen Besetzung. Dieser Antrag wurde in der letzten Woche mit großer Mehrheit angenommen. Zurecht vermuten linke Kräfte in Tschechien, dass sich die Rechtsregierung mit dieser Kampagne innenpolitisch profilieren will. Daher organisieren sie eine eigene Kundgebung in Brno gegen dieses Treffen.
Interessant für Antifaschisten ist jedoch, wie diese Auseinandersetzung auch Konflikte zwischen extrem rechten Kräften in Europa sichtbar macht. Die deutsche AfD und ihre Jugendorganisation, die eng verbunden mit den Revanchisten der Sudetendeutschen Landsmannschaft ist, appellieren an die „tschechischen Patrioten“, die deutsch-tschechische Verständigung nicht zu gefährden und auch „des Leids der vertriebenen Deutschen“ zu gedenken. Damit werden sie in der Tschechischen Republik jedoch wenig Gehör finden.
Auch aus Sicht der FIR ist ein solches Treffen in Brno abzulehnen. Revanchistische Verbände agieren nicht nur als Traditionsgruppen ehemaliger Bewohner einer Regionen, sondern sie zeigen – nun unter kulturellen Vorzeichen – weiterhin einen deutschen Hegemonie-Anspruch, aus dem sich politische und Eigentumsforderungen ableiten lassen.

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