27/04/2023
Vorletzter, 4. Teil unserer Sicht auf die Arbeit und die Wahlversprechen des Landrates Witschas:
Ein weiteres großes Thema ist der Haushalt 2023/24. Zuletzt wurde ein erster Entwurf im Kreistag vorgestellt.
Eine solch komplizierte Haushaltssituation hat es im Landkreis wahrscheinlich noch nicht gegeben. Daraus resultierend der Landkreisverwaltung einen Vorwurf zu machen ist nicht angebracht. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die Preisentwicklungen u. a. besonders bei Investitionen, die enorm angestiegenen Sozialleistungen usw. haben im Wesentlichen diese Situation herbeigeführt.
Bei allen Problemen, mit dem vorliegende Haushaltsentwurf hat die Verwaltung die Mindestanforderungen erfüllt. Gelungen ist das allerdings nur durch den Einsatz der Rücklagen und der Inanspruchnahme von Krediten. Wir sehen aber in der Durchführung des Haushaltes die Gefahr, das steigende Ausgaben z.B. bei Investitionen, zu enormen Problemen führen können. Dabei wenden wir uns in der Debatte vor allem gegen sie einseitige Problematisierung der Ausgaben im Bereich Soziales. Diese sind der Kitt der Gesellschaft und sind nicht geringer zu bewerten als die Ausgaben für Investition und Instandhaltung z.B. im Straßenbaubereich.
Kritisch zu sehen sind die zukünftig vorgesehenen Erhöhungen der Kreisumlage. Die Haushaltssituation in den Städten und Gemeinden des Landkreises ist nicht besser als im Landkreis und würde diese enorm belasten. Statt der Erhöhung der Kreisumlage muss dringend die systematische Unterfinanzierung der Kreise durch das Land beendet werden. Aber auch die vom Freistaat geplanten Senkungen der finanziellen Zuweisungen an die Städte und Gemeinden müssen verhindert werden.
Welche weiteren wichtigen Themen gibt es aus Ihrer Sicht für den Landkreis Bautzen und wie packt Udo Witschas diese an?
Die Versorgung Bedürftiger, auch infolge der immensen Preissteigerungen, ist ein wichtiges Thema, beispielsweise durch die Unterstützung der Tafeln. Da hat Herr Witschas die Spendenbereitschaft der Sparkassen sprichwörtlich vor das Loch in der Landkreiskasse geschoben. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben - in zwei Jahren, wenn die Spenden der Sparkassen ausgelaufen sind, wird das Thema leider immer noch stehen und die politische Verantwortung auch des Landkreises gefragt sein.
Das Thema der Inklusion und der einhergehenden Barrierefreiheit ist aus unserer Sicht wichtig. Der Landkreis muss bei allen Vorhaben inklusiv denken und handeln, auch im Sinne einer älter werdenden Bevölkerung. Dies als Grundsatz, und eben nicht nur als Empfehlung zu begreifen, wäre ein überfälliger Ansatz.
Aus unserer Sicht ist es auch weiterhin wichtig, sich für die Elektrifizierung der Bahnstrecke Dresden – Görlitz einzusetzen.
Ein weiteres Leitthema war die Nachwuchsförderung. Udo Witschas wollte „die Arbeit der Ehrenamtsbeauftragten verstetigen, den Ausbau der Vernetzung der Ehrenamtsstrukturen zur besseren Nutzung der Potentiale fördern und die Vereinsförderung mit dem Fokus der Nachwuchsarbeit auf neue Füße stellen. Neue Anreize für die Kinder- und Jugendarbeit im Ehrenamt sollen dabei entstehen.“ Wie relevant ist dieses Thema und inwieweit hat Udo Witschas seine Ziele hier bislang erreicht?
In diesem Zusammenhang entstand das Projekt „Kids – Kinder in den Sportverein“ des Kreissportbundes, allerdings noch zur Amtszeit von Landrat a.D. Harig. Unsere Fraktion begrüßte die Umsetzung dieses Projektes, begleitete dies jedoch auch mit kritischen Fragestellungen. Zentraler Ausgangspunkt war für uns dabei die Frage, inwieweit hier Aufgaben des Hauptamtes Kinder- und Jugendarbeit auf das Ehrenamt „abgewälzt“ werden. Sozialarbeit ist eine Profession, kein Hobby. Kinder- und Jugendarbeit im Hauptamt zu unterstützen ist für uns maßgebliche Anforderung an den Landrat, denn dabei geht es nicht nur um Prävention und Kompensation, sondern vor allem auch darum, Kindern und Jugendlichen eine glückliche Kindheit und Jugend zu ermöglichen und für sie Anreize zu schaffen, hier im Landkreis zu bleiben. Ergänzende ehrenamtliche Angebote, wie das Projekt „Kids“, kommen natürlich vor allem auch den Kindern und Jugendlichen zugute. Dieses Projekt fortzuführen, die Rahmenbedingungen dafür auch im Haushalt zu schaffen – das ist Aufgabe des Landrates.