03/07/2023
Quo vadis Q***rbeauftragte/r in Berlin?
Als nach der Wiederholungswahl SPD und CDU u.a. mitteilten, dass für queere Belange das Amt eines Q***rbeauftragten geschaffen werden soll, wurde dieses mit Wohlwollen aber auch Skepsis zur Kenntnis genommen. Ich verweise dazu auf die Stellungnahme des Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) aus dem März 2023.
Christopher Schreiber, der Sprecher des LSVD, merkte damals u.a. folgendes an:
„Es sei ein „Leuchtturmprojekt“, dass man bereits von der vorherigen Koalition eingefordert habe. Allerdings sei es wichtig, wo man einen künftigen Q***rbeauftragten ansiedele und dass er ordentlich mit Kompetenzen ausgestattet sei. Den Rang eines Staatssekretärs halte man für angemessen.“
In diesen Sinne äußerte sich auch der Mitbegründer und Sprecher der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V., Ralf Dose, bei der Kranzniederlegung an der Stehle gegenüber dem Rathaus Charlottenburg zum Gedenken an Magnus Hirschfeld am 14. Mai d. J.
Und genau hier fangen die Probleme an. Seitdem gibt es bis heute keine Klarheit über Umfang, Ausstattung, Aufgaben und Kompetenzen des Amtes, keine Stellenbeschreibung, keine Auschreibung einer Stelle bzw. steht überhaupt die Frage an, ob eine Stellenausschreibung überhaupt beabsichtigt ist?
Schlimmer noch: Stattdessen wird seit der Zeit durchgängig ein einziger und wahrlich nicht unumstrittener Name gehandelt, der wohl von Anfang an als Q***rbeauftragter gesetzt sein soll – bislang ohne jede Klarstellung oder Stellungnahme der genannten Person.
Ich frage mich, ob die Politik auch nur annähernd eine Vorstellung hat, wie sauer, verärgert und enttäuscht die Berliner Communities mittlerweile sind?
Der Berliner Communities sind doch keine Ansammlung unmündiger Kinder, denen man etwas vorsetzt, sondern sie erwarten selbstverständlich und zurecht, dass sie eingebunden und angesprochen werden bzw. dass man nicht ÜBER SIE sondern MIT IHNEN spricht – warum tut man also das nicht?
Ich sehe die Gefahr und mache mir große Sorgen, dass die Schaffung des Amtes eines Q***rbeauftragten ein Flopp zu werden droht und zwar sachlich wie personell. - Man spricht schon von einem „Belohnungsamt“ (nicht meine Wortwahl!).
Was spricht eigentlich dagegen, das Amt des Q***rbeauftragten im Rang eines Staatssekretärs anzusiedeln?
Wenn der oder die Q***rbeauftragte – denn ich will hoffen, dass hier nicht schon eine einzelne Benennung feststeht - keine ordnungsgemäße übliche Qualifikation für das Amt mitbringt, wäre alleine dieses schon eine Missachtung der queeren Communities. Vor allem ist dieses auch unverständlich, da wir schon in den Bezirken qualifizierte, erprobte und gut vernetzte Q***rbeauftragte haben, wie z.B. in Tempehof-Schöneberg, Lichtenberg usw.
Wir benötigen für ein solches Amt nämlich keine Menschen, die ein unsachliches und lautes Auftreten, persönliche Angriffe und Anfeindungen sowie Empörungsrethorik mit inhaltlicher Arbeit verwechseln und unfähig sind, Menschen zusammen zu führen.
Ich bitte die Politik daher inständig, die bisherige Vorgehensweise sofort zu verändern und das peinliche Geschwurbel – wie gerade in dieser Woche im AGH geschehen - um einen vermeintlich gesetzten Kandidaten, der zum Teil hochgradig umstritten ist, unverzüglich zu beenden.
Bitte bewegt Euch auf die Communities zu. Ladet sie zu einem runden Tisch ein und schafft ein dauerhaftes Gesprächsgremium für einen relmäßigen dauerhaften Austausch zwischen der Politik und den Comminities.
Fragt die Communities, wen sie sich als Q***rbeauftragte/n vorstellen können.
Nur dann hat die Politik eine echte und gerechte Chance auf Anerkennung und Respekt im queeren Bereich.