30/10/2018
Der Alltag bei der Feuerwehr und dort ganz besonders im Bereich des Rettungsdienstes ist voll mit Momentaufnahmen aus dem Leben anderer Menschen.
Viele Situationen schafft man allein durch die professionelle Distanz zum Geschehen und einer sachlichen Herangehensweise zu verarbeiten. Es sind Augenblicke, Geschichten, die mit dem Schreiben des Einsatzberichts nochmal R***e passieren und dann im Archivschrank verschwinden.
Andere trägt man noch etwas länger vor seinem inneren Auge mit sich herum. Es sind nicht immer nur die Interaktionen mit den Hilfesuchenden, sondern auch die Konfrontationen mit Verwandten oder Umstehenden, gänzlich Unbeteiligten.
Mal ein kurzer Ausschnitt:
11:37 Uhr NOTF NA REA
Schon beim Abstellen der Einsatzfahrzeuge in Tempelhof beginnt das Hupkonzert hinter dem NEF. Straße zu eng, kein Durchkommen für den nachrückenden Verkehr. Die Wiederbelebung bleibt unbestätigt, es handelt sich um einen anhaltenden Krampfanfall.
Beim Umlagern der weiblichen Patientin auf die Krankentrage auf dem Gehweg tritt ein Mann auf uns zu. Ob er noch lange dauern würde, der Einsatz, möchte er wissen. Sieht er die Bewusstlose nicht? Versteht er nicht, dass es um die Gesundheit eine Menschen geht? Oder ist das einfach der normale Verdrängungsprozess?
12:47 NOTF
Eine Frau mittleren Alters wird auf dem Rücken liegend in einer von Neuköllns vielen Seitenstraßen gefunden.
Sie kann keine Angaben zu ihrem Namen, Wohnort oder zum Geschehen machen. Alles was bleibt ist ihr sorgenerfüllter Blick und der Wortsalat, den man auf eine Frage als Antwort bekommt. Also doch mehr? Schlaganfall? Blutung im Kopf?
Die Neurologin im Krankenhaus stuft den Fall als Notfall ein und schon entschwindet Jane Doe Richtung MRT. Keine Ahnung, was aus ihr wird...
17:23 NOTF
Ein Fall von Körperverletzung in der Nähe des St. Joseph-Krankenhauses. Ein junger Familienvater wird von zwei Männern fixiert und bezieht Prügel. Ich hab mal gelernt, dass zwei gegen einen unfair sei.
Was bleibt ist eine fette Schwellung unter dem Auge, Wut und Frustration. Man schafft es gerade noch ihn auf der Fahrt zum Krankenhaus zu beruhigen und ihm die Notwendigkeit traumatische Erlebnisse aufzuarbeiten näher zu bringen...dann ist man schon wieder auf dem Weg Richtung Wache.
18:15 NT D
“...könnte sich um einen Fall von häuslicher Gewalt handeln. Pol mit auf Anfahrt!“
Die betagte Dame, deren Sohn die Tür öffnet, berichtet von zu hohem Blutdruck vor etwa 20 Minuten. Sie sei ansonsten frei von anderen Symptomen, aber ihr Sohn, der quäle sie absichtlich. Allein der Fernseher, den er ausgetauscht habe...
Beim Eintreffen der Polizei wird klar, dass es sich hier nicht um ein akut, lebensbedrohliches Problem handelt. Der Beamte und die Seniorin kennen sich bereits. Sie bleibt daheim, versichert aber sich für die fachliche Professionalität der Rettungsdienstler höchstpersönlich bei ihrer guten Freundin, der Bundeskanzlerin zu bedanken.
Es gibt unzählige dieser Einsatzabläufe.
Facettenreich und bunt gemischt. Der ganz normale Wahnsinn der Großstadt!
Stay Safe... and Motivated
/d.r.