27/08/2026
Neugierig verwurzelt – Pflanzenvielfalt in der Grafschaft
Mit dieser neuen Reihe stellen wir regelmäßig Pflanzenarten vor, die u.a. auch in der Grafschaft Bentheim heimisch sind – manchmal unscheinbar, manchmal spektakulär, aber immer schützenswert.
Die Moorlilie – kleiner Schatz der nassen Standorte
Gerade einmal 30 cm hoch – und doch ein echter Hingucker. Oder besser gesagt: ein „Riechfänger“. Denn die Moorlilie (Narthecium ossifragum) verströmt einen zarten, nelkenartigen Duft. Aber das ist längst nicht alles, was diese Pflanze besonders macht.
Sie liebt es extrem: nährstoffarm, sauer, dauerhaft nass. Zu finden ist sie in Hoch- und Übergangsmooren, Heiden und Moorgräben – Lebensräume, die auch bei uns im Landkreis eine lange Geschichte haben und heute besonders schützenswert sind.
Von Juli bis August zeigt sie sich in voller Pracht: lockere, traubige Blütenstände mit gelben, zarten Blüten. Der Volksmund nennt sie deshalb auch Ährenlilie. Sechs auffällige Staubblätter mit wollig behaarten Staubfäden und ziegelroten Staubbeuteln machen jede einzelne Blüte zu einem kleinen Kunstwerk.
Weniger poetisch klingt ihr dritter Name: Beinbrech. Der botanische Artname ossifragum bedeutet wörtlich „Knochenbrecher“. Früher machte man die Pflanze für Knochenbrüche beim Weidevieh verantwortlich – weil die moorigen Böden nährstoffarm und tückisch zu begehen sind. Und weil Aberglaube bekanntlich nie weit ist, galt sie gleichzeitig als Heilpflanze bei Knochenleiden.
Die Moorlilie steht heute unter strengem Schutz und ist in Deutschland selten geworden. Auch in der Grafschaft Bentheim sind ihre Standorte auf einige wenige Moore begrenzt. Wer sie entdeckt, darf sich freuen – aber bitte nur mit den Augen: Niemals ausgraben oder pflücken!
Moorlilien sind nur ein Beispiel für die faszinierende Vielfalt unserer Region. Mit unserer Reihe „Neugierig verwurzelt“ möchten wir zeigen, wie spannend heimische Pflanzen sein können – und warum ihr Schutz unsere gemeinsame Aufgabe ist.