24/05/2026
Mukatschewo. Oder: Manchmal setzt sich eine gute Idee eben doch durch!
Es gibt politische Geschichten, die beginnen mühsam, werden zwischendurch ärgerlich und enden am Ende doch gut.
Die Städtepartnerschaft zwischen Bamberg und Mukatschewo ist so eine Geschichte.
Schon wenige Monate nach Beginn des russischen Angriffskrieges war für mich klar: Bamberg sollte nicht nur reden, nicht nur betroffen schauen und nicht nur Solidarität erklären. Bamberg sollte eine echte Brücke in die Ukraine bauen.
Eine Städtepartnerschaft. Verlässlich. Persönlich. Langfristig.
Ich habe diesen Vorschlag damals in die CSU-Fraktion eingebracht. Nicht einmal. Nicht zweimal. Sondern mehrfach.
Die Antwort des damaligen Fraktionsvorsitzenden war: Nein.
Mal hieß es, wir hätten ja kein Geld, um Häuser aufzubauen. Mal wurde abgewiegelt. Mal wurde gezögert. Dabei ging es nie darum, aus Bamberg heraus ganze Straßenzüge wieder aufzubauen. Es ging darum, Menschen miteinander zu verbinden. Schulen, Vereine, Kultur, Verwaltung, Jugend, Kirche, Bürgerschaft. Genau das, was Städtepartnerschaften leisten können.
Interessant ist ja: Den Eifer, den der frühere CSU Spitzenmann später entwickelt hatte, als es darum ging, die CSU als Sprungbrett zu benutzen, eine eigene Gruppierung (CSB)zu bauen und neue Regeln (Stellvertreterregelung) im Stadtrat erstaunlich schnell auch nach dem eigenen politischen und finanziellen Vorteil zu sortieren, diesen Eifer hätte ich mir damals bei einer Partnerschaft mit der Ukraine gewünscht.
Da wäre er wirklich gut angelegt gewesen.
Aber sei es drum.
Nachdem ich im Sommer 2023 den Vorsitz der CSU-Fraktion übernehmen durfte, haben wir die Sache unverzüglich auf den Weg gebracht. Und dann ging es plötzlich. In der CSU-Fraktion. Gegenüber der Stadt. Mit Unterstützung anderer Fraktionen. Und am Ende wurde aus einer Idee eine Partnerschaft.
Mukatschewo war dabei kein Zufall.
Die Stadt ist vergleichbar groß wie Bamberg. Sie liegt in Transkarpatien, weit im Westen der Ukraine. Und es gibt historische Verbindungen nach Oberfranken. Mein Freund Michael Kleiner hatte mich damals auf diese Stadt aufmerksam gemacht, weil er Osteuropa, die Kirchenkontakte und die deutsche Minderheit in dieser Region seit vielen Jahren hervorragend kennt.
Genau so muss man eine Städtepartnerschaft vorbereiten: nicht aus dem Bauch heraus, sondern mit Herz, Verstand und Kenntnis.
Bislang waren Schülerinnen und Schüler aus Mukatschewo in Bamberg, einzelne Gruppen und auch Vizebürgermeisterin Julia Taips. Einen offiziellen Gegenbesuch aus Bamberg gab es wegen der Kriegslage bisher nicht.
Nun darf ich als erster offizieller Vertreter der Stadt Bamberg Mukatschewo besuchen.
Ich freue mich sehr darauf.
Und ich danke ausdrücklich Oberbürgermeister Sebastian Niedermaier, der mir ein Empfehlungsschreiben und Geschenke für das Bamberg-Zimmer in Mukatschewo mitgegeben hat. Das ist ein gutes Zeichen. Und bei aller politischen Unterschiedlichkeit darf man auch einmal sagen: Wenn etwas richtig ist, dann ist es richtig.
Natürlich bleibt die Ukraine ein Land im Krieg. Auch Mukatschewo ist davon nicht unberührt. Die Stadt liegt zwar weit entfernt von der Front und diesseits der Karpaten, aber sie trägt die Last dieses Krieges trotzdem: durch Binnenflüchtlinge, durch Angst, durch Unsicherheit und durch die Frage, wie lange dieses Leid noch weitergehen soll.
Genau deshalb sind solche Partnerschaften wichtig.
Sie sind keine Folklore. Sie sind keine Sonntagsreden. Sie sind keine Postkartenromantik.
Sie sind gelebte Verantwortung.
Eine Städtepartnerschaft bedeutet: Wir sehen euch. Wir vergessen euch nicht. Wir reden nicht nur über Europa, wir füllen Europa mit Leben. Von Mensch zu Mensch. Von Stadt zu Stadt. Von Bamberg nach Mukatschewo.
Ja, ich bin stolz darauf, dass diese Brücke heute steht.
Nicht, weil ich immer recht haben muss. Sondern weil eine gute Idee am Ende stärker war als Bedenken, Ausreden und parteiinterne Bremsklötze.
Ich hoffe auf Frieden. Ich hoffe auf viele Begegnungen. Ich hoffe, dass bald noch viel mehr Menschen aus Bamberg und Mukatschewo über diese Brücke gehen können.
Denn Politik ist dann am besten, wenn sie nicht spaltet, sondern verbindet.
Und manchmal zeigt sich eben: Wer erst dreimal Nein sagt, muss später trotzdem erleben, dass das Richtige passiert.
Zum Glück.