14/06/2026
LKW-Aktion im Ostuferhafen Kiel am 10. Juni
Am 10. Juni waren Faire Mobilität, Faire Integration, workers_sh, der KDA sowie eine AWO-Übersetzerin im Ostuferhafen Kiel unterwegs, um mit internationalen LKW-Fahrer*innen über ihre Arbeitsbedingungen zu sprechen. In mehreren Teams konnten zahlreiche Gespräche mit Fahrern aus verschiedenen Ländern geführt werden, darunter aus der Ukraine, Georgien, Kirgisistan, Usbekistan, Turkmenistan und Kasachstan.
Die Gespräche zeigten einmal mehr, wie unterschiedlich die Beschäftigungsbedingungen im internationalen Straßengüterverkehr sind. Einige Fahrer berichteten von langjährigen Arbeitsverhältnissen bei Unternehmen aus Lettland, Polen, Litauen, Dänemark oder Deutschland und beschrieben ihre Situation als zufriedenstellend. Andere machten auf problematische Arbeitsbedingungen aufmerksam, bei anderen konnte man es erahnen:"Ich möchte auf gar keinen Fall etwas Schlechtes über meinen Arbeitgeber sagen. Ich kann hier einfach viel mehr verdienen als in meinem Heimatland. Aber 13,90 Euro pro Stunde bekommt hier keiner." Ein Fahrer erzählte, dass er für die Jobvermittlung sehr viel Geld bezahlt habe. Die Angaben zu Löhnen reichten von Tagespauschalen zwischen rund 90 und 120 Euro bis hin zu einem Bruttomonatslohn von etwa 3.800 Euro. Während manche Fahrer bezahlten Urlaub erhalten und feste Arbeitszeitmodelle haben, berichteten andere, dass sie keinen bezahlten Urlaub bekommen und über lange Zeiträume unterwegs sind. Ein Fahrer ist schon seit dem Jahreswechsel im Einsatz, ohne ein einziges Mal nach Hause zu kommen. In dreimonatigen Abständen können manche immerhin am Standort des Arbeitgebers eine 15-tägige Pause einlegen und in dieser Zeit eine Unterkunft des Arbeitgebers nutzen - wie sie in dieser Pause bezahlt werden, blieb jedoch sehr nebulös. Einige sagten, sie werden dann bezahlt, andere, dass sie während dieser Nichteinsatzzeiten, und auch in den längeren Pausen, wenn sie z.B. für einen Monat nach Hause reisten, gar nicht bezahlt werden.
Die Fahrer transportieren unterschiedlichste Waren, darunter Papier, Möbel, Fleisch oder Ta******en, und sind auf Routen in Deutschland, Frankreich, Skandinavien und weiteren europäischen Ländern unterwegs. Dabei wurde deutlich, dass viele Beschäftigte nur begrenzte Informationen über ihre Rechte und ihre Arbeitsbedingungen haben.